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Energiekrise und Stromversorgung

Die schlimmsten Biogas-Pleiten der letzten Jahre

Biogasanlage.
am Montag, 01.11.2021 - 11:28 (1 Kommentar)

Die Energiekrise verschont auch Betreiber von großen Biogasanlagen und Erzeuger grüner Energie nicht. Betroffen sind in aller Regel auch Landwirte als Lieferanten von Gülle oder und pflanzlichen Rohstoffen.

Oftmals sind Landwirte Miteigentümer und Mit-Betreiber von Biogasanlagen. Firmenpleiten grüner Energieerzeuger verschonen auch die Abnehmer des erzeugten Stroms und der Wärme nicht. Das zeigt das jüngste Beispiel einer komplett auf die aus einer Biogasanlange erzeugte Energie angewiesene Dorfgemeinschaft In Vorpommern. Dort sitzen Menschen schlimmstenfalls komplett ohne Strom und mit kalter Heizung da.

Doch es gab in den letzten Jahren noch viel größere Pleiten von Biogaslangen in Deutschland, mit weitreichenden finanziellen Folgen für Landwirte, Betreiber und Kunden. Und in vielen der vergangenen Fälle war es eben nicht die Energiepreiskrise die zu Insolvenz und Abwicklung der Firmen geführt hat, sondern Missmanagement oder eine falsche Einschätzung der Marktlage und der Wachstumsmöglichkeiten.

Etliche der pleite gegangen Anlagen und Unternehmen sind jedoch nicht vom Markt verschwunden, sondern sie wurden am Ende entweder komplett übernommen oder – was häufiger der Fall war -  aufgeteilt und von anderen Unternehmen/Eigentümern weiter betrieben. Oder sie waren so groß, dass nur Unternehmenteile untergangen bzw. von der Insolvenz betroffen waren.

Im Anschluss erfolgt eine „kleine Auswahl“ von Biogaspleiten der letzten Jahre, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und der unserer Leser sicher noch einige andere Beispiele hinzufügen können.

Die UDI-Krise schafft es bis auf tageschau.de

biogas.

Eine der öfftenlich am meisten diskutierten Biogas-Krisen, ist die der Umwelt-Direkt-Invest (UDI). Das Versprechen von UDI folgt dem Zeitgeist: „Grünes Geld, saubere Rendite“. Und man sammelte viel Geld ein. Versprochen werden nachhaltige Investments. Die jährlichen Zinsversprechen lagen zwischen vier und 6,5 Prozent, berichtet etwa der Finanz-Dienstleister Procontra-online. Dabei hat sich die UDI auf erneuerbare Energien spezialisiert und finanzierte mit dem Geld der Anleger auch Biogasanlagen, die dann von UDI-Tochtergesellschaften betrieben werden.

Genau diese Gesellschaften, wie beispielsweise die UDI Biogas Barleben, mussten im Sommer dieses Jahres Insolvenz anmelden. Allerdings hat die UDI diese Anlage nach der Insovenz verkauft und sagt dazu, dass die nachrangigen Insolvenzgläubiger  in diesem Fall Aussicht auf die Befriedigung ihrer finanziellen Forderungen haben.

Möglicherweise hat die sich bereits anbahnende Energiepreisekrise die Schwierigkeiten von UDI verschärft, doch Wirtschaftsprüfer wie Kai-Wilfrid Schrüder von Utility Consultants hatten schon seit Jahren Kritik an der finanziellen Verfassung der Firma geäußert. So musste etwa die UDI-Biogas-Anlage im hessischen Nieder-Klingen, südlich von Darmstadt, 2018 ebenfalls Insolvenz anmelden und auch die Anlage im südhessichen Otzendorf.

Dem Wirtschaftsprüfer Kai-Wilfrid Schröder sind die wirtschaftlichen Probleme bei den Biogasanlagen früh aufgefallen, berichtete er auf Tagesschau.de: "Wir sehen über den ganzen Konzern hinweg die UDI schon seit 2015 in großer Gefahr. 2017 waren die Alarmglocken dann nicht mehr zu überhören." Die Bilanzen mehrerer Biogasgesellschaften weisen seit Jahren Verbindlichkeiten in Millionenhöhe auf. Manche Projekte sind nie fertig gebaut oder realisiert worden, wie die Biogasanlagen im hessischen Kaichen und Steinau. Mitunter kamen Baumängel und hohe Reparaturkosten hinzu, heißte es weiter.

