Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Umbau der Nutztierhaltung

Tierwohl: Tönnies plädiert für Anhebung der Mehrwertsteuer auf Fleisch

Schweine im Stroh
am Montag, 31.01.2022 - 10:24 (4 Kommentare)

Für tierische Lebensmittel soll die Mehrwertsteuer von 7 auf 19 Prozent angehoben werden, fordert ein Manager der Tönnies Unternehmensgruppe.

In der Debatte um die Finanzierung von mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung hat sich ein Manager der Tönnies Unternehmensgruppe für eine Anhebung der Mehrwertsteuer ausgesprochen. Bisher gilt für Fleisch und Milch sowie für andere Lebensmittel der ermäßigte Satz von 7 Prozent, während der reguläre Mehrwertsteuersatz 19 Prozent beträgt.

Thomas Dosch, der in der Tönnies Unternehmensgruppe für Bio und Agrarpolitik zuständig ist, schlug nun in einem Blog-Beitrag vor: „Für tierische Lebensmittel sollte der reguläre Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gelten. So käme genug Geld in den Bundeshaushalt, damit der Bund die Transformation der Tierhaltung verlässlich finanzieren kann.“

Kein Wettbewerbsvorteil für importiertes Fleisch

Thomas Dosch

Dosch ergänzte, der Staat sollte Verträge mit den Landwirten schließen, damit die Mehrkosten für weitere Tierwohl-Maßnahmen abgesichert seien. Das würden auch die Empfehlungen der Borchert-Kommission vorsehen.

Der ehemalige Bioland-Präsident Dosch geht davon aus, dass die staatlichen Mehreinnahmen durch den höheren Mehrwertsteuersatz ausreichen würden, um zugleich die Regelsätze für einkommensschwache Menschen zu erhöhen.

„Das ist ein praktikabler, unbürokratischer und zudem der schnellstmögliche Weg, die Tierhaltung umzustellen“, sagt Dosch. Über die Streichung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes wäre auch sichergestellt, dass Fleischimporte keinen Vorteil am Markt erhielten. In Verbindung mit einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung und einer Herkunftskennzeichnung könnten die Weichen für die heimische Landwirtschaft gestellt werden.

Özdemir legt sich bislang nicht auf eine Finanzierung fest

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat es bisher vermieden, sich auf ein Finanzierungsmodell für die Transformation der Tierhaltung in Deutschland festzulegen.

Im Koalitionsvertrag kündigt die neue Bundesregierung lediglich an, „ein durch Marktteilnehmer getragenes finanzielles System zu entwickeln, mit dessen Einnahmen zweckgebunden die laufenden Kosten landwirtschaftlicher Betriebe ausgeglichen und Investitionen gefördert werden“.

Dennoch will die Koalition noch in diesem Jahr eine verpflichtende Haltungskennzeichnung einführen. Sie soll auch Transport und Schlachtung umfassen.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe August 2022
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...