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Entwicklungen auf dem Schweinemarkt

Zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit: Wohin steuert Tönnies?

Tönnies-Hauptstandort in Rheda-Wiedenbrück aus Vogelperspektive
am Montag, 08.11.2021 - 15:12 (Jetzt kommentieren)

2023 will Tönnies einen neuen Schlachthof in der spanischen Provinz Aragon in Betrieb nehmen. Andererseits will das Unternehmen die Nachhaltigkeit verbessern, indem für deutsche Schweinehalter die Kriterien strenger werden.

Nachdem im letzten Jahr Tönnies‘ Pläne über den Bau eines neuen Schlachthofs im spanischen Calamocha bekannt wurden, berichtete die Fachzeitschrift Schweinezucht und Schweinemast zuletzt über die erfolgte Umweltgenehmigung. 2023 soll es mit der Schweinefleischproduktion in Spanien losgehen. Neben Dänemark, Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich kommt dann ein weiteres Land in der weltweiten Produktion hinzu.

19 Standorte in Deutschland stehen dann zehn internationalen Standorten gegenüber. Für die deutschen Schweinehalter gilt bald Tönnies‘ Vorgabe, auf Soja aus Regenwaldgebieten zu verzichten. Damit soll die T30-Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens weiter umgesetzt werden.

Schweinehalter haben ein Jahr Zeit für Umstellung

Neben seiner Unternehmensstrategie Agenda T30 will Tönnies außerdem das Fütterungskonzept Toniso weiter verfolgen. Das „tieroptimierte, nitrat- und sojareduzierte“ Konzept stammt von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und habe den Sojaeinsatz in der Fütterung laut Tönnies in den letzten vier Jahren um 25 Prozent reduziert.

Um in naher Zukunft – „ab Ende 2022“ – nur noch nachhaltiges Soja und mehr heimische Eiweißpflanzen zu verwenden, arbeite das Schlachtunternehmen gemeinsam mit der Futtermittelindustrie an alternativen Lösungen. „Der komplette Verzicht auf Soja aus Regenwaldgebieten und wertvollen Savannen Südamerikas ist unser Beitrag zur Rettung der wichtigen, ökologischen Ressourcen für die Welt und das Klima“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Clemens Tönnies.

Der Leiter der Landwirtschaftsabteilung, Dr. Wilhelm Jaeger, hält die Umstellung auf nachhaltige Eiweißfuttermittel für möglich und zwingend. Gespräche mit der Futtermittelwirtschaft hätten gezeigt, dass das Ziel „regenwaldfreies Soja“ erreicht werden könne. Für den Landwirt entstehende Mehrkosten sollen laut Tönnies über den Verkauf der Produkte wieder ausgeglichen werden. Dass die landwirtschaftlichen Erzeuger bei diesem Schritt mitgenommen werden, sei für Clemens Tönnies entscheidend.

Auch Schlachthofmitarbeiter sollen besser bezahlt werden

Wie das Handelsblatt berichtet, habe Tönnies darüber hinaus in einem Spiegel-Interview für Schlachthofmitarbeiter einen Mindestlohn von zwölf Euro befürwortet. Beim Umgang mit den Werkvertragsarbeiten in den Schlachtbetrieben habe es Fehler gegeben, weil die Subunternehmer nicht ausreichend kontrolliert worden seien. Die Übernahme in eine Festanstellung sei mittlerweile an den deutschen Standorten weitgehend erfolgt.

Noch ungewiss ist, was nach der Inbetriebnahme des Schlachthofs in Calamocha auf die dortigen Schlachthofmitarbeiter, aber auch auf die deutschen und spanischen Landwirte zukommen wird. Ungefähr 1.000 Mitarbeiter sollen am neuen Standort arbeiten. Weiter berichtete das Magazin Schweinezucht und Schweinemast von einer täglichen Schlachtkapazität von 10.000 Schweinen. 75 Mio. Euro will Tönnies in den neuen Schlachthof investieren.

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