Die UDI selbst sagt, dass sie derzeit noch 14 Biogaslangen bertreibt und diese nicht insolvent sind. Darunter befinden sich die Biomethaneinspeiseanlagen Torgelow, Erdeborn, Raitzen und Thierbach.

Biogas-Fonds gehen pleite - immer sind Landwirte betroffen

Schon einige Zeit zurück liegt eine ähnliche Firmenpleite – die auch Teil eines großen Investments-Projekts mit grüner Energie war. Im Jahr 2013 hatten zwei Biogas-Fonds „BiGaIII“ und „BiGaIV“, Insolvenz angemeldet und damit die Stilllegung zahlreicher Biogasanlagen ausgelöst. Insgesamt waren damals 33 Anlagen in die Insolvenz gerauscht. Davon standen die meisten Anlagen in Niedersachsen, im Raum Diepholz und Syke.

Allerdings konnten die meisten Anlagen rasch weiterverkauft und weiterbetrieben werden. Mehrere Anlagen wurden sogar „im Block“ an große Unternehmen aus der Biogasbranche abgegeben, hatte der damalige Insolvenzverwalter Christoph Morgen, der Kreiszeitung Diepholz berichtet.

Insider gingen damals davon aus, dass beim Weiterverkauf gut eine Viertelmillion Euro pro Anlage geflossen sein dürfte. Diese hatten bei ihrem Bau einige Jahre zuvor allerdings deutlich über eine Million Euro gekostet, berichtetet die Kreiszeitung Diepholz. Der neue Betreiber hatte die Landwirte, auf deren Flächen die Anlagen standen, dann aber mit ins Boot geholt.  

Umgesetzt wurde ein Betreibermodell, an dem Erwerber und Landwirte hälftig beteiligt sind,“ hatte der Insolvenzverwalter berichtet. Die Mehrheit der Landwirte hat dann auch mitgemacht. Für die privaten Anleger sah die Sache weniger gut aus: Gut 500 Geldgeber hatten etwa 30 Millionen Euro investiert. Für sei bedeutete die Pleite wie in anderen Fällen auch ein Totalverlust.

Der damals größte Biogaserzeuger Europas - auch pleite

Biogas.

Ebenfalls schon länger zurück liegt die Pleite der AC Biogas GmbH. Das Unternehmen bezeichnete sich damals (2014) als der größte "größten Energieerzeuger auf Biogasbasis in Europa". Es betrieb an rund 100 Standorten Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 103 Megawatt. Zehn Prozent der Anlagen produzierten neben Wärme auch "Biomethan", das ins Erdgasnetz eingespeist wurde. Von der Zahlungsunfähigkeit waren über 700 Landwirte betroffen, die die Lieferverträge mit der AC Biogas hatten.

Anscheinend hatte sich das Unternehmen mit Blick auf die bevorstehenden Änderungen der Biomasse-Regelungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) neu aufgestellt - und verkalkuliert. Wobei die "Reform des Fördersystems" also die Beschränkung der Förderung neu gebauter Biogas-Anlage auf Abfall und Reststoffe eigentlich nicht die Ursache für die Insolvenz gewesen sein kann. Denn: Für die bestehende Anlagen galt Bestandsschutz und die Vergärung von Biomasseabfällen zu Biogas wird weiterhin gefördert. Ursache für die Insolvenz also auch in diesem Fall ganz offensichtlich ebenfalls vor allem Management-Fehler.

Einige Jahre zuvor - im Jahr 2009 - hatte bereits eines der größten Unternehmen der Biogasbranche, die Schmack Biogas AG, Insolvenz angemeldet. Als Gründe wurden ganz allgemein Finanzierungsprobleme mit Investoren und Banken genannt. Schmack Biogas war sogar international unterwegs und hatte Anlagen und Aufträge in Großbritannien, Frankreich und Italien laufen.

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