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2G-Regel im Pferdestall - und die Rechnung zahlen die Stallbesitzer

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am Freitag, 10.12.2021 - 10:13 (3 Kommentare)

Angesichts von Rekord-Inzidenzen setzen immer mehr Bundesländer auf die 2G-Regelung oder sogar auf 2G+. Das gilt auch für Sportstätten - und trifft damit auch Reitstallbesitzer und Landwirte mit Pensionspferdehaltung. Die müssen ausbaden, dass sich in den Ministerien kaum einer mit Reitsport und Tierhaltung auskennt.

Ein Rechteck, 20 × 40 m. Ringsherum Felder und Äcker. Sandig, ein bisschen schlammig, nach allen vier Seiten mit ein paar Zaunpfählen und Stromzaun abgegrenzt. Und derzeit einer der Orte mit den härtesten Infektionsschutzmaßnahmen in ganz Deutschland. Nämlich: ein Reitplatz. Dabei gehören Reitplätze, wie aktive Reiter sicherlich bestätigen können, zu den bestbelüfteten Sportstätten überhaupt. Gleiches gilt für Reitställe. Dort ist gute Belüftung nämlich das A und O. Nicht nur zum Schutz vor Coronaviren, sondern vor allem, um die empfindlichen Atemwege sündhaft teurer Pferde zu schützen vor Ammoniak, Staub oder Schimmel. Jeder, der im Winter schon mal einen Reitstall betreten hat, weiß: Dort ist es so gut belüftet, dass man es ohne Thermostiefel und dicke Mütze nicht lange aushält.

Infektionsschutzverordnungen: ein einziges Chaos

Als zu Beginn der Adventszeit zunächst in Bayern, später auch in weiteren Bundesländern, für Reitställe die 2G+-Regel verkündet wurde, herrschte in Deutschlands Reitställen großes Entsetzen. Und zu Recht – sie wurden nämlich unter dieselben Beschränkungen gestellt wie Fitnessstudios oder Zumba-Kurse. Und zwar ohne jegliche Rücksicht auf Halter, Pferde und vor allem die Stallbesitzer. Denn die waren die Leidtragenden.

Während sich die Regeln teils täglich, teils stündlich ändern, war es an ihnen, den Reitstallbesitzern und Pensionspferdehaltern, den Pferdebesitzern zu erklären, ob und unter welchen Bedingungen diese den Stall betreten durften. Sie mussten Impfnachweise kontrollieren, Teststrategien entwickeln, Betretungspläne entwickeln und sich vor allem um die Tiere kümmern, deren Besitzer aufgrund der sehr spontan eingeführten Regelung den Stall nicht mehr betreten durften. Denn Pferde, die nicht regelmäßig bewegt werden, werden zum Problem. Für sich selber, für die Stalleinrichtung und für denjenigen, der sie füttern und versorgen muss. Ebenso werden Pferdebesitzer, die nicht zu ihren Tieren dürfen, zum Problem. Und jeder Landwirt, der eine Pensionspferdehaltung auch nur in Erwägung gezogen hat, weiß nur zu gut, wie ermüdend es ist, mit Pferdebesitzern zu diskutieren. Die meisten Stallbesitzer hatten also nicht nur deutlich mehr und gefährlichere Arbeit, sondern auch zunehmend Ärger mit ihren Kunden.

Erleichterung ist keine

Wenige Tage später wurde für das Innere von Reitställen die 2G-Regel anstelle von 2G+ beschlossen. Eine Erleichterung, wie es scheint. Wären da nicht die zahlreichen Ausnahmen gewesen für Jugendliche, besonderen Betreuungsbedarf etc. Also wieder mehr zu regeln, mehr zu diskutieren für die Betreiber. Mehr Stress, mehr Ärger.

Sicher ist es sinnvoll, in Zeiten von täglich neuen Inzidenz-Rekorden die Kontakte auch im Reitstall zu reduzieren. Dass es nicht die Zeit für bierselige Weihnachtsfeiern im beheizten Reiterstüberl ist, sollte inzwischen jedem klar sein. Dennoch ist es von den Landesregierungen unverantwortlich, mit Schnellschussverordnungen Regeln aufzustellen für Dinge, von denen sie keine Ahnung haben. Ein Reitstall ist keine Muckibude, sondern ein tierhaltender Betrieb mit Pflichten gegenüber den zu versorgenden Lebewesen. Ein bisschen mehr nachdenken, bevor man Verordnungen durchpeitscht, wäre begrüßenswert. Doch davon können die Landwirte ja auch an anderer Stelle ein Lied singen…

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