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Futterindustrie

Tierwohl reduziert die Nachfrage nach Mischfutter

Schweinefütterung
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
06.12.2018

Die deutschen Futtermühlen setzen weniger Schweine- und Hühnerfutter ab, weil die Bestandsdichte in den Ställen zurückgefahren wird.

Im laufenden Jahr dürfte der Mischfutterabsatz an die Schweinehalter in Deutschland um 3 Prozent zurückgehen. Einen Rückgang in ähnlicher Höhe - wenn nicht sogar größer - beobachtet der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) auch in der Legehennenfütterung. In der Mastgeflügelhaltung ist der Futterverbrauch hingegen stabil, wie DVT-Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Baaken gestern vor der Presse in Münster erläuterte.

Auch Rinderfutter konnten die Futtermühlen nicht auf dem Niveau des Vorjahres absetzen, weil der Milchkuhbestand weiter verringert wurde. Die Angaben sind zwar noch vorläufig und beruhen auf den Ergebnissen bis einschließlich Oktober. Die Futtermittelindustrie rechnet jedoch auch 2019 beim Schweine- und Rinderfutter mit einem weiterhin rückläufigen Absatz.

Bestandsdichten gehen zurück

Masthähnchen im Stall

Zur Begründung verwies Baaken auf die Initiative Tierwohl, mit der die Bestandsdichten in den Ställen zurückgefahren würden. In der Geflügelhaltung gelte zudem seit dem 1. Oktober 2018 die Nämlichkeit für Ware, die im Rahmen der Initiative Tierwohl vermarktet werde.

Am stärksten geht der Absatz von Schweinefutter im Norden Deutschlands zurück, während die Nachfrage im Osten steigt. Baaken rechnet für die Mischfutterindustrie im Norden mit dem höchsten wirtschaftlichen Druck und einem fortgesetzten Strukturwandel. Hingegen könnten die oftmals auf Nischen und Spezialitäten ausgerichteten kleineren Unternehmen im Süden sich dem Druck eher entziehen.

Futtermühlen begrüßen EU-Proteinplan

Baaken begrüßte den von der EU-Kommission Ende November vorgelegten Proteinplan. Die Futterhersteller beteiligten sich aktiv an Lösungen zur Eiweißversorgung, unterstrich der DVT-Geschäftsführer. Eines der vorrangigen Ziele sei dabei die Minderung der Stickstoffemissionen und Nährstoffüberschüsse.

Die Lösungen zur Eiweißversorgung müssten aber wirtschaftlich sinnvoll sein und den Anforderungen der Qualitätssicherung genügen. In diesem Zusammenhang verwies Baaken auf den höheren Phosphatanfall durch den vermehrten Einsatz von Raps statt Soja in der Fütterung und die inhomogene Qualität von Ackerbohnen und anderen Leguminosen.

EU muss dringend Gentechnikrecht anpassen

Die Mischfutterindustrie hält den Import von Eiweißträgern in die EU auf absehbare Zeit für unverzichtbar. Darum sieht der DVT das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur Züchtungstechnik Crispr/Cas ausgesprochen kritisch. In Drittstaaten würden die mit Crispr/Cas erzeugten Produkte nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) eingestuft und nicht gekennzeichnet. Nachweismethoden existierten bisher nicht. In den USA solle aber noch in diesem Jahr eine entsprechenden Sojabohnensorte auf den Markt gelangen.

Baaken forderte die EU-Kommission auf, kurzfristig eine geeignete Anpassung des EU-Rechts vorzuschlagen. Die Wirtschaft könne nicht warten, bis im Mai 2019 ein neues EU-Parlament gewählt und im Herbst eine neue EU-Kommission im Amt seien.

Fakten zur Mischfutterherstellung

Entladung von Getreide
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