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Fleisch aus der Retorte

Zelluläre Landwirtschaft: Vom Schweinehalter zum Laborfleisch-Züchter?

Burger aus Kulturfleisch
am Montag, 10.10.2022 - 14:06 (Jetzt kommentieren)

Der Wursthersteller Rügenwalder Mühle unterstützt ein Pilotprojekt zur Produktion von Kulturfleisch auf Bauernhöfen. Ist das die Zukunft der Landwirtschaft?

Rügenwalder Mühle und RespectFarms

Das Unternehmen Rügenwalder Mühle sponsert den deutschen Teil eines deutsch-niederländischen Forschungsprojekts zur Produktion von Fleisch aus Zellkulturen. Das Besondere daran ist, dass am Ende nicht ein Verfahren für die industrielle Produktion von Laborfleisch entwickelt werden soll. Das Ziel der Machbarkeitsstudie ist vielmehr eine Pilotfarm, der weltweite erste „Kulturfleisch-Bauernhof“.

Funktioniert das Verfahren, soll das Konzept an landwirtschaftliche Betriebe weitergegeben werden, um konventionellen Tiermästern eine Perspektive in der „zellulären Landwirtschaft“ zu eröffnen.

Grundlegende Untersuchungen zur zellulären Landwirtschaft aus den Niederlanden

Das Forschungsvorhaben wird von der niederländischen Stiftung RespectFarms betrieben. Der Wursthersteller Rügenwalder Mühle, der 2014 in die Produktion von vegetarischen oder veganen Alternativen eingestiegen ist, unterstützt das Projekt finanziell.

Nach Angaben der beiden Partner geht die Idee zur dezentralen Produktion von Fleisch in Zellkulturen auf Bauernhöfen auf eine Untersuchung im Bereich zellulärer Landwirtschaft zurück, die von der niederländischen Regierung finanziert wurde. Die Ergebnisse dieser Studie sollen nun weiter validiert und auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Ein Beitrag zum Klimaschutz

Patrick Bühr, Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Rügenwalder Mühle, sagt: „Wir glauben an nachhaltiges Fleisch aus zellulärer Landwirtschaft und unterstützen daher RespectFarms.“ Er sei überzeugt, dass Fleisch aus Zellkulturen nicht nur erstklassig schmecken, sondern auch aktiv zur Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz beitragen werde. Durch den dezentralen Ansatz könne eine Produktion gemeinsam mit der Landwirtschaft entstehen und nicht gegen sie.

Ira van Eelen, Mit-Gründerin von RespectFarms, betonte, Landwirtschaftsbetriebe würden eine wichtige Rolle bei der Ausweitung der Produktion spielen.

Der Startschuss für das Entwicklungsvorhaben soll noch in diesem Jahr fallen. Dazu sucht RespectFarms weitere Sponsoren. Wenn die Machbarkeitsstudien positiv verlaufen, soll eine Pilotfarm aufgebaut werden.

Aus Sicht von Prof. Peter Breunig, Agrarökonom an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, ist die Verwertung der Stoffwechselprodukte der Zellkulturen, die „Zell-Gülle“, von zentraler Bedeutung für die Realisierbarkeit einer dezentralen Produktion von zellulärem Fleisch auf Bauernhöfen. Breunig untersucht derzeit die Flächeneffizienz von In-Vitro-Fleisch.

Auf Twitter wies der Wissenschaftler zudem darauf hin, dass Zellkulturen hochreine Nährstoffe benötigten wie Hydrolysate und Glucose. Diese Stoffe würden bereits jetzt in großindustriellen Anlagen erzeugt. Eine Produktion auf landwirtschaftlichen Betrieben scheine wenig wirtschaftlich.

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