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Ferkelkastration

Tönnies setzt auf den vierten Weg

Ebermast
am
28.08.2018
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Das Schlachtunternehmen Tönnies hat die Ebermaske bei einem steigenden Angebot unkastrierter Schweine verschlechtert. Der Ruf nach dem 4. Weg wird lauter.

Die Öffnung des vierten Weges sei zwingend notwendig, also die lokale Betäubung der Ferkel bei der Kastration, heißt es in einem Schreiben der Reisinger GmbH, das agrarheute vorliegt. Reisinger gehört zur Tönnies Holding.

In dem Brief heißt es, dass Tönnies aufgrund der starken Verunsicherung der Schweinemäster enorme Anmeldungen zur Ebermast verzeichne. Der größte deutsche Schweineschlachter will die angebotenen Masteber durchaus kaufen. Allerdings verschlechtert das Unternehmen ab dem 17. September das Bezahlsystem. Der Gewichtskorridor wird für unkastrierte Mastschweine eingeschränkt.

Maskenänderung soll Mengenbegrenzung vermeiden

Der engere Gewichtskorridor soll das Geruchsrisiko bei Mastebern verringern. Zugleich schaffe die Preisgestaltung genug Spielraum, um die Masteber ohne Mengenbegrenzung abzunehmen, heißt es in dem Schreiben an die Lieferanten von Reisinger.

Ab dem 1. Januar 2019 ist die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland bekanntlich verboten. Bayern und Niedersachsen drängen auf eine Verschiebung des Verbots um drei bis fünf Jahre.

Aus Sicht der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) zeigt die schlechtere Maske bei einem höheren Eberangebot das tiefe Dilemma, in dem die deutschen Schweinehalter sich befinden. Die kurzfristige Maskenänderung sei ärgerlich, jedoch genau so erwartet worden. Sie spiegele letztlich nur die marktwirtschaftlichen Zusammenhänge wider. Um nicht mit Ebern überschwemmt zu werden, bleibe Tönnies nur die Möglichkeit, die Bezahlung zu verschlechtern. Wie groß diese Verschlechterung sei, müsse letztendlich jeder Schweinehalter für seinen Betrieb kalkulieren und die Konsequenzen daraus ziehen.

Politik muss den Strukturbruch verhindern

Nicht kastrierte Schweine – ob geimpft oder nicht – verlieren laut ISN immer weiter an Boden auf dem Markt. Gerade dänische und niederländische Ferkel, die unter lokaler Betäubung bzw. CO2-Narkose kastriert wurden, dürften ab dem kommenden Jahr einen riesigen Wettbewerbsvorteil besitzen und verstärkt auf die Reise nach Deutschland geschickt werden, schätzt der Verband.

Die ISN kommentiert, Tönnies habe Recht, wenn er es als zwingend ansehe, den vierten Weg in Deutschland frei zu machen, so wie es die Dänen gemacht hätten. Wenn hierzu die Zeit bis zum 1. Januar 2019 nicht reichen werde, müsse eine Fristverschiebung her.

Die ISN sieht die Politik in der Verantwortung, endlich Entscheidungen zu treffen, um den zu erwartenden Strukturbruch in der deutschen Schweinehaltung und besonders der Ferkelerzeugung zu verhindern oder wenigstens abzumildern.

Heute und morgen finden nach Informationen von agrarheute im Bundeslandwirtschaftsministerium Fachgespräche mit Vertretern der Schweinehaltung und der Schlachtereien statt, um Lösungen für die drängenden Probleme der Veredlungswirtschaft zu finden.

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