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Weltgrößter Fleischkonzern JBS produziert nach Hackerangriff wieder

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am Mittwoch, 02.06.2021 - 13:19 (Jetzt kommentieren)

Nach einem vorübergehenden Produktionsstopp durch einen Cyberangriff will der weltgrößte Fleischkonzern JBS seine Schlachtbänder in Nordamerika und Australien heute (2.6.) wieder hochfahren. Der Vorfall zeigt die Verletzlichkeit der Lebensmittelkette.

Laut Medienberichten hat der Hackerangriff vom Wochenende unter anderem die Fleischversorgung in den USA schwer getroffen. Dort entfällt auf Unternehmen der JBS-Gruppe rund ein Viertel der Rindfleisch- und ein Fünftel der Schweinefleisch-Produktion. Heute soll der Großteil der Kapazitäten nach Angaben des Unternehmens aber wieder arbeiten.

«Unsere Systeme gehen wieder online», versicherte der Chef des US-Geschäfts, Andre Nogueira. Die Anlagen in Mexiko und Großbritannien seien von dem Cyberangriff nicht betroffen gewesen.

Fleischkonzern wird vom FBI unterstützt

Cyberkriminelle

Wegen des Hacker-Angriffs mussten fünf der größten Fleischfabriken in den USA vorerst stillgelegt werden, wie US-Medien unter Berufung auf Gewerkschaften und Mitarbeiter berichteten. Vom brasilianischen Konzern selbst gibt es nur wenige Angaben zu dem Cyberangriff. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte, JBS habe die US-Regierung über eine Attacke mit Erpressungssoftware informiert. Als Urheber werde eine kriminelle Gruppe aus Russland vermutet.

JBS-Chef Nogueira bedankte sich ausdrücklich bei den Regierungen der USA, Australiens und Kanadas für deren starke Unterstützung, einschließlich des FBI.

IT-Sicherheitsxperte: Das Schlimmste liegt noch vor uns

Auch in Deutschland häufen sich die Cyberstraftaten. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden voriges Jahr 108.474 Cybercrime-Fälle erfasst, fast ein Drittel mehr als noch vor fünf Jahren. Die Täter seien global vernetzt und agierten zunehmend professioneller, so das BKA.

Mikko Hyppönen von der IT-Sicherheitsfirma F-Secure führt die steigende Zahl von Attacken unter anderem darauf zurück, dass die Angriffsfläche mit dem digitalen Wandel in allen Branchen immer größer werde. «Wir bringen alles online.» Es werde noch dauern, bis diese allgemeine Bewegung ins Netz angemessen abgesichert werde: «Ich denke nicht, dass wir das Schlimmste schon erlebt haben.»

Einzelhändler tegut will mit Erpressern nicht verhandeln

tegut Lebensmittel

Aktuell wird die hessische Lebensmitteleinzelhandels-Gruppe tegut von Hackern erpresst. Sämtliche IT-Netzwerksysteme der tegut-Zentrale mussten Ende April vom Netz genommen werden. Leere Regale in den Supermärkten waren zeitweise die Folge. Tegut will auf die Lösegeldforderungen aber nicht eingehen. Geschäftsführer Thomas Gutberlet sagt: „Wir leisten kriminellen Machenschaften keinen Vorschub und lassen uns auf keine Verhandlungen mit Kriminellen ein.“

Gestohlene Unternehmens- und Kundendaten wurden von den Erpressern darum inzwischen im Darknet verbreitet, um das Unternehmen noch stärker unter Druck zu setzen.

JBS-Attacke löst Spannungen zwischen Moskau und Washington aus

Die Attacke auf den Fleischriesen JBS sorgt indessen sogar für Spannungen zwischen Washington und Moskau auf höchster Ebene. Die US-Regierung habe Russland klargemacht, dass ein verantwortungsvoller Staat Urheber solcher Attacken nicht beherberge, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses.

Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow bestätigte zunächst nur, dass es ein Gespräch zwischen dem US-Außenministerium und der russischen Botschaft in Washington gegeben habe.

Mit Material von dpa, JBS
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