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Außenhandel

Ukrainischer Geflügelkonzern trickst EU-Importstandards aus

Geflügelfleisch
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
09.04.2019

Der "Kurier" nennt es einen Skandal: Wie der ukrainische Agrarkonzern MHP die EU-Vorschriften für Geflügelfleischimporte austrickst.

Die österreichische Zeitung "Kurier" berichtet von einer ausgebufften Masche, mit der der ukrainische Agrarkonzern Myronivsky Hliboprodukt (MHP) angeblich die EU-Importbestimmungen für Geflügelfleisch aushebelt – und sich dabei ganz nebenbei finanzielle Förderung aus Brüssel verschafft.

Und das geht so: Die Einfuhr von Hühnerbrust aus der Ukraine in die EU ist begrenzt. Damit MHP dennoch Filetstücke in beliebiger Menge auf dem lukrativen EU-Binnenmarkt verkaufen kann, liefert der Konzern laut Kurier die Teilstücke einfach mit Knochen an eigene Filialen in der Slowakei und den Niederlanden. Der Import von diesen als minderwertig eingestuften Teilen ist durch die EU nicht begrenzt. In den Filialen wird der Knochen entfernt, fertig ist die hochwertige Hühnerbrust. Sie gilt zudem von nun als EU-Ware.

EU-Kommission über Mängel beim Tierschutz informiert

Dem Kurier zufolge ist der MHP-Konzern der sechstgrößte Geflügelerzeuger Europas. Die Exporte in die EU konnte das Unternehmen rasant steigern. Aus der EU verkauft MHP, der viertgrößte Landbesitzer in der Ukraine, das Geflügelfleisch außerdem zollfrei in Drittstaaten. Bei der Expansion halfen der Trick mit den Knochen sowie Fördermittel der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Wie der Kurier weiter berichtet, haben Inspektionen der EU-Kommission ergeben, dass in der Ukraine die im Gegenzug für das EU-Assoziationsabkommen von 2016 zugesagten Tierschutzstandards bei der Schlachtung durch MHP nicht eingehalten werden.

Mehrheitseigentümer des Konzerns ist der ukrainische Milliardär Yuriy Kosjuk, der auch bereits dem Kabinett von Präsident Petro Poroschenko angehörte. Der Firmensitz ist in der Steueroase Zypern.

Abgeordneter kritisiert das Verhalten der EU-Kommission

In dem untenstehenden Video auf Twitter kritisiert der grüne Europaabgeordnete Thomas Waitz in einer Ausschusssitzung die Importpraxis des MHP-Konzerns scharf. Für den Umgang der EU-Kommission mit diesen offenkundigen Tricksereien hat der Österreicher wenig Verständnis.

Mit Material von Kurier.at
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