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Konjunkturbarometer Agribusiness

Studie: Deutsche Schweineproduktion sinkt 2021 zweistellig

Schweine werden aus einem Tiertransport-Lkw ausgeladen
am Dienstag, 12.01.2021 - 15:40 (Jetzt kommentieren)

Das Agribusiness hat sich in der Corona-Krise als außerordentlich robust erwiesen. Die Ernährungsindustrie zeigt sich von der Pandemie insgesamt unbeeindruckt. Die Fleischwirtschaft steht hingegen am Scheideweg – und zieht die deutsche Schweinehaltung mit in den Abgrund.

Umsatz des Agribusiness in Deutschland

Mit der Corona-Pandemie, dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und dem Dürresommer hat das Jahr 2020 das Agribusiness in Deutschland auf eine harte Probe gestellt. Bei einem leichten Umsatzrückgang um 1,7% auf 234,3 Milliarden Euro erwies sich die Branche jedoch als außerordentlich robust. Das zeigt eine aktuelle Studie der Prüfungs-und Beratungsgesellschaft EY und der Universität Göttingen.

Während die Ernährungsindustrie als größte Teilbranche des Agribusiness ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr sogar um 0,5% auf die neue Rekordhöhe von 186,3 Mrd. Euro steigern konnte, blickt die Fleischwirtschaft auf ein schwieriges Jahr zurück. Nach dem ASP-Ausbruch ist der Export der Fleischindustrie eingebrochen. Massive Marktverwerfungen sind die Folge. Diese bleiben nicht ohne negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Der Studie zufolge rechnen Branchenexperten für 2021 mit einem Rückgang der deutschen Schweineproduktion im zweistelligen Prozentbereich, also um mindestens 10%.

Nicht hilfreich ist dabei der Rückgang des Fleischverbrauchs in der EU, der sich 2021 fortsetzen soll. Schweinefleisch ist davon besonders betroffen. Die teilweise überdurchschnittlichen Umsätze der Wirtschaftsjahre 2019/20 werden sich 2021 vermutlich nicht wiederholen. Im Supermarkt wird das Fleisch nicht günstiger werden, was eine verringerte Nachfrage weiter verstärken könnte, fürchten die Autoren der Studie.

Vor einem schwierigen Jahr 2021

Umsatzentwicklung der Fleischwirtschaft

Wie aus der heute vorgelegten Untersuchung „Konjunkturbarometer Agribusiness in Deutschland 2021“ hervorgeht, ist der Exportanteil der deutschen Fleischwirtschaft im vergangenen Jahr von 25 auf 22,7% gesunken. Das war der niedrigste Wert seit Durchführung der Studie im Jahr 2008. „Die doppelte Krise aus Covid-19 und dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat die Fleischproduzenten vor erhebliche Probleme gestellt“, sagte EY-Partner Dr. Christian Janze bei der Vorstellung der Studie.

Zwar habe die Corona-Pandemie den Verbrauchern die Wertigkeit von regionalen Produkten vor Augen geführt; dennoch sieht Janze die Fleischwirtschaft vor einem schwierigen Jahr 2021. Die Preis- und Marktentwicklung insbesondere von Schweinefleisch werde bestenfalls verhalten sein. Ein Ausbruch der ASP im Haustierbestand wäre fatal. Hier stehe die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette auf dem Spiel. Dies belaste die Branche zusätzlich zu den allgemeinen Diskussionen um die Tierhaltung. Insofern wäre laut Janze für die Fleischwirtschaft ein solides Ergebnis im neuen Jahr auf dem Niveau von 2020 schon ein Erfolg.

Die Lage für die Molkereien ist ernst, aber nicht besorgniserregend

Die Lage der Molkereiwirtschaft wird nach Einschätzung der EY-Studie 2021 ernst bleiben. Anlass zur Sorge bestehe aber nicht, so Janze. Die Inlandsnachfrage ist relativ stabil. Die Molkereien seien nicht so abhängig vom Export wie andere Teilbranchen der Ernährungswirtschaft.

Allerdings müssen die Milchverarbeiter ihre Vertriebskanäle an die durch Corona veränderten Bedingungen anpassen. Im Jahr 2020 hielt die Molkereiwirtschaft ihren Umsatz auf dem Rekordniveau des Vorjahres – geschätzt blieben die Umsätze bei rund 29 Mrd. Euro stabil. Geholfen hat dabei vor allem ein gutes erstes Quartal.

Online-Handel profitiert von Corona, bleibt aber in der Nische

Bedeutende Teilbranchen des Agribusiness sind die Lebens- und Futtermittelindustrie, die Getränkeindustrie, die Landtechnikindustrie, die Saatzucht, die Hersteller von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie der Landhandel.

Wie aus der Studie hervorgeht, konnte die deutsche Landtechnikindustrie 2020 mit einem Umsatz von 8,6 Mrd. Euro knapp unter dem Rekord des Jahres 2018 abschließen. Aufgrund der zurückhaltenden Investitionsneigung der deutschen Landwirte geht die Untersuchung davon aus, dass der Export für die Unternehmen der Landtechnik künftig noch wichtiger wird.

Im Rahmen der Studie wurde auch der Onlinehandel mit Lebensmitteln untersucht. Wie Dr. Ramona Weinrich von der Universität Göttingen erläuterte, hat die Corona-Pandemie hier eine Veränderung ausgelöst: Landwirte und Kunden hätten gute Erfahrungen mit dem Online-Direktvertrieb gemacht und Lebensmittelhändler hätten sich neue Vertriebswege erschließen können. Dennoch kommt der Onlinehandel mit Lebensmitteln in Deutschland auch weiterhin über ein Nischendasein nicht hinaus.

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