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+++ Aktualisiert: 7. Januar 2021, 17:00 Uhr +++

VMB: Handel drückt die Butterpreise um mehr als 50 Cent

Butterblock in Folie auf einem Karton
am Mittwoch, 06.01.2021 - 10:45 (1 Kommentar)

Trotz aller Bauernproteste und öffentlicher Zusagen hat der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) offenbar doch deutlich niedrigere Butterpreise durchgesetzt. Aldi verweist auf die Verantwortung der Molkereien.

Nach Angaben des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB) hat der Einzelhandel den Einkaufspreis für Deutsche Markenbutter um 56 Cent/kg gedrückt. Die Laufzeit der neuen Kontrakte für Butter der Handelsmarken beträgt zwei Monate.

An der Süddeutschen Butter- und Käsebörse in Kempten wurde gestern (5.1.2021) eine Preisspanne von 3,24 bis 3,34 Euro/kg für geformte Markenbutter im 250-Gramm-Block notiert. Das waren exakt 56 Cent weniger als bei der vorangegangenen Notierung vor den Weihnachtsfeiertagen mit einer Spanne von 3,80 bis 4 Euro/kg.

Der Discounter Aldi hat inzwischen mit einer Stellungnahme auf die Berichte über die Butterpreissenkung reagiert. Das Unternehmen teilte am Donnerstagnachmittag (7.1.2021) mit, die vereinbarten Einkaufspreise basierten auf Angeboten der Molkereien. Zur exakten Höhe des Abschlusses wollte sich die Einzelhandelskette "aus Gründen des Wettbewerbs" nicht äußern, betonte jedoch, dass die genannten 56 Cent/kg auf Aldi nicht zutreffen würden. "Stattdessen orientieren sich unsere Abschlüsse bewusst im Durchschnitt an marktüblichen saisonalen Schwankungen", so der Discounter.

Aldi unterstrich, weiter zu langfristigen Lösungen zur Verbesserung der Situation der Landwirtschaft beitragen zu wollen. Ein wichtiger Schritt dazu seien die Arbeitsgruppen von Handel und Landwirten, die in der kommenden Woche Ihre Arbeit aufnehmen sollen. 

Waren alle Aktionen der Landwirte vergebens?

Landwirte blockieren mit ihren Traktoren die Zufahrt zu einem Zentrallager von Aldi.

Aus Sicht des Milcherzeugerverbandes waren die zahlreichen Aktionen der Milchbauern rund um Weihnachten vor allem in Nordwestdeutschland vergebens. Ungeachtet der in bilateralen Gesprächen mit den Erzeugern gemachten Zusagen habe der Lebensmitteleinzelhandel die Einkaufspreise für Butter „nach unten geprügelt“.

Nach Darstellung des VMB hatte nach den Blockaden verschiedener Auslieferungslager und den Zusicherungen der Handelsunternehmen die berechtigte Hoffnung bestanden, dass die Preise für den Butterkontrakt nur moderat und marktgerecht angepasst würden. Doch der Lebensmitteleinzelhandel habe die Landwirte „wieder einmal und ganz professionell an der Nase herumgeführt“, so der Milcherzeugerverband.

Lidl-Aktion mit holländischer Butter

In Aktionen verkauft der Einzelhandel sogar die Markenbutter seit Jahresbeginn zu deutlich reduzierten Preisen. Der Discounter Lidl bietet „Frau Antje Beste Butter“ in dieser Woche für 1,39 Euro je 250 Gramm und damit um 41 Prozent unter dem Niveau der Vorwoche an. Dabei stieg zum Jahreswechsel die befristet reduzierte Mehrwertsteuer wieder auf die üblichen Sätze von 7 beziehungsweise 19 Prozent.

Der VMB geht davon aus, dass der Endverbraucherpreis für Butter der Handelsmarken in den nächsten Wochen von aktuell 1,39 Euro nur um 10 Cent auf 1,29 Euro pro 250 Gramm zurückgehen wird. Der Handel würde somit gut ein Viertel des niedrigeren Einkaufspreises in die eigene Tasche stecken.

Der Weltmarktpreis steigt dagegen kräftig

Mit dem Geschehen am Milchmarkt sind die niedrigeren Butterpreise im Einzelhandel nicht zu begründen. Die Kemptener Börse berichtet von einer guten Nachfrage nach loser Markenbutter. Auch der Weltmarkt ist stabil. An der neuseeländischen Online-Börse Global Dairy Trade (GDT) verteuerte sich Butter gestern sogar um 7,2 Prozent gegenüber dem Stand von Mitte Dezember. Das war der siebte Preisanstieg für Butter in Folge bei der Versteigerung. Seit Mitte September verteuerte sich Butter an der GDT um 38 Prozent.

Analysten der niederländischen Rabobank schätzen die Perspektiven für den globalen Milchmarkt für 2021 durchaus optimistisch ein. Während das Produktionswachstum in den wichtigsten Exportregionen nachlassen wird, erwarten die Banker von der Nachfrageseite positive Impulse. Die neuen Butterkontrakte der deutschen Einzelhandelsriesen passen nicht in diese Landschaft.

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