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Rübenkampagne 2020/21

WVZ: Ungleicher Wettbewerb verringert den Rübenanbau in Deutschland

Zuckerrübenfeld in Schleswig-Holstein
am Mittwoch, 31.03.2021 - 11:37 (Jetzt kommentieren)

In der Kampagne 2020/21 ist die Fläche für den Rübenanbau im Vergleich zur Vorjahreskampagne um über 21.500 Hektar gesunken. Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker (WVZ) fordert ein Ende der Wettbewerbsnachteile für die Rübenanbauer in Deutschland.

Mit einer Anbaufläche von 350.743 Hektar in der Kampagne 2020/21 sank diese gegenüber 2019/20 um 5,8 Prozent.

Wegen des gesteigerten Ertrags von 72,5 Tonnen je Hektar (2019/20) auf 79,3 Tonnen je Hektar in der zurückliegenden Kampagne fielen die Rückgänge bei der verarbeiteten Rübenmenge und der Zuckererzeugung nicht ganz so deutlich aus: Die verarbeitete Rübenmenge schrumpfte um 4,7 Prozent auf etwa 25.700.000 Tonnen. Um 3,1 Prozent und damit auf etwa 4.100.000 Tonnen ging die Zuckererzeugung zurück.

Rückgang der Rübenanbauer am deutlichsten

Grafik der WVZ zur Entwicklung der Anzahl an Rübernanbauern in Deutschland

Besonders deutlich hat nach Angaben der WVZ die Anzahl der Rübenanbauer in Deutschland abgenommen – nämlich um 8,5 Prozent. Damit hat sich der Trend weiter verschärft. Die Statistik der WVZ geht noch von rund 23.600 Landwirten aus, die Zuckerrüben anbauen. Noch vor vier Jahren waren es etwa 28.500 Rübenanbauer.

Die Entwicklung zeige die angespannte Situation in der Branche. Für die rückläufigen Zahlen sei der ungleiche Wettbewerb – vor allem innerhalb der EU – verantwortlich, so der Dachverband der Zuckerwirtschaft.

Mit den Zahlen sinken außerdem die Biodiversität auf dem Acker und die mit der Zuckerrübe verbundenen Umweltleistungen. Günther Tissen, Hauptgeschäftsführer der WVZ, fordert deshalb von der Politik, die aktuellen GAP-Verhandlungen für einen Ausgleich der Wettbewerbsnachteile zu nutzen und die Umweltleistungen zu berücksichtigen.

Tissen: Rübenanbauer in Deutschland schauen in die Röhre

Der WVZ-Geschäftsführer weist darauf hin, dass es in vielen EU-Staaten gekoppelte Zahlungen gebe, mit denen sich beispielsweise Polen oder die Slowakei einen nationalen Vorteil verschafften. Dort führten die gekoppelten Zahlungen zu einer Ausweitung des Rübenanbaus. „Rübenanbauer in Deutschland dürfen nicht länger in die Röhre schauen, sie brauchen eine verlässliche Perspektive“, so Tissen.

Als Ausgleich für die Prämienzahlungen in anderen Ländern kommen für Tissen entweder gekoppelte Zahlungen oder die Öko-Regelungen infrage. Dadurch würden der regionale Anbau gesichert, Zuckerimporte vermieden und die Zuckerrübe als wertvoller Bestandteil der Fruchtfolge erhalten.

Im September 2020 hatte Tissen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner gefordert, sich für die Abschaffung der gekoppelten Zahlungen in elf EU-Mitgliedstaaten einzusetzen. Deutschland habe die Kopplung 2013 abgeschafft, weil die Voraussetzungen dafür nicht mehr vorlägen. In Brüssel zeichnet sich allerdings ab, dass mit der nächsten Agrarreform die gekoppelten Beihilfen in der EU eher mehr als weniger werden. In Deutschland liegt der Vorschlag einer gekoppelten Weidetierprämie auf dem Tisch.

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