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Corona-Krise und die Folgen

Nach Tönnies-Krise: Lidl und Kaufland verzichten auf Werkverträge

Mitarbeiter bei der Fleischzerlegung im Schlachthof
am Mittwoch, 24.06.2020 - 10:33 (1 Kommentar)

Nach der Corona-Krise beim Fleischkonzern Tönnies verzichten immer mehr Unternehmen der Fleischwirtschaft und des Einzelhandels auf Werkverträge.

Nun haben die großen Einzelhändler Lidl und Kaufland den gleichen Schritt ankündigt.

Zu den Lieferanten, die Lidl und Kaufland ihre Unterstützung zugesagt hatten, gehören dem Vernehmen nach – neben Tönnies – auch die Westfleisch Gruppe, Willms Fleisch, Landgeflügel, Heidemark GmbH, Hubers Landhendl GmbH, Plukon Food, Baumann GmbH, Schiller Fleisch sowie der Geflügelschlachter Wiesenhof, in dessen Betrieb im niedersächsischen Wildeshausen zuletzt ebenfalls 23  mit Corona infizierte Angestellte festgestellt worden sind.  

Ab Januar 2021 keine Werkverträge mehr

Lidl

Die Einzelhändler Lidl und Kaufland haben am Dienstag mit ihren Frischfleisch- sowie Frischgeflügel-Lieferanten vereinbart, ab spätestens Januar 2021 auf Werkverträge mit Dritten in den Kernprozessen Schlachtung, Zerlegung sowie Verpackung zu verzichten.

Nach Angaben der Unternehmen wurde dieser Schritt bereits seit einiger Zeit diskutiert. Die Corona-Krise rund um den Fleischkonzern Tönnies habe jedoch zu einer konsequenten und schnelleren Umsetzung geführt, heißt seitens der Einzelhändler. Kaufland hat in seinen Fleischwerken bereits vor einigen Jahren begonnen, auf Werkverträge zu verzichten, die letzten zwei Verträge werden derzeit umgestellt.

Ab Januar 2021 wird es auch bei Kaufland keine Werkverträge in der Fleischproduktion mehr geben. Allen Mitarbeitern, die bisher im Rahmen von Werkverträgen beschäftigt waren, bietet Kaufland nun unbefristete Arbeitsverträge an.

Umdenken in der Schlachtbranche

Schlachter

Die Corona-Ausbrüche in der Schlachtindustrie haben offenbar zu einem Umdenken in der Branche geführt. Drei große deutsche Fleischkonzerne - Tönnies, Westfleisch und PHW mit der Marke Wiesenhof - hatten am Dienstag angekündigt, sie wollten künftig auf Werkverträge verzichten. Tönnies und Westfleisch stellten außerdem auch Verbesserungen bei der Unterbringung der Arbeiter in Aussicht.

Auf einem Schlachthof von PHW im niedersächsischen Wildeshausen wurden zuletzt 23 Beschäftigte positiv auf das Coronavirus getestet. Im Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück gibt derzeit es einen massiven Corona-Ausbruch mit mehr als 1550 positiv auf das Coronavirus getesteten Beschäftigten – mit massiven Auswirkungen auf den Schweinemarkt. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen.

Davor hatte es schon bei der Westfleisch zahlreiche Coronafälle gegeben. Tönnies hatte bereits mitgeteilt, dass Werkverträge in allen Kernbereichen der Fleischproduktion abgeschafft und die Mitarbeiter stattdessen direkt in der Unternehmensgruppe angestellt würden. Auch die Westfleisch kündigte an, in den kommenden sechs Monaten alle Beschäftigten selbst einzustellen.

Mehr gesellschaftliche Akzeptanz

Metzger bei der Fleischverarbeitung

Tönnies stellte außerdem auch die Schaffung von ausreichend und angemessenem Wohnraum für die Beschäftigten an seinen Standorten in Aussicht. Die Unterbringung der häufig aus Osteuropa kommenden Beschäftigten gilt als einer der Gründe für die Ausbreitung des Coronavirus.

"Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren - dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz", hatte der Firmenchef Clemens Tönnies erklärt. "Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein".

Westfleisch-Finanzvorstand Carsten Schruck hatte erklärt: "Für die Zukunft unserer bäuerlichen Genossenschaft ist es ganz entscheidend, dass wir konsequenter als bisher die notwendigen Schritte einleiten und tatsächlich auch gehen."

Die PHW-Gruppe, zu der die Marke Wiesenhof gehört, hat ebenfalls angekündigt, ihre über Werkverträge beschäftigten Mitarbeiter in den für die Geflügelfleischerzeugung maßgeblichen Bereichen in ein festes Anstellungsverhältnis zu übernehmen. Innerhalb der gesamten PHW-Gruppe seien insgesamt rund 20 Prozent der Mitarbeiter im Rahmen von Werkverträgen beschäftigt.

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