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Operation des Europäischen Polizeiamts

Verfolgt und beschlagnahmt: Illegale Pflanzenschutzmittel in der EU

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am Freitag, 18.06.2021 - 12:18 (Jetzt kommentieren)

Über 1.200 Tonnen illegale Pflanzenschutzmittel haben europäische Behörden innerhalb von etwa drei Monaten beschlagnahmt. Der Gesamtwert der verbotenen Produkte belief sich auf 80 Mio. Euro.

Von den Ergebnissen der sogenannten Operation Silver Axe VI berichtete das Europäische Polizeiamt Europol gestern (17.06.). Die illegalen Produkte beliefen sich auf 1.203 Tonnen und wurden im Zeitraum vom 13. Januar bis 25. April beschlagnahmt.

Darüber hinaus habe die Operation zu zwölf Festnahmen geführt.

Kontrollen an Grenzen und im Internet

Wie Europol mitteilte, waren an der Operation alle 27 EU-Mitgliedstaaten sowie acht Drittstaaten beteiligt. Als Drittstaaten seien beispielsweise das Vereinigte Königreich, die USA, Schweiz, Ukraine und Brasilien eingebunden gewesen.

Die Operation habe sich auf den Verkauf von Fälschungen und verbotenen Produkten sowie auf nicht regulierte Importe konzentriert. Dabei führten die Strafverfolgungsbehörden Kontrollen an Land- und Seegrenzen, auf Marktplätzen, bei Paketdienstleistern und im Internet durch.

Insbesondere habe der Online-Verkauf von illegalen Pflanzenschutzmitteln zugenommen, so Europol.

Darüber hinaus habe das in der EU nicht mehr zugelassene Insektizid Chlorpyrifos eine besondere Rolle in der Operation gespielt. Für Chlorpyrifos seien Regionen in (Süd-)Asien wichtige Herkunftsgebiete.

Gefälschte Pflanzenschutzmittel in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sichergestellt

Der Chemiker Dr. Nils Kurlemann vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) informierte gestern über die Beschlagnahme mehrerer Pflanzenschutzmittelimporte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dabei seien die Hinweise des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung (OLAF) entscheidend gewesen.

Die Produkte seien von einer Firmengruppe aus dem Vereinigten Königreich bezogen worden. Schon seit Jahren sei über die Firmengruppe bekannt gewesen, dass sie gefälschte Pflanzenschutzmittel unter dem Deckmantel des Parallelhandels in Deutschland in Verkehr bringe. „Es ist wie bei allen kriminellen Handlungen ein Wettlauf zwischen Strafverfolgern und den professionellen Fälschern“, sagte der Mitarbeiter der Braunschweiger Behörde.

In Deutschland seien während der dreimonatigen Operation über 70 Tonnen verbotener Pflanzenschutzmittel sichergestellt worden, so Kurlemann. Er wies darauf hin, dass die Abfertigung für den zollrechtlich freien Verkehr flächendeckend in der gesamten Bundesrepublik und nicht nur an den EU-Außengrenzen erfolgt.

Wie das BVL in seiner Presseinformation mitteilt, verfügt die Behörde über das einzige Labor in Deutschland, das Proben von Pflanzenschutzmitteln auf Echtheit testen kann. Illegale Mittel nachzuweisen sei eine große Herausforderung.

An der Operation beteiligten sich neben dem BVL aber noch weitere Bundesbehörden und die Pflanzenschutzdienste aus Bremen, Hamburg und Niedersachsen.

Verbotene Produkte können mehr schaden als nützen

Europol verwies auf die starke Regulierung beim Handel und bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. So könnten billigere, minderwertige beziehungsweise illegale Produkte zur Verwüstung von Äckern und anderen Ökosystemen führen. Den Bestäubern könne außerdem schwerer Schaden zugefügt werden. Das habe die Operation Silver Axe VI auch gezeigt: Nach dem illegalen Einsatz von Neonicotinoiden seien Bienen verendet, die in der betreffenden Gegend gezüchtet wurden.

Mit Material von AgE
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