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Russland-Ukraine-Konflikt

Tönnies erleichtert über rechtzeitigen Rückzug aus russischem Markt

Tönnies-Zentrale in Rheda-Wiedenbrück
am Donnerstag, 24.02.2022 - 12:38 (2 Kommentare)

Die Tönnies-Unternehmensgruppe zeigt sich über die Abwicklung ihres Geschäfts in Russland zum Ende des letzten Jahres erleichtert. Tönnies‘ Plan, sich auf andere Wachstumsbereiche als den russischen Markt zu konzentrieren, habe zu einem gerade noch rechtzeitigen Rückzug geführt.

Vor einer Gruppe von Agrarjournalisten erklärte Thomas Dosch, Leiter des Hauptstadtbüros von Tönnies, gestern (24.02.) – also kurz vor Russlands heutigem Angriff auf die Ukraine –, dass der Rückzug von Tönnies aus Russland Ende 2021 nicht erfolgt sei, weil es dort schlechte Erfahrungen gegeben habe. Stattdessen habe sich die Unternehmensführung zuvor entschlossen, andere Märkte weiter zu erschließen und den Verkaufserlös aus Russland als Investitionsmittel zu nutzen.

Dosch sagte, das Unternehmen habe sich „gerade noch rechtzeitig“ zurückgezogen. Zum gestrigen Stand des Grenzkonflikts zwischen Russland und der Ukraine bezog er sich vor allem auf die zu erwartende Sanktionsspirale, mit der die EU auf die Situation reagiere. Schon gestern betonte Dosch, dass er es noch bis vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten habe, dass der Konflikt so dramatisch eskalieren werde.

Thailändischer Nachfolger gerät in schwierige Lage

Tönnies verkaufte zum Jahreswechsel seine russische Niederlassung APK Don an den thailändischen Lebensmittelkonzern Charoen Pokphand Foods (CP Foods). Bisher brachte das CP Foods Vorteile für seine Rolle am russischen Markt.

In etwa zehn Jahren hatte Tönnies eine vertikal integrierte Schweinefleischproduktions-Holding in Russland aufgebaut. Dazu gehörten zuletzt mehrere zehntausend Hektar Fläche für den Getreide- und Rübenanbau, ein eigenes Futtermittelwerk und rund ein Dutzend Standorte zur Aufzucht und Mast von Schweinen. Die Standorte Belgorod und Woronesh im Südwesten Moskaus sind von CP Foods als strategisch günstige Produktionsstätten übernommen worden. Einen eigenen Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb hatte die APK Don vor Tönnies‘ Rückzug nicht mehr aufgebaut.

Tönnies folgt dem Einzelhandel

Zur Strategie von Tönnies schilderte Dosch, dass der Konzern den Einzelhandel beim Erschließen neuer Auslandsmärkte unterstütze, indem er die Qualität der Fleischprodukte in ausländischen Filialen sicherstelle. „Wenn sich einer unserer Discounter neu in einem Markt außerhalb Deutschlands engagiert, dann hat dieser dort einen Qualitätsanspruch an bestimmte Produkte“, so der ehemalige Bioland-Chef.

Die Rohstoffe stammten in der Regel vom jeweiligen Markt. So würden zum Bespiel Wurst und Fleischprodukte für den spanischen Markt auch aus spanischen Schlachtschweinen hergestellt. „Wenn man so will, sind wir Teil des Zirkus, wenn Aldi, Lidl und Co. neue Auslandsmärkte erschließen. Dann ziehen wir mit und schlachten und produzieren vor Ort“, beschreibt Dosch.

Mit Material von AgE

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