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Wissenschaft und Forschung

Studie: Gegner von GVO-Lebensmitteln wissen zu wenig

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am
17.01.2019

Menschen, die die extremsten Ansichten hinsichtlich gentechnisch veränderter Lebensmittel (GVO) vertreten, glauben, dass sie sich am Besten damit auskennen. Laut einer Studie ist aber genau das Gegenteil der Fall.

Im Rahmen einer Untersuchung der University of Colorado Boulder, der Washington University in St. Louis, der University of Toronto und der University of Pennsylvania haben Marketing- und Psychologieforscher mehr als 2.000 US-amerikanische und europäische Erwachsene nach ihrer Meinung zu genetisch veränderten Lebensmitteln befragt. In den Umfragen wurden die Personen gefragt, wie gut sie glauben, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu verstehen.

Anschließend wurde mit einer Reihe von Wahr-Falsch-Fragen zur Wissenschaft und Genetik getestet, wie viel sie tatsächlich darüber wussten.

Trotz des wissenschaftlichen Konsenses, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel für den menschlichen Verzehr unbedenklich sind und auch Nährstoffvorteile bieten können, lehnen viele Menschen ihre Verwendung ab. Mehr als 90 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ein gewisses Maß an Widerstand gegen genetisch veränderte Lebensmittel haben.

Überzeugung ersetzt Wissen

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Die wichtigste Erkenntnis der Untersuchung ist, je stärker die Menschen gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel eingestellt sind, desto höher beurteilen sie ihre Kenntnisse in Bezug auf dieses Thema. Ihr tatsächliches Wissen war im Test jedoch sehr niedrig.

Dieses Ergebnis ist nach Meinung der Autoren absurd, stimmt jedoch mit früheren Forschungen zur Psychologie extremer Einstellungen überein, sagte dazu Phil Fernbach, der Hauptautor der Studie. „Extreme Ansichten gehen oft von Menschen aus, die das Gefühl haben, komplexe Themen besser zu verstehen."

Eine potenzielle Konsequenz dieses Phänomens besteht nach Ansicht der Autoren darin, dass die Personen, die sich mit wichtigen wissenschaftlichen Fragen am wenigsten auskennen, wahrscheinlich bei dieser Einstellung bleiben, da sie möglicherweise nicht nach neuem Wissen streben.

Falsche Schlüsse durch Wissenslücken

GVO Label USA Gentechnik Kennzeichnung

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Veränderung in den Köpfen der Menschen zuerst erfordert, dass sie anerkennen, was sie nicht wissen", sagte Nicholas Light, Co-Autor der Studie. "Ohne diesen ersten Schritt kann eine Wissensvermittlung möglicherweise nicht funktionieren, um die Menschen mit dem wissenschaftlichen Konsens in Einklang zu bringen."

Das Problem ist dem sogenannten Dunning-Kruger-Effekt ähnlich, heißt es in der Studie: Je weniger kompetent jemand ist, desto intelligenter glaubt derjenige zu sein. "Solche Leute kommen nicht nur zu falschen Schlussfolgerungen und treffen unglückliche Entscheidungen", schrieben David Dunning und Justin Kruger 1999 in ihrem Artikel über das Phänomen, "ihre Einstellung beraubt sie der Fähigkeit, dies zu erkennen."

Klimawandel wird politisch beurteilt

Die Autoren der Studie untersuchten auch andere Themen wie etwa die Gentherapie und die Entstehung des Klimawandels. Sie fanden dabei für die Gentherapie die gleichen Muster wie bei den gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

Völlig anders war die Situation jedoch bei der Einstellungen zur Entstehung des Klimawandels. Die Forscher vermuten, dass die Debatte über den Klimawandel so politisch polarisiert ist, dass die Einstellung der Menschen mehr davon abhängt, mit welcher Gruppe sie sich verbinden, als darüber, wie viel sie über das Problem wissen.

Fernbach und Light planen, weitere Forschungen folgen zu lassen. Sie wollen herausfinden wie die Ergebnisse in anderen Bereichen wie etwa Impfungen, Kernkraft und homöopathischer Medizin aussehen.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt in der Zeitschrift "Nature Human Behaviour" veröffentlicht unter dem Titel "Extreme opponents of genetically modified foods know the least but think they know the most". Die Autoren sind: Philip M. Fernbach, Nicholas Light, Sydney E. Scott, Yoel Inbar & Paul Rozin.

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