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Landnutzung und Bodenrecht

Vertrags-Landwirtschaft – ein Bruch bäuerlicher Tradition?

vertrags-landwirtschaft
am Montag, 06.07.2020 - 11:01 (Jetzt kommentieren)

Die Vertrags-Landwirtschaft bietet eine völlig neue Möglichkeit der Landbewirtschaftung.

In vielen europäischen Ländern ist der ökonomische und politische Druck auf die Landwirtschaft hoch. Deshalb suchen Landwirte nach neuen Wegen und Modellen sich diesem Druck anzupassen – und trotzdem Eigentümer ihrer Flächen und Betriebe zu bleiben.

Im Vereinigten Königreich ist der Anpassungsdruck durch das Ausscheiden der Briten aus der EU und damit auch aus der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) besonders hoch. Neben dem ökonomischen Druck kommen auch noch veränderte agrarpolitische Rahmenbedingungen hinzu.

Der englische Bodenmakler H & H Land & Estates hat über seine Beobachtungen bei den Veränderungen des landwirtschaftlichen Bodenmarktes berichtet und stellt fest: Der Einsatz von Contract Farming Agreements (CFA) erfreuen sich in der britischen Landwirtschaft zunehmender Beliebtheit, da Joint Ventures dieser Art mehr Flexibilität bieten als ein Pachtverhältnis.

Das führt nach Aussage von H & H Land & Estates jedoch dazu, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe allmählich von traditionelleren landwirtschaftlichen Strukturen entfernen.

Landwirt behält die Eigentumsrechte

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Katie Proctor, von H & H Land and Estates, sagt: „Das übergeordnete Ziel eines Contract Farming Agreements (CFA) besteht darin, die Effizienz durch Leistungssteigerung des Unternehmens zu verbessern. Obwohl der Einsatz von Auftragnehmern im Ackerbau seit langem als Geschäftsmodell etabliert ist, eröffnen sich beide Parteien durch das CFA neue Möglichkeiten.

Gleichzeitig bewahren sie ihre eigene Identität als eigenständiges Unternehmen. Dies gilt auch für Farmer, die ihre derzeitigen landwirtschaftlichen Betriebe ausweiten möchten, ohne den Kauf oder die Pacht von Grundstücken finanzieren zu müssen“. Die CFAs ermöglichen es dem Landbesitzer, die vollen Eigentumsrechte zu behalten und gleichzeitig auch einen „landwirtschaftlichen Lebensstil“ beizubehalten.

Auf der anderen Seite können die Auftragnehmer zum einen von den Skaleneffekten und zum anderen von den garantierten Zahlungen pro Fläche profitieren. "Der wirtschaftliche Erfolg muss durch den Auftragnehmer erzielt werden, der die Erfahrung, das Fachwissen, die Fähigkeiten, die Technologie und die Maschinen bereitstellt, während der Grundbesitzer die Grundstücke und Gebäude zur Verfügung stellt", sagte Proctor.

Vorteile für beide Seiten und mehr Flexibilität

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Der „Landwirt“ ist weiterhin der Landbesitzer, der die Dienste eines anderen in Anspruch genommen hat, der als „Auftragnehmer“ bezeichnet wird und über einen festgelegten Zeitraum landwirtschaftliche Tätigkeiten ausübt.

Es handelt sich dabei um eine Vereinbarung, die flexibel ist und von den Bedürfnissen der jeweiligen Parteien bestimmt wird und die Plattform für eine für beide Seiten vorteilhaftes Joint Venture bietet.

Die Hauptprinzipien sind:

• Der „Landwirt“ erhält eine erste Gebühr für die Bereitstellung des Landes

• Der „Auftragnehmer“ erhält eine garantierte feste Gebühr für die Arbeiten zur Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte

• Jedes zusätzliche Einkommen wird zwischen ihnen aufgeteilt

Wichtig ist, dass eine CFA-Vereinbarung auch bedeutet, dass der Landbesitzer weiterhin aktiv an der Verwaltung der landwirtschaftlichen Betriebe beteiligt wird. Dies stellt wiederum sicher, dass sie ihren Status als „Landwirt“ behalten und derzeit (im Vereinigten Königreich) weiterhin Zahlungen über die staatlichen und Umweltprogramme erhalten und beantragen können. Später könnte sich dies ändern, wobei in dem neu ausgearbeiteten Landwirtschaftsgesetz des Vereinigten Königreichs hervorgehoben wird, dass die finanzielle Unterstützung für Landwirte in ähnlicher Form bestehen bleibt.

Katie Proctor sagt außerdem, dass sich CFAs von traditionelleren Vereinbarungen unterschieden, denen viele Farmer aufgrund der damit verbundenen vertraglichen Beschränkungen möglicherweise abgeneigt sind. "Wir sehen, dass diese neue Art von Vereinbarung (CFAs) auch für Landbesitzer attraktiv ist, die Betriebszweige wie Viehzucht haben, da das reduzierte Betriebskapital in andere Bereiche ihres Geschäfts umgeleitet werden kann, um die Rentabilität zu steigern und das Risiko zu verringern, sagte Proctor.

Unterschiedliche Modelle in der Vertrags-Landwirtschaft möglich

Die Vertrags-Landwirtschaft zwischen Landwirten und Auftragnehmern stellt angesichts der sehr hohen Grundstückspreise und des erheblichen Startkapitals für den Aufbau oder die Anmietung einer Farm eine innovative Möglichkeit dar, das landwirtschaftliche Geschäft auf- und auszubauen.

Die Vertragslandwirtschaft wurde in den 1970er Jahren entwickelt und ist im Ackerbau – im Vereinigten Königreich - schon weit verbreitet, obwohl sie auch in Viehzuchtbetrieben immer häufiger vorkommt. Auftragnehmer kann ein benachbarter Landwirt sein, ein größeres landwirtschaftliches Unternehmen oder ein landwirtschaftlicher Auftragnehmer, der ein Agrarunternehmen gründen oder ein bestehendes entwickeln möchte.

Ein professioneller Vertragslandwirtschafts-Vertrag vermeidet die Schaffung eines Pachtverhältnisses und bedeutet, dass der Status eines Landwirts für Subventions- und Steuerzwecke beibehalten werden kann. Die Vereinbarungen können sehr flexibel sein, abhängig von den Bedürfnissen der beiden Parteien.

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