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Schlachtindustrie

Sat1 erhebt schwere Vorwürfe gegen Tönnies – der Konzern wehrt sich

Ein Schlachthof von Tönnies mit Logo
am Mittwoch, 15.12.2021 - 10:31 (5 Kommentare)

Der Privatsender SAT1 erhebt schwere Vorwürfe gegen Tönnies. Darunter: Ausbeutung, Mietwucher, unwürdige Unterkünfte, moderne Sklaverei und sogar Prostitution.

Der Privatsender SAT 1 strahlte am Dienstagabend kurzfristig seine Sendung „Inside Tönnies“ aus. Darin macht der Sender Deutschlands größtem Fleischunternehmen schwere Vorwürfe: Dazu gehören solche Vergehen wie Ausbeutung, Mietwucher, unwürdige Unterkünfte, moderne Sklaverei und sogar Prostitution.

Außerdem kritisiert der Privatsender ganz nebenbei noch die öffentlich-rechtliche Konkurrenz. So wurde der ARD Schönfärberei bei der Berichterstattung vorgeworfen. Dort kam Tönnies vor wenigen Wochen zu Wort.

Aufhänger der SAT-1-Geschichte ist Milena, eine Journalistin aus Bulgarien. Sie wurde bei Tönnies eingeschleust. Der Privatsender berichtet: Bevor Milena mit der Arbeit beginnen konnte, wurde von ihr ein unbezahlter Probetag verlangt. Die Unterbringung kostete 250 Euro im Monat und wurde vom Gehalt abgezogen, heißt es weiter. Das Gehalt von Milena: 9,50 Euro brutto pro Stunde.

Die Journalistin filmte dann mit versteckter Kamera bei Tönnies. Das Problem der Sendung: „Viele der Anschuldigungen und Vorwürfe sind anonym oder werden nicht belegt. Manches wird auch nur vermutet“, schreibt etwa das Nachrichtenmagazin Focus.

Immer wieder kommen Passanten mit Corona-Schutzmasken vor dem Gesicht zu Wort und sind nicht wirklich zu erkennen. Eine Ausnahme ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner, der ebenfalls schwere Vorwürfe erhebt. „Den Anspruch „Inside Tönnies“ kann Sat1 jedenfalls nur selten einlösen", schreibt dazu jedoch der Focus.

Tönnies bestreitet die Vorwürfe und wehrt sich

Tönnies widerspricht den Vorwürfen des Privatsenders. In einer Stellungnahme vor der Ausstrahlung am Dienstag kritisierte das Unternehmen, nicht mit den konkreten Inhalten oder gar Vorwürfen konfrontiert worden zu sein. Zudem wies Tönnies die Aussage zurück, dass Anwälte des Unternehmens versucht hätten, die Berichterstattung zu verhindern.

Weiter heißt es: „Die Recherche für die Sendung „Sat1 investigativ“ war von Anfang an einseitig ausgerichtet, um gegen das Unternehmen und den Unternehmer Clemens Tönnies zu skandalisieren. Nach Informationen von Tönnies hat das Fernsehteam in den vergangenen Wochen und Monaten zudem potenziellen Gesprächspartnern Geldzahlungen angeboten, wenn sie vor der Kamera Negatives über den Unternehmer oder sein Unternehmen sagen würden."

Tönnies sagt weiter: „Es erweckt den Eindruck, als würde man nur skandalisierende Aussagen akzeptieren. Viele angeblichen Fakten im Film sind äußert schlecht recherchiert, es gibt unzählige Falschbehauptungen“. So berichtet Tönnies – entgegen den Aussagen im Film –, dass  bis Ende 2020 alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Produktion fest übernommen wurden. Für die weniger als 30 Prozent der Angestellten, die nicht privat wohnen, stellt das Unternehmen Wohnungen zur Verfügung.

„Wir sind noch nicht am Ende unseres Weges. Aber wir haben schon riesige Sprünge gemacht und werden diesen Weg der Transformation unbeirrt weitergehen“, sagte Unternehmenssprecher Reinkemeier.

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