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Verbraucherzentralen kritisieren „Billigstpreise“ für Lebensmittel

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am Dienstag, 05.01.2021 - 10:10 (1 Kommentar)

Die Verbraucherzentralen haben extreme Preiskämpfe bei Lebensmitteln kritisiert. Sie fordern, die Umwelt- und Tierschutzkosten stärker zu berücksichtigen.

Klaus Müller, vzbv-Vorstand

Seit Wochen demonstrieren Landwirte immer wieder vor den Zentrallagern des Lebensmitteleinzelhandels gegen zu niedrige Erzeugerpreise vor allem für Milch und Fleisch. Teilweise haben die Handelsunternehmen inzwischen Zugeständnisse gemacht. Jetzt sprechen sich auch die Verbraucherzentralen dafür aus, dass die Verbraucherpreise die wahren Produktionskosten der Landwirtschaft besser widerspiegeln sollten.

Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Es darf nicht so sein, dass Lebensmittel zu Billigstpreisen verschleudert werden.“ Irgendjemand zahle die Zeche dafür. „Und das sind in vielen Fällen zurzeit die Landwirte.“

Zur Wahrheit gehörten allerdings auch Praktiken gerade in der konventionellen Landwirtschaft, die weder den Erwartungen der Bevölkerung entsprächen, noch Tierschutz- und Umweltstandards sowie den Klimazielen, sagte Müller. Unter dem Strich wäre es sinnvoll, die Kosten in die landwirtschaftliche Produktion hinein zu rechnen oder erst gar nicht entstehen zu lassen.

Unterstützung für gesetzlichen Schutz kleiner Lieferanten

Müller kritisierte: „Wie kann es sein, dass Obst, Gemüse, Milch, Eier, Fleischprodukte preiswerter verkauft werden, als sie hergestellt wurden?“ Das nutze nur auf den ersten Blick dem Portemonnaie der Verbraucher. „Wir zahlen die Zeche eben an anderer Stelle.“

Der vzbv-Chef begrüßte es, dass Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) unfaire Praktiken großer Supermarktketten zu Lasten kleiner Lieferanten unterbinden will. Der Bundestag sollte aber noch eine Schippe drauflegen, um alle Mechanismen zu beenden, die sich in sehr ungleichen Marktbeziehungen eingeschlichen hätten. 

Kennzeichnung der Margen ist nicht zu Ende gedacht

Eher zurückhaltend reagierte Müller auf einen Vorschlag Klöckners, auf Verpackungen den Anteil anzugeben, der vom Verkaufspreis an die Bauern geht. „Das ist auf jeden Fall gut gemeint.“ Nichts spreche bei unverarbeiteten Produkten wie Obst, Gemüse oder Milch dagegen. Dies könne ein Gefühl vermitteln, wie wenig beim Landwirt ankomme und wer sonst noch an Lebensmitteln verdiene.

Bei komplexeren, verarbeiteten Produkten stünde aber der Bürokratieaufwand in keinem Verhältnis dazu. „Darum befürchte ich, dass es nicht wirklich zu Ende gedacht ist.“ Allein mehr Transparenz löse nicht das Problem.

Rukwied bekräftigt Forderung nach einem Deutschland-Bonus

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sagte dazu der dpa, mehr Transparenz bei Preisen sei grundsätzlich gut und richtig.

„Die hohen deutschen Erzeugungsstandards müssen belohnt und höher vergütet werden. Das gilt für Fleisch, Milch, Obst und Gemüse in gleichem Maße.“ Aus Sicht des Bauernverbandes wäre dies über einen „Deutschland-Bonus“ vorstellbar, der an gewisse Erzeugungskriterien gebunden sei.

Entwurf für einen Verhaltenskodex erwartet

Klöckner beim Agrargipfel

Ministerin Klöckner moniert ein „massives Machtungleichgewicht“ zwischen Erzeugern und Handel. Wer gerne mit regionalen Produkten werbe, müsse sie auch wertschätzen und dafür sorgen, dass Bauernfamilien von der Produktion leben könnten, mahnte sie kurz vor dem Jahreswechsel.

Per Gesetz will die Ministerin bekanntlich unfaire Handelspraktiken verbieten - etwa kurzfristige Stornierungen von Anlieferungen oder einseitiges Ändern von Lieferbedingungen. Daneben solle der Handel einen Verhaltenskodex mit den Landwirten vereinbaren. Einen konkreten Entwurf des Handels erwartet Klöckner für Januar, nachdem sie selbst bereits im Dezember einen Entwurf ihres Ministeriums mit den Handelsspitzen diskutiert hatte.

Mit Material von dpa
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