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Milchindustrie

Saputo kauft australische Murray Goulburn

Milchvieh in Australien
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
27.10.2017

Der kanadische Milchverarbeiter Saputo kauft die angeschlagene australische Molkereienossenschaft Murray Goulburn. Der große Konkurrent Fonterra ging leer aus.

Einen Tag vor der Mitgliederversammlung von Murray Goulburn nahm der Vorstand der australischen Genossenschaft das Übernahmeangebot aus Nordamerika einstimmig an: Saputo wird die seit Jahren in schwierigem Fahrwasser befindliche Murray Goulburn zum Kaufpreis von rund 857 Mio. Euro übernehmen.

Damit wird Saputo, bisher die Nummer vier in Australien, künftig das dominierende Unternehmen auf dem fünften Kontinent. Der große Konkurrent aus Neuseeland, die Genossenschaft Fonterra, kam nicht zum Zuge. Ohnehin hätte ein Verschmelzen von Fonterra und Murray Goulburn, den beiden größten Milchverarbeitern in Australien, voraussichtlich aber die Wettbewerbsbehörde ACCC auf den Plan gerufen.

Saputo ist weltweit die Nr. 9

Saputo will die Akquisition in der ersten Jahreshälfte 2018 abschließen. Bis dahin hoffen die Kanadier, die Zustimmung der genossenschaftlichen Mitglieder und die Freigabe durch die australischen Behörden für Wettbewerb ACCC und Auslandsinvestitionen FIRB zu erhalten.

Nach einer Rangliste der Rabobank ist Saputo – ohne den Zukauf – die neuntgrößte Molkerei der Welt. Ihr Umsatz mit Milchprodukten erreichte im vorigen Jahr umgerechnet 7,6 Mrd. Euro.

Abnahmegarantie und Bonuszahlung

Murray Goulburn ist seit Jahren angeschlagen. Schlechte Auszahlungspreise und rückwirkende Abzüge vom Milchgeld haben die australischen Milchviehhalter dem Unternehmen in Scharen den Rücken kehren lassen. Die Milchanlieferung wird nächstes Jahr mit weniger als 2 Mrd. kg voraussichtlich rund 45 % kleiner ausfallen als noch 2016.

Saputo hat den verbliebenen Murray Goulburn-Lieferanten eine Anhebung des Milchpreises um knapp 8 % versprochen. Außerdem soll es nach Abschluss der Transaktion eine Treueprämie pro Kilogramm Milch geben. Insgesamt beläuft sich Wert der Boni-Zahlungen auf 74,6 Mio. Euro. Darüber hinaus garantieren die Kanadier die Milchabnahme für die nächsten fünf Jahre zu Lieferbedingungen, die nicht schlechter sein dürfen als die bisherigen von Murray Goulburn.

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