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Schlachtbranche

Schlachthofranking: Tönnies schlachtet fast jedes dritte Schwein

am Montag, 01.04.2019 - 12:58

Wegen der Preiseuphorie am Schweinemarkt geraten vor allem mittelständische Unternehmen ohne Exportlizenzen für China unter Druck. Ohnehin hatten sie es im vergangenen Jahr schwer, wie das ISN-Ranking zeigt.

Schweinehälften im Schlachthof

Der Markt für Schweinefleisch in Deutschland schrumpft. Wachstum in Form von mehr Schweineschlachtungen gelang im abgelaufenen Jahr kaum einem Unternehmen, wie das aktuelle ISN-Schlachthofranking 2018 belegt. Selbst die Top 3 sind von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Jedoch gibt es unterschiedliche Tendenzen.

Tönnies konnte die Schlachtzahlen des vergangenen Jahres trotz eines gesunkenen Angebots auf dem deutschen Markt halten und seinen Marktanteil dadurch auf fast 30 Prozent steigern. Damit schlachtet das Unternehmen nahezu jedes dritte deutsche Schwein.

Aber auch in Rheda spürt man Grenzen des Wachstums. Während der Standort in Schleswig-Holstein nach dem Ausbau zulegte, stagnieren die übrigen Standorte. Investiert wird aktuell nicht in Schlachthaken, sondern es werden die Verarbeitungskapazitäten modernisiert. In den für die Wursthersteller wirtschaftlich katastrophal gelaufenen Jahren 2016 und 2017 hatte Tönnies einige Unternehmen zugekauft. Diese stehen aktuell auf dem Prüfstand, werden entweder modernisiert oder geschlossen.
 

Vion lässt Federn

ISN-Ranking2018-Schweineschlachter

Knapp auf Platz 2 steht das niederländische Unternehmen Vion Food Group. Die Schlachtungen gingen immerhin um rund eine halbe Million Schweine auf noch 8 Mio. zurück. Dabei wird deutlich, wie schwierig das Jahr für Vion gelaufen ist.

Der Preisdruck auf den wichtigsten Märkten in Asien und Europa war enorm. Das dürfte die Niederländer dazu bewogen haben, zurückhaltender im Einkauf zu agieren und immer wieder auch mit Hauspreisen aufzufallen. 

Trotz der niedrigen Preise zeigte man sich bei der Westfleisch mit den Ergebnissen des abgelaufenen Jahres 2018 im Großen und Ganzen zufrieden. Dabei weisen die Schlachtzahlen auch bei der Westfleisch ein dickes Minus im Vergleich zu 2017 aus.

Nach eigenen Angaben sei dieses das Resultat gesunkener Lohnschlachtungen, die eigenen Betriebe schlachteten sogar 1,6 Prozent mehr. In Münster hegt man große Pläne für die Zukunft. Die Genossenschaft will Standorte grundlegend modernisieren und insbesondere das Werk in Oer-Erkenschwick erweitern.

Insgesamt schlachteten die Top-Ten der deutschen Schlachtunternehmen 2,4 Prozent weniger Schweine. Der Gesamtmarkt sank aber stärker. Damit haben sie ihren Marktanteil von fast 79 Prozent gefestigt.

Platz 4 bis 10: Sandwichposition macht zu schaffen

Die Unternehmen hinter den Top 3 können ihre Marktanteile überwiegend halten oder sogar noch ausbauen. Einzig bei der Willms-Gruppe war nach den Wachstumsraten der Vorjahre ein etwas höherer Rückgang der Schlachtzahlen zu verzeichnen.

Die Stimmung im Mittelstand schwankt zwischen Zuversicht und Zukunftsangst. Die meisten Unternehmen haben ihre Kosten im Griff und haben in den vergangenen Jahren positive Renditen erwirtschaftet. Beispielhaft können hier Simon-Fleisch und das Unternehmen Manten genannt werden.

Rückläufige Schweinebestände, ein extrem angespannter Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen, die günstige Konkurrenz aus dem Ausland und nicht zuletzt die Marktmacht des deutschen Lebensmitteleinzelhandels machen dem Mittelstand jedoch mehr und mehr zu schaffen.
 

Lebensmittelhandel muss Fleischpreise erhöhen

„Aktuell gibt es nur ein Thema in der Branche: China!“ gibt ISN-Marktexperte Matthias Quaing die Stimmungslage wieder. „Die Afrikanische Schweinepest scheint dort außer Kontrolle. Der Asienexport ist Preistreiber Nummer eins und lässt die globalen Fleischpreise sprunghaft steigen. Unternehmen ohne gültige China-Lizenz könnten ins Hintertreffen geraten“, erwartet Quaing einen verschärften Konkurrenzkampf.

„Die plötzlich steigenden Rohstoffpreise dürften insbesondere viele mittelständisch geprägte Fleischverarbeiter und Wursthersteller in existentielle Schwierigkeiten bringen. Die Rechnung geht am Ende nur auf, wenn der Lebensmitteleinzelhandel die steigenden Preise möglichst umgehend an den Verbraucher weitergibt. Ansonsten wird der Strukturwandel in der Fleischwirtschaft 2019 noch einmal spürbar angeheizt!“ bringt Quaing das aktuelle Kernproblem auf den Punkt.

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