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Betrug

Spiegel-Bericht: Agravis in Russland um Millionen geprellt

Die Zentrale der Agravis Raiffeisen AG in Münster
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
18.07.2018

Der Agravis-Konzern ist in Russland von einem ehemaligen Geschäftsführer über Jahre um Millionen geprellt worden. Das berichtet die Zeitschrift "Der Spiegel".

Der ehemalige Leiter des Russlandgeschäfts und Geschäftsführer der Futtermittelsparte von Agravis, Konrad Falk, soll die Zentralgenossenschaft durch unlautere Machenschaften insgesamt um 40 Mio Euro erleichtert haben. Dazu bediente sich Falk einem Netz von eigenen Firmen und einer überhöhten Pacht für das Agravis-Futterwerk im südrussischen Krasnodar.

Bei seinem Bericht stützt sich der "Spiegel" unter anderem auf Angaben von Mitarbeitern und ein namentlich nicht genanntes Aufsichtsratsmitglied von Agravis.

Weit überhöhte Pacht für das Werk in Krasnodar

Falk hatte Anfang der neunziger Jahre in einem deutschen Futtermittelwerk der Agravis seine Karriere begonnen. Mit der Zeit und durch "einflussreiche Unterstützer" brachte er es bis zum Leiter des Russlandgeschäfts, so der "Spiegel".

Das Agravis-Futtermittelwerk in Krasnodar umgab er mit einem Geflecht eigener Firmen. Diese trugen teilweise "Agravis" im Namen. Über diese Unternehmen wickelte Falk eigene Geschäfte mit Kunden ab.

Er war auch Eigentümer des Grundstücks, auf dem das Agravis-Werk 2009 gebaut wurde. Für die Nutzung soll er dem Konzern eine Pacht von über 30.000 Euro monatlich in Rechnung gestellt haben. Das sei das Dreifache des ortsüblichen Preises gewesen, so das Magazin unter Berufung auf eine Agravis-Mitarbeiterin.

Zugriff mit Hilfe von Sicherheitspersonal

Wie der "Spiegel" weiter schreibt, wurden die Zusammenhänge erst 2015 durch einen mit der Aufklärung beauftragten Anwalt aufgedeckt. Im Dezember 2015 habe Agravis das Werk dann mit Hilfe des Wachdienstes und zusätzlichem Sicherheitspersonal "zurückerobert". Ein neuer Direktor wurde eingesetzt. Ein Jahr später seien erstmals schwarze Zahlen geschrieben worden.

Die gerichtliche Aufarbeitung der Vorfälle ist noch nicht abgeschlossen. Das hat die Agravis Raiffeisen AG gegenüber agrarheute bestätigt.

Alle Zu- und Abfahrten in fremdem Besitz

Wie ein Agravis-Sprecher gegenüber agrarheute im Hinblick auf den Spiegel-Artikel erläuterte, wickelte die Genossenschaft ihren Ein- und Verkauf in Russland im fraglichen Zeitraum im Wesentlichen mit Unternehmen ab, die mittelbar oder unmittelbar einer schweizerischen Treuhandgesellschaft gehörten. Seit Mitte 2015 habe Agravis Hinweise erhalten, dass ein leitender Mitarbeiter des eigenen Hauses Mehrheitsgesellschafter dieser Gesellschaft war.

Weiterhin habe sich herausgestellt, dass alle das Mischfutterwerk umgebenden Grundstücke einschließlich der Zu- und Abfahrten in Besitz eines Unternehmens war, das ebenfalls mehrheitlich einem leitenden Agravis-Mitarbeiter gehörte.

Agravis: Wir haben umgehend reagiert

Als diese Zusammenhänge bekannt geworden seien, habe Agravis "umgehend reagiert und Konsequenzen gezogen", so der Konzernsprecher.

Inzwischen befinde sich das Futtermittelwerk in Novoaleksandrowsk bei Krasnodar vollständig im Eigentum der Agravis, inklusive aller notwendigen Zu- und Abfahrten. Nahezu die komplette Führungsebene in Russland sei ausgetauscht worden. Die konzernweit geltenden Compliance-Regeln seien weiterentwickelt worden.

Der Vorstand habe den Aufsichtsrat laufend über das Russlandgeschäft informiert. Erforderliche Entscheidungen seien im Aufsichtsrat besprochen und genehmigt worden.

Aktuell produziert Agravis am Standort in Novoaleksandrowsk laut eigenen Angaben rund 60.000 t Mischfutter jährlich für den regionalen Markt mit steigender Tendenz.

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