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Landwirtschaft und Gesellschaft

Eine Zukunft ohne Landwirte – MV sperrt Bauern aus

Junge Landwirtin.
am Freitag, 09.10.2020 - 13:30 (1 Kommentar)

Im neu gegründeten Zukunftsrat des Landes Mecklenburg-Vorpommern sitzt kein einziger Landwirt – und auch niemand sonst aus der Lebensmittelbranche.

Landwirte.

Und dass, obwohl die Agrarbranche im Nordosten – neben dem Tourismus – zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehört. Kein Wunder, dass die Bauern im vorigen Jahr für mehr Wertschätzung in der Gesellschaft auf die Straße gegangen sind. Diese Entscheidung der Landesregierung MV sieht jedenfalls nicht so aus, als ob man das Anliegen der Landwirte verstanden hätte.

Der Bauerpräsident aus dem Nordosten, Detlef Kurreck, sagte mit Blick auf die Besetzung des Zukunftsrates: „Er könne sich eine Zukunft ohne Landwirte nicht vorstellen. Dass keine Vertreter der Agrarbranche dabei sind, sei ganz klar ein Fehler“. Warum kein Branchenvertreter in dem Gremium sitze, könne er sich nicht erklären, sagt Kurreck. „Die Landwirtschaft gehört da rein“.

Die Landwirte hätten einen Anspruch auf die Zukunftsgestaltung, betont der Bauernpräsident. Bei den Themen Umwelt und Natur, Ernährung, Artenvielfalt und Rohstoffsicherung sei die Landwirtschaft gefragt – das alles gehe nur mit ihr.

Kurreck sagte jedoch fast resigniert, die Landwirte seien es schon gewohnt, dass man über sie rede, und nicht mit ihnen, berichtet der NDR.

Kein Landwirt – dafür Fridays for Future

Landwirt auf dem feld.

Anlass der Kontroverse ist der von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) Ende September ins Leben gerufenen Zukunftsrat Mecklenburg-Vorpommern. Das Gremium besteht aus 49 Experten, Ehrenamtlichen und Unternehmern. Ihm gehört aber kein Vertreter der Landwirtschaft oder der Lebensmittelbranche an.

Ein Regierungssprecher sagte auf Anfrage des NDR, man habe im Zukunftsrat bewusst auf Einzelpersönlichkeiten gesetzt und auf Verbandsvertreter verzichtet. So seien auch Gewerkschaften oder Handelskammern nicht vertreten. Mit Verbänden sei die Landesregierung ohnehin in einem festen Austausch. Allerdings sei geplant, die Verbände zu einem Treffen des Zukunftsrates dazuzuladen.

Fakt ist aber: Der Zukunftsrat soll die Landesregierung bei allen wichtigen gesellschaftlichen Fragen beraten. Bis zum Frühjahr 2021 sind neun Sitzungen geplant. Vier Arbeitsgruppen zu den Themen Wirtschaft, Soziales, Ökologie und Digitalisierung werden gebildet.

Den Vorsitz haben der Direktor des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts, Henning Vöpel, und Franziska Tanneberger vom Institut für Botanik und Landschaftsökologie an der Universität Greifswald.

Dem Gremium gehört unter anderem auch Theresa Crone vom Bündnis "Fridays For Future" an, berichte der NDR.

Wirklich vollkommener Unsinn?

Landwirt.

Neben dem Tourismus ist die Landwirtschaft einer der wichtigen Wirtschaftsbereiche in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings ist die Landwirtschaft nicht die einzige prominente Branche, die nicht im Zukunftsrat vertreten ist. Mit der Ausnahme einer kleinen Öko-Mosterei fehlt nach Informationen des Nordkurier die gesamte Lebensmittelproduktion, die ebenfalls zu den führenden Wirtschaftszweigen in MV zählt.

Doch wenn die Landesregierung MV in die Zukunft blickt, scheinen die Bauern und die Lebensmittelwirtschaft keine Rolle zu spielen. Anstelle eines Landwirts sitzt der umstrittene Diplompsychologe und Hobby-Biobauer Jörg „Bauer Korl” Klingohr mit im Gremium, berichtet der Nordkurier. „Bauer Korl”, zeichnet nach Einschätzung des Bauernverbandes mit überkommenen Klischees und Stereotypen ein seltsam rückwärtsgewandtes Bild der Landwirtschaft, soll jedoch in dem Gremium als „Einzelpersönlichkeit” wohl auch über Landwirtschaft mitreden.

Aus der Staatskanzlei MV hieß es zur Kritik der Bauern: "Wenn der Bauernverband mit seiner Kritik suggerieren wolle, dass die Zukunft des Landes ohne die Landwirtschaft geplant würde, dann sei das „nun wirklich vollkommener Unsinn”.

Bauernpräsident Kurreck und die meisten Landwirte im Nordosten haben das jedoch anders verstanden. Kurreck sagt, dass es fachliche Expertise von Landwirten nicht nur innerhalb des Bauernverbandes gegeben hätte. „Hätte man eine kluge Stimme aus dem Berufsstand der Landwirte gesucht, hätte man sie auch gefunden. Zum Beispiel auch innerhalb der Bewegung „Land schafft Verbindung”, in Zuchtorganisationen oder einfach in einem der vielen Landwirtschaftsbetriebe unseres Landes”, betont Kurreck.

Mit Material von NDR und Nordkurier

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