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Corona-Ausbruch in Lohne

Bei Wiesenhof noch keine Warteschlange für Geflügel

Schlachtkörper in Geflügelfleischproduktion
am Montag, 20.07.2020 - 12:26 (Jetzt kommentieren)

Trotz 66 positiv getesteter Mitarbeiter des Geflügelschlachthofs im niedersächsischen Lohne müssen die Oldenburger Geflügelspezialitäten (OGS) den Schlachtbetrieb nicht einstellen.

Da im Schlachthof kein bestimmter Infektionsherd festgestellt werden könne, bestehe für eine Schließung kein Anlass, teilte der Landkreis Vechta am Samstagabend mit.

Einige Mitarbeiter hätten sich im Kartonage-Lager des Betriebs mit dem Virus ansteckt. Dort hätten die Beschäftigten ihre Pause verbracht und dabei den Mindestabstand vermutlich nicht eingehalten, sagte Landrat Herbert Winkel (CDU) am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Der Schlachthof verfüge über ein gutes Hygienekonzept, die meisten Mitarbeiter hätten sich wahrscheinlich in ihrer Freizeit mit dem Virus infiziert. Dass der Betrieb vorübergehend nicht geschlossen werden müsse, sei das Ergebnis einer „Ermessensfrage“, so Winkel.

Wie viele Mitarbeiter wurden im Schlachthof auf Corona getestet?

Die 66 Infizierten habe man unter 1046 getesteten Beschäftigten festgestellt. Neben den Betroffen befänden sich auch 70 direkte Angehörige in Quarantäne, so Winkel. Darüber hinaus sollten ab heute weitere Kontaktpersonen ausfindig gemacht werden.

Winkel informierte, dass es sich bei 48 der 66 Infizierten um Werkarbeiter handele. Weitere zwölf Betroffene seien direkt beim Schlachthof beschäftigt, fünf Mitarbeiter stammten aus Arbeitnehmerüberlassung, ein Mitarbeiter sei bei einer externen Reinigungsfirma tätig. Nach Angaben der OGS seien die Infizierten nicht im Schlacht- und Zerlegebetrieb tätig.

Die meisten Infizierten hätten laut OGS ihren Wohnsitz in den Landkreisen Vechta und Diepholz. Zwei Mitarbeiter seien im Landkreis Osnabrück und jeweils ein Beschäftigter im Landkreis Cloppenburg und in der Stadt Delmenhorst wohnhaft.

Welche weiteren Maßnahmen sollen die Stilllegung im Betrieb aufhalten?

Die OGS kündigte an, die Mitarbeiter des Hähnchenschlachthofs häufiger auf Corona-Infektionen testen zu wollen. Zusätzlich solle der Standort komplett desinfiziert und das Aufsichtspersonal verstärkt werden. Das Konzept sehe außerdem vor, die Arbeitsschichten strikter voneinander zu trennen und zusätzliche Pausenräume zu errichten. Schutzkleidung und Desinfektionsmittel sollten breitgestellt werden.

Bevor Rückkehrer aus Risikogebieten wieder an ihren Arbeitsplatz dürften, müssten sie zunächst 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden und anschließend einen negativen Corona-Test vorweisen.

Neben den 66 infizierten Beschäftigten sollten auch 95 weitere Mitarbeiter des Schlachthofs eine Quarantänefrist abwarten, bevor sie ihre Tätigkeit wieder aufnehmen könnten, informierte die OGS.

Kritische Grenze für Einschränkungen noch nicht erreicht

Treten in einer Woche mehr als 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf, muss nach der bundesweiten Regelung das öffentliche Leben eingeschränkt werden. Im Landkreis Vechta habe die Sieben-Tage-Inzidenz nach dem Corona-Ausbruch bei 41,13 gelegen.

Landrat Winkel wies darauf hin, dass die Beschäftigten des Geflügelschlachthofs sich im privaten Bereich angesteckt hätten. Bei Familienmitgliedern und Personen aus dem näheren Umfeld sei das Virus noch nicht nachgewiesen worden, sie sollen nun alle zwei Tage getestet werden.

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