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Corona-Folgen für die Landwirtschaft

USA: Trump zwingt Schlachter die Produktion hochzufahren – per Gesetz

Schlachter
am Donnerstag, 30.04.2020 - 17:33 (2 Kommentare)

Präsident Donald Trump hat am Dienstag die großen US-Schlachter per Gesetz gezwungen, die Produktion hochzufahren, um die Lebensmittelversorgung in den Vereinigten Staaten zu sichern.

Diese hatten ihre Produktion nach Ausbruch des Coronavirus drastisch heruntergefahren oder die Betriebe ganz geschlossen. Eine Folge dieser Maßnahme ist, dass amerikanische Farmer ihre Schweine nicht mehr los werden und sie töten müssen. Die US-Regierung hat den Farmern auch bei dieser schwierigen Maßnahmen Hilfe zugesagt.

Bereits vor zwei Wochen hatte der Präsident des National Pork Producers Council, der Farmer Howard Roth aus Wisconsin gesagt: "Leider ist es wahr, dass Sterbehilfe (für Schweine) eine Frage ist, die derzeit auf unseren Farmen auftaucht." Amerikanische Tierhalter stehen aufgrund von COVID-19 vor einem beispiellosen Notfall, wegen der Schließung von Fleischverarbeitungsbetrieben in mehreren Bundesstaaten", berichtet auch das US-Landwirtschaftsministerium (USDA).

Das USDA kündigte deshalb ein nationales Koordinierungszentrum an, "um Erzeugern, deren Tiere wegen der Schließung von Verarbeitungsbetrieben aufgrund von COVID-19 nicht auf den Markt gebracht werden können, direkte Unterstützung zu bieten". Das Zentrum würde nach alternativen Märkten für die Tiere suchen und „erforderlichenfalls Ratschläge zu Entsorgungsmethoden geben und diese unterstützen“.

Fast 20 Schlachter sind geschlossen – Fleischmangel befürchtet

Schlachter

Wegen der Bedenken hinsichtlich möglicher Nahrungsmittelknappheit und der Unterbrechungen der Lieferketten, erließ Donald Trump das Gesetz unter Verwendung des sogenannten "Verteidigungs-Produktions-Gesetzes", das es ermöglicht, die Funktionsfähigkeit bestimmter Anlagen in Krisenzeiten zu sichern.

Die weltweit größten Fleischunternehmen, darunter Smithfield Foods Inc., Cargill Inc., JBS USA und Tyson, haben den Betrieb von rund 20 Schlachthöfen und Verarbeitungsbetrieben in Nordamerika eingestellt, da die Arbeitnehmer aus Angst vor Corona der Arbeit fern bleiben, was jedoch die Angst in der Bevölkerung vor einem akuten Fleischmangel schürte.

Die Anordnung des Präsidenten soll den Unternehmen teilweise einen Rechtsschutz mit mehr Haftungsschutz bieten, falls Mitarbeiter aufgrund der Notwendigkeit, zur Arbeit zu gehen, an dem Virus erkranken. John H. Tyson, Vorsitzender von Tyson Foods, sagte am vorigen Sonntag, dass die Lebensmittelversorgungskette "bricht" und warnte vor dem Potenzial von Fleischknappheit.

Trump teilte den Medien mit, dass die Verordnung aus seiner Sicht "alle Haftungsprobleme lösen wird" und fügte hinzu: "Und wir arbeiten immer mit den Landwirten zusammen. Und es gibt auch genügend Vorräte."

Immer weniger Schweine geschlachtet

Schlachter

Laut Angaben des USDA haben US-amerikanische Fleischunternehmen am Dienstag schätzungsweise 283.000 Schweine geschlachtet, was einer Halbierung gegenüber der Vorwoche entspricht. Geschlachtet wurden außerdem etwa 76.000 Rinder, was einem Rückgang von ungefähr 38 Prozent entspricht.

