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Einkaufsverhalten

Verbraucher kaufen lieber Obst als Klopapier

Obst und Gemüse im Supermarkt
am Freitag, 24.04.2020 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Die Corona-Krise hat das Einkaufsverhalten der deutschen Verbraucher stark beeinflusst. Noch vor wenigen Wochen war Toilettenpapier gefragt, nun kaufen die Konsumenten lieber frische Produkte wie Obst und Gemüse.

Absatz Einzelhandel Corona 2020

In der Corona-Krise geht die Nachfrage nach bestimmten Gütern des täglichen Bedarfs wieder zurück. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) gestern mitteilte, lagen die Verkaufszahlen für ausgewählte Hygieneartikel und Lebensmittel in der Woche vom 13. bis 19. April 2020 weiter deutlich unter den Zahlen der Wochen zuvor. Das vielgenannte und -belachte Toilettenpapier wurde 65 Prozent weniger als in den letzten "normalen" Monaten August 2019 bis Januar 2020  gekauft. Auch bei anderen Produkten ging die Nachfrage in der 16. Kalenderwoche deutlich zurück. So lag der Absatz von Teigwaren und Reis jeweils bei -27 Prozent und der Absatz von passierten Tomaten bei -18 Prozent. Noch in der Woche zuvor waren genau diese Produkte vermehrt in den Einkaufswagen gelandet (Teigwaren +47 %, Reis: +39 %, passierte Tomaten: +11 %).

Die rückläufigen Verkaufszahlen können, so vermutet das Statistische Bundesamt, verschiedene Gründe haben. Zum einen dürfte das Angebot in bestimmten Warensegmenten kurzzeitig fehlen, also die Waren schlicht nicht verfügbar sein. Zum anderen könnte eine Sättigung des Bedarfs einsetzen - wer 10 Pakete Nudeln auf Vorrat hat, der kauft beim nächsten Einkauf keine mehr.

Seife, Obst und Gemüse bleiben gefragt

Absatz Gemüse/Einzelhandel 2020

Die Nachfrage nach Seife und Desinfektionsmitteln bleibt unterdessen weiter hoch. Zwar liegen die Verkaufszahlen nicht mehr auf so einem hohen Niveau wie im März, dennoch lag der Absatz von Desinfektionsmitteln in der Woche vom 13. bis 19. April bei +71 Prozent und der von Seife bei +10 Prozent über dem Durchschnitt. 

Nachdem in den ersten Corona-Monaten Obst und Gemüse besonders in Dosen gekauft wurden, ist aktuell vor allem frische Ware gefragt: So lagen die Absatzzahlen von Obst in der 16. Kalenderwoche weiterhin 4 Prozent und die von Gemüse 10 Prozent über dem Sechs-Monats-Durchschnitt, berichtet das Bundesamt.

Neues Verfahren der Datenerhebung

Die Angaben des Statistischen Bundesamts basieren auf digital verfügbaren Kassendaten, sogenannte Scannerdaten, und sind nur eingeschränkt repäsentativ für das Kaufverhalten in Deutschland. Auswertungen dieser Art haben experimentellen Charakter und sind Teil eines Projektes im Bereich „Experimentelle Daten“.

Hofläden und Direktvermarkter werden in dieser Auswertung nicht berücksichtigt. Bei agrarheute finden Sie dazu einen Beitrag und hilfreiche Tipps, wie Sie Ihren Hofladen Corona-sicher machen.

GfK: Corona-Schock für das Konsumklima

Ebenfalls gestern veröffentlichte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ihre Konsumklimastudie für April 2020, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt wird. Der Studie zufolge erwarten die Verbraucher, dass Deutschland durch die Corona-Krise in eine schwere Rezession stürzen wird. Die Befragung wurde in den ersten beiden Aprilwochen durchgeführt, wo sich der Corona-Lockdown erstmals deutlich im Alltagsleben bemerkbar machte.

Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung befinden sich im freien Fall, während die Konjunkturerwartung nur moderate Einbußen hinnehmen muss. Die GfK prognostiziert für Mai 2020 einen historischen Tiefstand von -23,4 Punkten und damit 25,7 Punkte weniger als im April dieses Jahres (revidiert 2,3 Punkte). "Ein Wert von -23,4 Punkten ist bislang beispiellos in der Historie des Konsumklimas", analyisert die GfK.

Produktionsstilllegungen, Schließung von Geschäften sowie der Gastronomie haben die wirtschaftliche Tätigkeit in weiten Bereichen nahezu zum Erliegen gebracht. Viele Betriebe machen von der Möglichkeit der Kurzarbeit Gebrauch, um Entlassungen zu vermeiden. Dennoch wird ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im weiteren Verlauf dieses Jahres nicht zu verhindern sein. Die dadurch aufkommende Angst vor Jobverlust belastet die Stimmung. Gleichzeitig zeigen sich die Verbraucher verunsichert, wie es in und nach der Corona-Krise weitergeht. Sie sparen und sind wenig konsumfreudig über die Güter des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel etc. hinaus.

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