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Tierschutzverstöße

Tierschutzverstöße: Fleischwirtschaft widerspricht Otte-Kinast

Schlachthaken
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
16.11.2018

In einem offenen Brief an Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hat der Vorsitzende des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF), Paul Brand, den Vorwurf zurückgewiesen, in Schlachthöfen werde systematisch gegen den Tierschutz verstoßen.

In seinem Schreiben verurteilt Brand die auf zwei niedersächsischen Schlachtbetrieben aufgedeckten Missstände "in höchstem Maße". Die Beurteilung Otte-Kinasts, es handle sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern um einen Systemfehler in der Fleischwirtschaft, weist Brand jedoch als völlig haltlos zurück.

Die Schlachtbetriebe im VDF sähen den Tierschutz in ihren Betrieben als eine zentrale Aufgabe und richteten ihre Maßnahmen an den aktuellen Erkenntnissen aus, um weitere Tierschutzverbesserungen umzusetzen, unterstreicht der Verbandsvorsitzende.

Brand schreibt: "Wir benötigen somit keinen Neustart, sondern eine konsequente Umsetzung der bestehenden Regelungen in allen zugelassenen Schlachtbetrieben. Hierfür Sorge zu tragen ist die Aufgabe der amtlichen Überwachung."

Brand: Videotechnik in vielen Betrieben vorhanden

Brand verweist darauf, in den VDF-Mitgliedsbetrieben würden rund 90 % der Schlachtungen in Deutschland in 70 Schlachtbetrieben durchgeführt. Diese sorgten seit langem dafür, dass in den Betrieben der Tierschutz gelebt werde.

"Hierzu haben wir gemeinsam mit Tierschutzexperten und Behördenvertretern einen umfassenden Leitfaden für den Tierschutz beim Schlachten erstellt. Dieser kommt in unseren Mitgliedsbetrieben zur Anwendung", versichert der VDF-Vorsitzende. Darüber hinaus würden weitere Maßnahmen wie beispielsweise Betäubungs- und Entblutungskontrollen, Personalschulungen und Kontrollen umgesetzt. In sehr vielen der Mitgliedsbetriebe werde seit langem Videotechnik eingesetzt und es würden Forschungsarbeiten durchgeführt, um den Tierschutz weiter zu verbessern.

Fleischwirtschaft bietet Unterstützung an

Nach Angaben des VDF gehören die beiden niedersächsischen Betriebe, auf denen Tierschutzverstöße dokumentiert wurden, dem Verband nicht an. Brand bietet Otte-Kinast seine Unterstützung dabei an, den Tierschutz in allen Schlachtbetrieben konsequent umzusetzen.

Die Ministerin hatte zu Beginn der Woche einen "Neustart" in den Schlachthöfen gefordert. Die jüngsten Vorfälle hätten gezeigt, dass stichprobenhafte Kontrollen durch die Amtstierärzte nicht ausreichten. Darum will sie Kameras in allen Betrieben und mehr Kontrollen.

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