"Wenn Schlachtereien stillgelegt werden müssen, dient dies einer gründlichen Reinigung und der Rettung des Lebens der Arbeitnehmer. Wenn die Verwaltung frühzeitig ausreichende Sicherheitsanforderungen entwickelt hätte, wie sie es hätten tun sollen, wäre dies nicht zu einem Problem geworden", kritisierte indessen Stuart Appelbaum, Präsident der Einzelhandels-, Großhandels- und Kaufhausunion, die Entwicklung in den USA.

Mehr als 6.500 Fleisch- und Lebensmittelarbeiter sind derzeit mit dem neuen Coronavirus infiziert, und 20 sind gestorben, teilte die Fleisch-Arbeitergewerkschaft UFCW am Dienstag mit. Oberste Priorität der Trump-Regierung hat derzeit die Wiedereröffnung von drei besonders großen Schweinefleischfabriken, die jetzt aufgrund von Coronavirus-Ausbrüchen geschlossen sind und zusammen etwa 12 Prozent der Schlachtung von US-Schweinen ausmachen, hieß es aus Regierungskreisen am Mittwoch.

Fleisch dürfte teurer werden

ASP drückt Chinas Schweineproduktion.

Nach Angaben von Analysten werden die US-Verbraucher in den kommenden Wochen mit höheren Fleischpreisen oder Ausfällen bei einigen Produkten konfrontiert sein. Oberste Priorität hat derzeit die Eröffnung des Werks in Sioux Falls und des Werks in Waterloo", hieß es aus Regierungskreisen.

Hunderttausende von Schweinen müssen vielleicht wöchentlich getötet werden, weil es nicht genügend offene Schlachtbetriebe gibt, kritisieren gleichzeitig die Farmerverbände. Bob Krebs, Präsident von JBS Schweinefleisch, sagte  "keiner von uns will Schweine einschläfern, aber unsere Produzenten stehen vor einer schrecklichen, beispiellosen Situation."

Das Werk von Smithfield Foods in Sioux Falls, South Dakota, und das Werk von Tyson Foods in Waterloo, Iowa, haben jeweils eine Schlachtkapazität von etwa 20.000 Schweinen pro Tag. Sie wurden wegen einer steigenden Anzahl von Coronavirus-Infektionen unter Arbeitern und in ihren Gemeinden geschlossen. „Wir müssen Lebensmittel für das Land verarbeiten. Wir müssen die Anlagen in Betrieb nehmen“, sagte Tim Walz, Gouverneur von Minnesota. „Der einzige Weg, dies zu tun, besteht darin, die Sicherheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten“, sagte der Gouverneur weiter.

Schweinepreise steigen wieder

Schwein

Die Nachricht, dass die Trump-Regierung vor hat, Fleischverarbeitungsbetriebe zur Sicherung der Lebensmittelversorgung offen zu halten, löste eine sehr starke Ralley am Schweinemarkt aus. Während die Branche mit einem Rückgang der Schlachtkapazität um etwa 25 Prozent konfrontiert ist, blicken die Händler über die derzeitige Schließung hinaus. Sie erwarten eine anziehende Nachfrage und ein saisonbedingt rückläufiges Angebot bis Juni und Anfang Juli.

Am US-Terminmarkt konnten die Schweinepreise (Lean Hog) deshalb deutlich zulegen. Der Juli-Kontrakt kletterte auf den höchsten Stand seit dem 31. März. Wegen des langsamen Schlachttempos hatten Händler zunächst befürchtet, dass viele Schweine nicht mehr vermarktet werden können und die Kassamärkte deshalb zusammenbrechen würden.

Die Kassapreise sind in der aktuellen Woche aber ebenfalls wieder gestiegen. Die vom USDA geschätzte Schlachtung von Schweinen lag am Dienstag jedoch nur bei 283.000 Stück. Dies bringt die Gesamtzahl für die bisherige Woche auf etwa 586.000 Stück, verglichen mit 719.000 in der Woche zuvor und 939.000 vor einem Jahr.

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