Die Uhr tickt: Hoch verschuldete BayWa ringt mit Banken und Investoren
Die BayWa AG kämpft ums Überleben. Der angeschlagene Konzern braucht dringend frisches Kapital. Doch die Zusagen kommen zögerlich.
Die Münchner BayWa AG braucht dringend frisches Geld, um eine Insolvenz abzuwenden. Darum verhandelt die Konzernspitze seit Tagen intensiv mit Banken, Großaktionären und Investoren um einen Weg aus der akuten Krise. Die Ankündigung von Aufsichtsratschef Gregor Scheller, die genossenschaftlichen Organisationen als Hauptaktionäre der BayWa würden die Probleme bei dem hoch verschuldeten Handelsriesen solidarisch und konstruktiv lösen, verschaffte dem Unternehmen vorige Woche nur eine kurze Atempause.
Inzwischen wird nicht mehr nur über einen Verkauf weiterer Anteile an der Tochter BayWa r.e. gesprochen. Offenbar könnte die BayWa auch gezwungen sein, ihre Anteile an der Bayerischen Raiffeisen-Beteiligungs-Aktiengesellschaft (BRB) zu verkaufen. Das berichtet der „Platow-Brief“.
Muss die BayWa ihr Tafelsilber verkaufen?
Die exakte Höhe der Beteiligung der BayWa an der BRB konnten die Börsenexperten von Platow nicht herausfinden. Genannt wird eine Größenordnung von 10 Prozent.
Die BRB hält Beteiligungen an der DZ Bank, der R+V Versicherung und an der Münchener Hypothekenbank. Durch den Verkauf der Anteile an der BRB-Beteiligungsgesellschaft könnten der BayWa nach Informationen von Platow rund 100 Mio. Euro zufließen.
Unternehmen müssen wieder für zwölf Monate durchfinanziert sein
Darüber hinaus hat die BRB, die mit 34 Prozent zugleich größter Aktionär der BayWa ist, eine Finanzspritze von 55 Mio. Euro zugesagt. Weitere rund 40 Mio. Euro sollen vom zweitgrößten Aktionär fließen, der österreichischen Raiffeisen Agrar Invest.
Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ braucht die BayWa aber kurzfristig 500 Mio. bis 600 Mio. Euro, um ihren Zahlungsverpflichtungen in den kommenden Monaten nachzukommen.
Da die Insolvenzantragspflicht seit dem 1. Januar 2024 wieder in vollem Umfang gilt, muss ein Unternehmen nachweisen können, dass es für die nächsten zwölf Monate durchfinanziert ist, um keinen Insolvenzantrag wegen Überschuldung stellen zu müssen.
So steht es um die Finanzierung der BayWa
Die Unternehmensfinanzierung der BayWa stützt sich unter anderem auf einen Konsortialkredit in Höhe von 2 Mrd. Euro. Diesen tragen die DZ Bank und die HypoVereinsbank mit je 400 Mio. Euro, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit 250 Mio. Euro und die Commerzbank mit 200 Mio. Euro. Weitere Beträge entfallen unter anderem auf die Rabobank, die Deutsche Bank und die ING.
Ferner stützt sich die Unternehmensfinanzierung auf vier Schuldscheindarlehen über insgesamt 631 Mio. Euro und einen Green Bond über 500 Mio. Euro, der im Juni 2024 zurückgezahlt wurde. Dafür mussten allerdings „frei verfügbare Finanzmittel“ eingesetzt werden, sodass die Schulden nur um 200 Mio. Euro verringert wurden.
Im Mai 2023 wurde eine Hybridanleihe über 60 Mio. Euro emittiert, die im September auf 100 Mio. Euro aufgestockt wurde. Die mit 7,75 Prozent verzinste Anleihe wird derzeit zu nur 40 Prozent ihres Nennwertes gehandelt.
Neue BayWa-Anleihe war nicht zu platzieren
Die Platzierung einer neuen Anleihe über 250 Mio. Euro mit einem Kupon von 6,75 Prozent scheiterte im April am mangelnden Interesse der Anleger. Das war bereits ein ernster Hinweis darauf, dass das Vertrauen von Investoren in die BayWa gestört war.
Das verwundert nicht angesichts einer Eigenkapitalquote von nur noch rund 13,7 Prozent und 10,8 Mrd. Euro an kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten zum 31. Dezember 2023.