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+++ Aktualisiert: 13:00 Uhr +++

Ruhetag zu Ostern versetzt Ernährungsbranche in Aufruhr

Kanzlerin Merkel
am Mittwoch, 24.03.2021 - 12:40 (Jetzt kommentieren)

Die ursprünglich geplante Osterruhe am Gründonnerstag stößt in der Agrarwirtschaft auf massiven Protest – und wurde von der Kanzlerin heute schon wieder zurückgenommen.

Im vorigen Jahr noch systemrelevant im Kampf gegen die Corona-Pandmie, sollten Ernährungswirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel nun kurzfristig am Gründonnerstag und Karsamstag zwei „Ruhetage“ einlegen. Das hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erst am späten Montagabend beschlossen.

Der Beschluss zur Verschärfung des Lockdowns als "Wellenbrecher" gegen die Ausbreitung des Corona-Virus stieß in der betroffenen Wirtschaft jedoch auf so heftigen Widerstand, dass er heute (24.3.) von der Kanzlerin nach einer überraschenden Konferenz mit den Ländern bereits wieder gekippt wurde.

Raiffeisenverband erleichtert über die Rücknahme

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) reagierte mit großer Erleichterung auf die Entscheidung Merkels, die angekündigte Osterruhe zurückzunehmen. „Der Gesundheitsschutz ist in diesen Zeiten das A und O, solch spontane Ruhetage hätten jedoch mehr Schaden als Nutzen gebracht. Kundenströme hätten sich verdichtet, die Infektionsgefahr wäre gestiegen. Die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und der Landwirtschaft wäre in Gefahr geraten. Und Unternehmen hätten vielfältige zusätzliche Belastungen stemmen müssen“, sagte DRV-Präsident Franz-Josef Holzenkamp.

Molkereien wollen Milch abholen

Der Milchindustrie-Verband (MIV) hatte gestern betont, die deutschen Molkereien müssten auch am Gründonnerstag die Milch von den Höfen abholen können.

Der MIV wies gegenüber Bund und Ländern darauf hin, dass Molkereien als Teil der kritischen Infrastruktur von den zusätzlichen Ruhetagen ausgenommen bleiben müssten. Der Bundesverband des Lebensmitteleinzelhandels (BVLH) setzte sich laut MIV ebenfalls dafür ein, dass auch am Gründonnerstag geöffnet werden darf.

Agravis: Rinder und Schweine fressen auch an Ostern

Die Futtermittelindustrie zeigte sich ebenfalls tief beunruhigt über den kurzfristigen Eingriff in die Warenkette. Mischfutter wird heutzutage überwiegend „just in time“ produziert und vertrieben.

Agravis-Vorstandschef Dr. Dirk Köckler sagte noch heute Morgen auf der virtuellen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens: „Hühner, Schweine und Kühe fressen auch über Ostern weiter“. Ostern sei für die Futtermittelindustrie schon in normalen Jahren nach Weihnachten die größte Herausforderung. Die Lieferkette dürfe nicht unterbrochen werden. Darum ging Köckler davon aus, dass die Futtermühlen der Agravis-Gruppe trotz der umstrittenen „Osterruhe“ weiter produzieren werden. Das war kurz bevor die Nachricht zur Absage der Ruhetage aus Berlin die Runde machte.

DBV warnt vor Eingriff in systemrelevante Ketten

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, kritisierte die „Osterruhe“ inklusive Gründonnerstag ebenfalls und warnte davor, die Arbeit der Landwirtschaft und der dazugehörenden Bereiche wie beispielsweise Molkereien oder Schlachtbetriebe zu unterbrechen.

„Um die Bevölkerung weiter mit frischen, hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, müssen systemrelevante Branchen wie die Landwirtschaft und deren vor- und nachgelagerten Bereiche auch über Ostern arbeitsfähig gehalten werden“, unterstrich Sonnleitner. Die Logistik und die Lieferketten dürften nicht unterbrochen werden.

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