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Schleswig Holstein

Bauernverband contra Minister: Das steht im offenen Brief

Robert Habeck
Krenn
am
07.01.2016

Der Bauernverband Schleswig-Holstein hat einen ironischen Brief an Agrarminister Robert Habecks Politik verfasst. Darin versichert der Verband 100 Prozent Bio und 100 Prozent Tierwohl - unter einer Bedingung.

Robert Habeck

Die Haltung des Agrarministers Robert Habeck (Grüne) stößt einigen Bauern in Schleswig-Holstein sauer auf. Erst kürzlich äußerte Habeck erneut Kritik an dem Fördersystem der EU-Agrarwirtschaft. Er fordert eine Mengenbegrenzung statt Liquiditätshilfen und eine grundlegende Reform der EU-Förderung. Jetzt hat der Bauernverband Schleswig-Holstein auf seiner Facebook-Seite einen offenen Brief mit ironischem Ton an den unliebsamen Agrarpolitiker gepostet.

Der Vorschlag:

In dem Brief macht der Bauernverband dem Minister einen nicht ganz ernst gemeinten Vorschlag. Dieser soll jedoch vor Augen führen, welche Leistungen die Bauern für die Gesellschaft erbringen.

Der Vorschlag lautet: "Wir Bauern garantieren ab morgen:
- 100 % Biolandwirtschaft,
- 100 % Tierwohl,
- 100 % Artenvielfalt in Schleswig-Holstein!"

Die Bedingung:

Die Bedingung: "Sie stellen alle Landwirte ein - gerne zum Landesmindestlohn, wenn Ihnen unsere Arbeit nicht mehr wert ist. Das heißt 9,18 Euro die Stunde. Es heißt aber auch: 38,5 Stunden-Woche. Wochenendarbeit wird mit einem Aufschlag vergütet. Erntebedingte Überstunden werden, wie bei Behörden üblich, abgefeiert. 30 Tage Urlaub sind selbstverständlich."

Tierhaltung in Landeshand

"Wir verlangen natürlich eine faire Pacht für Fläche und Gebäude. Ob neue Ställe gebaut werden, entscheiden allein Sie. Ebenso, wie tierfreundlich diese aussehen. Solche Tierwohl-Ställe können Sie dann nicht nur fördern, sondern gleich komplett finanzieren. Sie entscheiden natürlich auch, ob wir ganz ohne Tierhaltung wirtschaften. Oder ob wir überhaupt noch wirtschaften und nicht gleich auf die Pflege der Landschaft setzen. Das sorgt sicherlich für weniger Kritik. Wobei uns dies egal wäre, denn in der Kritik stünden ja Sie."

Planwirtschaft macht's möglich

  • Die Düngung fahren wir gerne auf ein Hunger-Niveau herunter, wie in Dänemark. Brotweizen kann man ja auch von außerhalb Schleswig-Holsteins zukaufen.
  • Pflanzenschutz: Auch wenn es in Lebensmitteln nachweislich keine Rückstände gibt, sollte der Pflanzenschutz nicht nur mit einer Abgabe belegt werden, wie Sie es fordern. Er sollte völlig unterbleiben, ganz im Sinne einer gesellschaftlich akzeptablen Nulltolleranz-Politik.
  • Antibiotika: Hier können Sie eine sofortige Verbannung aus Ihren Ställen anordnen. Keine Diskussion mehr mit störrischen Bauern. Sie müssen uns nicht mehr mit Ordnungsrecht drohen. Der Dienstherr ordnet an und wir setzen um. Das Abwägen zwischen dem Leid kranker Tiere und der von Ihnen geschürten Angst in der Bevölkerung? Ihr Problem, Herr Minister.
  • Dauergrünland: Das erhalten wir gerne für sie, es macht auch weniger Arbeit. Und wenn es noch etwas mehr Grünland sein darf - immer gerne!
  • Strommasten für 380 KV-Leitungen sollen im Acker stehen und nicht auf dem Knick? Super Idee! Warum den Acker schützen, wenn wir doch von der Natur leben, wie Sie sagen?
  • Die Flächen für die Umsetzung des Biotopverbundsystems auf 15 % der Fläche haben Sie in Zukunft selber. Es können auch gerne 20 % werden, wir sind da Ihre besten Freunde!
  • Jakobskreuzkraut: Für uns kein Problem! Sieht doch schön gelb aus und ersetzt in der Landschaft den Raps, den wir ohne Pflanzenschutzmittel nicht mehr anbauen werden.
  • Wasserrahmenrichtlinie: Wir schlagen Ihnen 30 Meter Randstreifen an allen Gewässern vor! Das macht weniger Arbeit und wäre politisch sicherlich ein Riesen-Erfolg für unseren neuen Arbeitgeber!

"Noch ein Tipp. Wenn Sie sich nicht so sicher sind, ob das Experiment gelingen kann, dann hilft ein Blick in die Geschichtsbücher: Denn wir hatten in Deutschland bereits derartige Feldversuche - in der DDR ; oder die Allmende von früher kommt wieder in Mode. Auch dort können Sie viel lernen. Der Erfolg beider Systeme ist ja offenbar", heißt es abschließend im Brief.

Die schönsten Bauernhöfe Deutschlands 2015

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