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+++ Aktualisiert: 14:00 Uhr, 4.12.2020 +++

Schwarz Gruppe stellt 50 Mio. Euro für Initiative Tierwohl bereit

Lidl gehört wie auch Kaufland zur Schwarz Gruppe, die Klaus Gehrig leitet.
am Donnerstag, 03.12.2020 - 19:16 (Jetzt kommentieren)

Die Schwarz Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, will im Laufe des Jahres 2021 über die Initiative Tierwohl (ITW) 50 Millionen Euro zur Unterstützung ihrer Landwirte zur Verfügung stellen. Der DBV spricht von einem "Trostpflaster" und fordert eine Abkehr von der Niedrigpreiskultur.

Klaus Gehrig, Chef der Schwarz Gruppe, reagierte auf Bauernproteste, indem er einen Dringlichkeitsgipfel mit Spitzen der Handelsunternehmen und Bundesagrarministerin Julia Klöckner ankündigte.

Nach dem Gipfeltreffen, das am Donnerstagnachmittag (3.12.) stattfand, verkündete Gehrig überraschend, dass die Schwarz Gruppe über die Initiative Tierwohl (ITW) 50 Millionen Euro zur Unterstützung ihrer Landwirte zur Verfügung stellen wird. Insbesondere sollen diese Mittel  den Schweinehaltern zugute kommen, die durch die Corona-Pandemie und die Afrikanische Schweinepest (ASP) in große Schwierigkeiten geraten sind, wie die aktuellen Marktentwicklungen verdeutlichen. Zuletzt stellte der gesamte Einzelhandel insgesamt 130 Millionen Euro jährlich für die ITW zur Verfügung.

Klöckner regt Verhaltenskodex des Handels an

An der Videokonferenz nahmen gestern Vertreter der großen Lebensmittelkonzerne und des Einzelhandelsverbandes HDE teil, aber nicht des landwirtschaftlichen Berufsstandes. Gegenstand des Gesprächs war unter anderem die jüngste Anspannung zwischen dem Handel und Agrarministerin Klöckner im Zusammenhang mit der Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie).

Laut eigenen Angaben regte die Landwirtschaftsministerin in dem Gespräch einen Verhaltenskodex an. Mit dem Kodex soll sich der Handel eigene Regeln für ein faires Miteinander geben. Klöckner sagte, für die Verbraucher wäre es sicherlich von Vorteil, wenn auf den Verpackungen der Anteil vermerkt wäre, der vom Verkaufspreis an die Bauern gehe. Solche Initiativen gebe es bereits, die sollte der Handel breiter aufgreifen.

Verteilung der Gelder wird noch entschieden

Klaus Gehrig begründete die Entscheidung für sein Millionen-Angebot so: "Über die Initiative Tierwohl ist sichergestellt, dass das Geld direkt an die Landwirte in Deutschland verteilt wird. Außerdem unterstützen wir damit die Landwirte, die sich zur Förderung des Tierwohls verpflichtet haben."

Ein Sprecher der ITW erklärte auf Anfrage von agrarheute, es werde jetzt zusammen mit allen Partnern in der Initiative geprüft, ob und wie die Verteilung der Mittel über die ITW erfolgen könne.

DBV-Präsident: Ein Trostpflaster von Lidl reicht bei Weitem nicht aus

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sieht das Lidl-Angebot äußerst kritisch. „Das ist zwar eine nette Geste und ein Zeichen der Wertschätzung für die Initiative Tierwohl. Aber wegen des andauernden Preiskampfs verlieren unsere Bauern diesen Betrag fast wöchentlich", sagte Rukwied. So ein "Trostpflaster" reiche bei Weitem nicht aus, um die grundsätzlichen Probleme zwischen Landwirtschaft und dem gesamten Lebensmitteleinzelhandel zu lösen.

Zu einer grundlegenden Veränderung der Zusammenarbeit gehören aus Sicht des DBV:

  • eine Selbstverpflichtung des Handels zum Ausstieg aus der „Dauerniedrigpreiskultur“
  • das Kartellrecht dürfe nicht länger Landwirte und ihre Vermarkter daran hindern, Gegengewichte zum Handel zu bilden
  • eine Förderung der heimischen Landwirtschaft in der Einkaufspolitik
  • Transparenz durch eine flächendeckende Herkunftskennzeichnung
  • eine angemessene Bezahlung für höhere Qualitätsstandards
  • der Aufbau langfristiger und verlässlicher Lieferbeziehungen
  • die Anwendung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinine) auf alle erzeugergetragenen Vermarktungsunternehmen

LSV Deutschland lehnt Verteilung über die Initiative Tierwohl ab

Eine andere Haltung zu Lidls Angebot nimmt Land schafft Verbindung Deutschland (LSV Deutschland) ein. Die Organisation nannte es ein gutes Zeichen, dass die Schwarz-Gruppe die Initiative Tierwohl unterstütze. Dass aber die ITW das Geld ausschließlich an Schweinehalter verteilen soll, lehnt LSV kategorisch ab. Die Vereinigung rechnet vor, dass 50 Mio. Euro nur 188 Euro pro landwirtschaftlichen Betrieb bedeuten, aber 7.508 Euro für jeden ITW-Teilnehmer. Alle Branchen müssten profitieren, heißt es in einer Presseverlautbarung von LSV Deutschland.

Die Vereinigung fordert darum eine klare Änderung der Handelspolitik. "Wir benötigen jetzt finanzielle Unterstützung vom Handel, wir benötigen jetzt sofort mehr Wertschätzung und Wertschöpfung für unsere deutschen Produkte, welche immer öfter dem Preiskampf des LEHs zum Opfer fallen", so LSV Deutschland.

Die Vereinigung warnte, falls es keine sicheren und zufriedenstellenden Zusage gebe, könne es jederzeit zu weiteren Protesten von unzufriedenen Berufskollegen kommen.

Mit Material von Schwarz Gruppe, ITW, DBV, LSV

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Das ist zu wenig. Die anderen Handelsketten müssen sich beteiligen.
3% (45 Stimmen)
Wir Landwirte brauchen höhere Erzeugerpreise, keine Spenden.
92% (1221 Stimmen)
Weiß nicht.
1% (19 Stimmen)
Stimmen gesamt: 1328
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