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USA: Hurrikan vernichtet die Ernte und vertreibt Farmer und Tiere

Satellitenbild von einem Auge eines Hurrikanes über dem Meer
am Freitag, 28.08.2020 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Eine schwere Sturmflut überschwemmt Felder und zerstörte Ernten. Viele Farmer und ihre Tiere sind auf der Flucht. Der Grund ist der Hurrikane Laura.

Dunkler Himmel und dunkle Wolken über einem Maisfeld

Die Farmer in den südlichen Bundesstaaten der USA wurden schwer von den Auswirkungen des Hurrikans Laura getroffen. Bereits seit Tagen versuchten sie zu retten was noch zu retten ist.

Sie versuchen ihre Ernten früher von den Feldern zu holen und das Vieh von den Küstengebieten wegzubringen. Der Hurrikan Laura traf am frühen Donnerstag im Südwesten von Louisiana auf die Küste. US-Wetterdienste warnten davor, dass er eine massive Wasserwand 40 Meilen landeinwärts schieben könnte. Die Sturmflut könnte zwischen Texas und der Mündung des Mississippi ins Landesinnere eindringen.

An der Küste von Louisiana könnte Laura eine Flutwelle von bis zu 6 Meter bringen, sagte der Nationale Wetterdienst. "Zu glauben, dass es eine Wasserwand über zwei Stockwerken an Land geben könne, ist für die meisten sehr schwer vorstellbar. Aber genau das wird passieren", sagte Benjamin Schott, Meteorologe des Nationalen Wetterdienstes, auf einer Pressekonferenz.

Allein in Louisiana und Texas wurden etwa 620.000 Menschen aufgefordert ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Hurrikan Laura landete kurz vor 1 Uhr morgens als Sturm der Kategorie 4, teilte das National Hurricane Center (NHC) mit. „Laura wird sich weiter landeinwärts bewegen", sagte der NHC am Donnerstag. Es wird erwartet, dass der Hurrikan weiter nach Arkansas vordringt, bevor er nach Nordosten in Richtung Missouri, Mississippi und Tennessee abbiegt.

Das Büro des Nationalen Wetterdienstes teilte mit, Laura wird im Südosten von Texas und im Südwesten von Mississippi 127 bis 254 mm Regen bringen. Es werden schwere Überflutungen im Osten von Texas, in Louisiana und in Arkansas erwartet.

Reis wird früher geerntet – Hurrikan macht alles zunichte

Sonnenaufgang über einem Reisfeld

"Das Timing ist schrecklich, um ehrlich zu sein", sagte Jason Kelley, Agronom an der Universität von Arkansas. Ein Großteil der Mais- und der Reisernte des Staates sei in einem gefährdeten Zustand, fügt er hinzu. Andrew Granger vom AgCenter in Vermilion Parish berichtete, dass die Farmer noch am Mittwoch bis in die Nacht auf den Reisfeldern gearbeitet haben, um ihre Ernte noch zu retten.

Der Sturm könnte große Teile der Reisernte ruinieren, glauben Beobachter. Viele Farmer haben von Berufskollegen Hilfe bekommen und zusätzliche Maschinen, um die Ernte noch zu beenden. Der Agrarwissenschaftler Harrod Hardke sagte, dass auch die Lagerung der noch sehr feuchten Reisernte eine große Herausforderung für die Farmer ist. Arkansas ist der landesweit führende Reisproduzent der USA.

Ein Problem ist, dass die Pflanzen zuerst mit Regen überschüttet und dann von starkem Wind niedergeblasen werden – ähnlich wie der Mais vom Sommersturm in Iowa. Der Reisspezialist Dustin Harrell sagte, dass die Reiskörner, die noch nicht geerntet sind, durch den Sturm von den Pflanzen abgeschlagen werden.

Reifer Reis wird wertlos, wenn er überflutet wird. "Bisher war die Vegetationsperiode für Reis, Mais und Sojabohnen sehr gut", sagte Harrell.  Er ergänzte: "Es wäre eine große Katastrophe, wenn ein Sturm hereinbricht und diese Ernte ruiniert. Sie können das ganze Jahr über alles richtig machen und dies wird dann zunichte gemacht."

Wohin mit den Tieren, wenn die Flut kommt

Rinder stehen an einer Tränke an einer überfluteten Weide

Regionale Medien berichten außerdem, dass Rinder und andere Tiere von den Farmern fortgebracht werden müssen. Es wird erwartet, dass der Sturm durch die Salzwasserfluten dennoch erhebliche Schäden an den Wiesen, Weiden und Stallanlagen verursachen wird.

"Unsere Zäune werden verschwunden sein", sagte ein Farmer. Entlang der Küste in Louisiana wird eine Flutwelle erwartet, die möglicherweise 10 bis 20 Fuß hoch ist. Die Viehhalter haben nach den schlimmen Hurrikanen Rita im Jahr 2005 und Ike im Jahr 2008 gelernt, ihre Herden rechtzeitig wegzubringen.

"Wir haben gehofft, dass wir das nie wieder tun müssen", sagte ein Viehzüchter aus Region. Viele Farmer hatten schon am vergangenen Wochenende damit begonnen, ihre Herden wegzubringen.

Regionale Organisationen haben den Rinderproduzenten dabei geholfen, sichere Weiden für ihre Rinder zu finden. Außerdem erhielten viele Landwirte Heuspenden.

Auch die Zuckerrohrernte ist bedroht

Mähdrescher an einem Zuckerrohrfeld vor einem dunklen Himmel mit Wolken

Doch es gibt noch eine Kultur, die vor allem im Süden der USA wächst, und durch den Hurrikan stark gefährdet ist: Nämlich Zuckerrohr. Die Ernte ist nur noch wenige Wochen entfernt und die Landwirte pflanzen außerdem bereits Zuckerrohr für die Ernte im nächsten Jahr.

Blair Hebert, Spezialist für Zuckerrohr, sagte, dass die Farmer bislang etwa ein Drittel der Pflanzung abschließen konnten. Aber die Pflanzen, die geerntete werden sollen, werden von den heftigen Winden niedergedrückt. Wenn die Pflanzen vom Sturm umgepustet werden, können sie brechen, und die gebrochenen Stiele erholen sich nicht.

"Zuckerrohr ist aber eine sehr widerstandsfähige Pflanze", sagt Hebert. Dieses Jahr wird außerdem eine gute Zuckerrohrernte erwartet, möglicherweise eine der besten. Ein großes Problem für die Landwirte nach den bisherigen Hurrikans war allerdings die große Menge an Trümmern, die durch die Flutwelle auf die Felder geschoben wurden. Das hatte die Ernte extrem erschwert.

US-Wetterdienste befürchten das Land könnte 2020 die aktivste und verheerendste Hurrikan-Saison seit 15 Jahren erleben. Ähnlich schlimme Hurrikan-Saisons gab es nach dieser Prognose 2005, 2012 und 2016. In diesen Jahren gab es die großen Hurrikans mit den Namen Katrina (2005), Sandy (2012) und Matthew (2016), die Verwüstungen von insgesamt 202 Milliarden US-Dollar Schaden anrichteten, berichten US-Medien.

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