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Zerstörung des Regenwalds

Supermärkte haben keinen Rückhalt für Importe aus Brasilien

Abholzung von Regenwald aus Vogelperspektive
am Donnerstag, 29.04.2021 - 06:29 (1 Kommentar)

In einer aktuellen YouGov-Meinungsumfrage äußerten 87 Prozent der Befragten den Wunsch, dass Supermärkte Geschäfte mit Unternehmen meiden, die für die Zerstörung des Regenwalds verantwortlich sind.

2034 Deutsche befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Umweltkampagnenorganisation Mighty Earth über ihre Bedenken zur Abholzung der brasilianischen Regenwälder. Davon waren 40 Prozent Edeka-Kunden. Die Ergebnisse der Umfrage veröffentlichte Mighty Earth heute (29.04.).

9 von 10 Deutsche beziehungsweise 87 Prozent der Befragten wünschten sich, dass Supermärkte nicht mehr mit Unternehmen zusammenarbeiten, die die Regenwaldabholzung weiter vorantreiben.

Über die Hälfte der Umfrageteilnehmer gab an, dass sie ihr Kaufverhalten wahrscheinlich ändern würde, wenn ein Zusammenhang zwischen den Fleischprodukten in den Supermarktregalen und der Zerstörung des Regenwalds erkennbar wäre.

Transparenz könnte Konsumverhalten ändern

Konkret würden 62 Prozent der Umfrageteilnehmer in einem anderen Supermarkt einkaufen, wenn dieser keine Fleischprodukte anbieten würde, die einen Zusammenhang zur Abholzung aufweisen oder wenn der Supermarkt mehr Alternativen anbieten würde.

Zwei Drittel der Teilnehmer konnten sich vorstellen, ihre Ernährung zu ändern, wenn sie erkennen würden, dass die Zerstörung des Amazonas-Regenwalds eine Folge der Fleischproduktion ist.

Dass sie den Supermarktketten nicht zutrauen, Maßnahmen gegen die Abholzung einzuleiten, sagten 60 Prozent der Befragten. 75 Prozent waren der Ansicht, dass Regierungen zu solchen Maßnahmen verpflichtet werden sollten.  

Rindfleisch- und Futtermittelexporte aus Brasilien in zwei Jahren verdoppelt

Wie Mighty Earth in seiner Pressemitteilung erläutert, hätten die Daten ihres „Earth’s Soy and Cattle Deforestation Tracker“ – einer Datensammlung über Händler von Soja- und Fleischprodukten, die mit Landnutzungsänderungen im Zusammenhang stehen – ergeben, dass die Lieferketten dieser Unternehmen im letzten Jahr zu doppelt so viel Abholzungen führten wie im Jahr davor.

Nach Angaben von Mighty Earth habe die Datensammlung ergeben, dass unter anderem die Lieferanten zweier großer europäischer Agrarkonzerne für großflächige Abholzungen im Zeitraum von März 2019 bis März 2021 verantwortlich gewesen seien. So hätten mit einem der Agrarkonzerne 47 Entwaldungsfälle mit insgesamt 60.000 Hektar in Verbindung gebracht werden können. Davon seien zwei Drittel in Schutzgebieten abgeholzt worden. Der Konzern habe im letzten Jahr 32 Prozent des Futtersojas erhalten, das aus Brasilien nach Deutschland exportiert wurde. Auf den zweiten Agrarkonzern ging eine Entwaldungsfläche von 66.000 Hektar zurück.

Von den insgesamt 235 Entwaldungsfällen, die in der Datensammlung von Mighty Earth erfasst wurden, habe nur eine Abholzung zum Abbruch der Lieferbeziehungen geführt.

Die neuen Daten des „Earth’s Soy and Cattle Deforestation Tracker“ erschienen ebenfalls heute (29.04.).  

Edeka hat seine Versprechen nicht eingelöst

Wie aus der Pressemitteilung von Mighty Earth hervorgeht, hat Edeka als größtes deutsches Einzelhandelsunternehmen sich dazu verpflichtet, die Entwaldung aus seinen Lieferketten zu beseitigen. In seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2019 habe der Edeka-Verbund – entgegen seiner Werbekampagnen – anerkannt, bisher nur geringe Fortschritte bei der Nachhaltigkeit in der Fleischproduktion erzielt zu haben.  

Martin Caldwell, Direktor von Mighty Earth Deutschland, dass die Zerstörung des brasilianischen Regenwalds zur Produktion von Supermarktfleisch von Jahr zu Jahr drastischer werde. Eine Folge der Abholzung sei die Beschleunigung des Klimawandels. Die Forderung der Edeka-Kunden an die Supermärkte sei glasklar. Edeka solle den Wunsch seiner Kunden ernst nehmen und die Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten, die für die Abholzung verantwortlich sind, aufgeben, so Caldwell.

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