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DLG-Wintertagung

Vorsicht vor Online-Plattformen

Professor Dr. Ewald Wessling
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Amelie Grabmeier, agrarheute
am
22.02.2018

Online-Plattformen werden sich künftig zwischen landwirtschaftliche Betriebe und ihre Kunden schieben. Das kann fatale Auswirkungen für Landwirte haben.

Davor warnte Professor Dr. Ewald Wessling auf dem Zukunftsplenum „Der digitale Betrieb – Chancen richtig nutzen“ im Rahmen der DLG-Wintertagung in Münster. Fälschlicherweise werde angenommen, dass Online-Plattformen Marktplätze seien. „Das ist eine so geschickte Lüge“, unterstrich Wessling. Sie seien genau das Gegenteil davon.

Die Aufgabe von Online-Plattformen bestehe darin, die Bedürfnisse der Kunden zu ermitteln. Sie wissen als Einzige, was der Kunde haben will. „Die große Gefahr besteht, dass in Ihren Markt jemand eindringt, der die Daten sammelt, die Kundenkontakte hat und Ihnen anschließend sagt, was Sie zu tun haben“, bringt es Professor Wessling auf den Punkt.

Was ist zu tun?

„Sie als Landwirt haben jetzt genau zwei Möglichkeiten: Sie sind in dem Datenspiel dabei, dann produzieren Sie dafür mit. Oder Sie sind bei dem Datenspiel nicht dabei, dann sind Sie raus. Dann sind Sie allerdings nicht mehr existent für den Kunden“, erklärte Wessling.

Um das zu vermeiden, müssen Landwirte die Datenhoheit behalten, betonte er. Die Landwirtschaft hätte weit mehr Erfahrung mit dem technologischen Wandel als andere Branchen. Daher mache er sich keine Sorgen um die Landwirte.

Digitale Daten nicht unterschätzen

Nach Aussage von Wessling sollten sich Landwirte bewusstmachen, dass sie Daten „ernten“. Diese digitalen Daten hätten bereits jetzt einen viel höheren Anteil an der landwirtschaftlichen Wertschöpfung als sich die Landwirte vorstellen können.

Wessling empfahl der Landwirtschaft, sich mit dem Modell einer Datenvermarktungsgenossenschaft auseinander zu setzen. Der britische Bauernverband sei schon dabei, Daten digital zu organisieren und zu bündeln.

Flexibler auf Veränderungen reagieren

Laut Wessling werden sich Landwirte mit Blick auf den digitalen Wandel verändern müssen. „Sie müssen lernen, flexibler zu agieren“, erklärte der Volkswirt. Die Rhythmen der Veränderung würden immer schneller. Landwirte werden sich in Zukunft mit Dingen auseinandersetzen müssen, die sie heute noch nicht kennen, so der Professor.

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