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GEFA Pressegespräch

Warum Tierwohlprogramme den Fleischexport erschweren

am Freitag, 18.01.2019 - 09:59 (Jetzt kommentieren)

Richtung Holland sind die deutschen Schweinefleischlieferungen zuletzt regelrecht eingebrochen. Trotz vermehrtem Wettbewerbsdruck kann Deutschland seine Position als drittgrößtes Agrarexportland halten.

Die Tierwohl-Aktivitäten anderer europäischer Länder erschweren den Fleischexport deutscher Schlachtunternehmen. Darauf hat der Geschäftsführer von German Meat, Steffen Reiter, hingewiesen. „Durch Tierwohl-Programme haben wir Schwierigkeiten beim Fleischexport Richtung Holland“, erläuterte Reiter zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin.

Der LEH unseres nördlichen Nachbarn setze verstärkt auf direkte Beziehung zwischen Lieferant und Handelshaus, was holländischen Unternehmen einen Vorteil verschaffe. Der härtere Wettbewerb durch Tierwohlprogramme wie „Beter Leven“ macht sich insbesondere beim Export von Schweinefleisch bemerkbar: In den ersten 10 Monaten 2018 sind die deutschen Schweinefleischlieferungen nach Holland regelrecht eingebrochen, nämlich um 26,4 % auf 188.391 t. Beim Geflügelfleisch hielt sich das Minus mit 8,8 % auf 124.457 Mio. t in etwas engeren Grenzen.

Faire Handelsbedingungen angemahnt

Die Ausfuhren an Agrarprodukten und Lebensmitteln sowie Landtechnik erwarten die in der GEFA zusammengeschlossenen Unternehmen und Verbände der deutschen Ernährungswirtschaft für 2018 mit 77,2 Mrd. Euro. Das wären 1,4 % weniger als ein Jahr davor. Zwar konnte die Branche ihre Position als drittstärkste Exportnation trotz schwieriger Wettbewerbsbedingungen damit halten: Dennoch zeigt sich laut GEFA deutlich, wie wichtig faire Handelsbedingungen für die Branche sind. Das aktuelle Freihandelsabkommen mit Japan sei ein positives Beispiel für künftige Handelserleichterungen, werde aber bei weitem nicht ausreichen, die deutlichen Rückgänge in Asien zu kompensieren.

Asiengeschäft schwächelt

Die Ausfuhren der Exporteure für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2018 (ohne Landtechnik), erreichen 59,1 Mrd. Euro und lagen damit um 3 % unter dem gleichen Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig reduzierten sich die mengenmäßigen Ausfuhren um 4,4% auf 50,1 Mio. t. Maßgeblich für das Minus sind vor allem schlechtere Geschäfte in Asien und Afrika. Beachtlich sind die, trotz weiterer Sperrung ganzer Produktbereiche, erneut deutlich steigenden Ausfuhren Richtung Russland. Trotz der seit März 2013 bestehenden und im August 2014 deutlich verschärften Einschränkungen der Einfuhren deutscher Produkte sowie deren mehrfachen Verlängerungen erreichen unsere Ausfuhren aktuell einen deutlichen Anstieg von 6,2% auf 829 Mio. Euro. Das ist umso beachtlicher, als der Wechselkurs des Euro zum Rubel im Laufe des Jahres um etwa 13,4% gestiegen ist.

Sorgen wegen Brexit

Gespannt blicken die deutschen Exporteure auf den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU. Das Land sei für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft aktuell der fünftstärkste Exportzielmarkt. In den ersten zehn Monaten 2018 exportierten die deutschen Hersteller Waren im Wert von 3,8 Mrd. Euro; im Gegenzug wurden Güter im Wert von 1,2 Mrd. Euro importiert. Vor diesem Hintergrund sei bei bis Ende März dieses Jahres weiter unklaren Handelsverhältnissen ein deutlicher Rückgang des beiderseitigen Handels zu befürchten. „Die britischen Konsumenten und der Lebensmittelhandel schätzen seit vielen Jahrzehnten Agrarprodukte und Lebensmittel „Made in Germany“. In der Rangliste britischer Verbraucher ganz oben stehen Süßwaren, gefolgt von Fleisch und Wurstwaren, Backwaren und Molkereiprodukte. Die Exporteure auf beiden Seiten des Ärmelkanals auch nach der Entscheidung des britischen Parlaments weiter im Unklaren zu lassen, sei das Werk einiger unverantwortlicher Politiker auf der Insel“, sagt Willi Meier, Sprecher der GEFA und Prokurist des Lübecker Traditionsunternehmens Niederegger beim traditionellen Presssegespräch zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin.

Politik ist gefordert

Mit Blick auf die Rückgänge in wichtigen Exportzielmärkten blicken die Exportorganisationen der GEFA gespannt auf die dringend erforderlichen politischen Aktivitäten. „Die weitere Öffnung von Märkten und der Abbau bestehender Restriktionen im internationalen Handel kommen seit Jahren viel zu zögerlich voran“, monierte Bernd Wirtz, stellvertretender Sprecher der GEFA und Exportleiter der Vion GmbH, vor Journalisten in Berlin. Durch das Auftreten von verschiedenen Erkrankungen wie Blauzungen- und Schmallenberg-Virus, Geflügelpest oder ASP komme es weiter zu drastischen Einbußen im Export von Zuchttieren. Die dadurch entstandenen Handelshemmnisse  - Anpassung von Veterinärzertifikaten, fachliche Informationen von Exportländern -  würden jetzt nur stark verzögert abgebaut. Die Bearbeitung dieser Anliegen müsse weiter beschleunigt werden, so die Forderung von Wirtz an die Politik.

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