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Produktionskosten und Betriebsmittel

Agrarkosten auf Rekordhoch: Betriebsmittel teuer wie noch nie

Landwirt repariert eine landwirtschaftliche Maschine
am Dienstag, 16.03.2021 - 10:29 (1 Kommentar)

Die Preise für Betriebsmittel sind im Januar auf ein Allzeithoch gestiegen. Das heißt: So teuer war die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland noch nie zuvor.

Verlauf der Betriebsmittelpreise in der Landwirtschaft mit Preisanstieg seit 2015

Die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion sind auf einem Höchststand, das zeigen die Daten des Statischen Bundeamtes (Destatis) über die Entwicklung der Betriebsmittelpreise in der Landwirtschaft bis Januar 2021. Die bisherigen Höchststände bei den Kosten – aus den Jahren 2018 und 2013 – werden deutlich übertroffen.

Und das Schlimme daran ist: Die Kostenexplosion im Agrarsektor hat noch nicht ihren Höhepunkt erreicht! Denn schaut man auf die schlimmsten Kostentreiber im Januar 2021 – Energie, Treibstoffe, Strom, Futtermittel – aber auch auf Bauten und Maschinen, so haben sich diese im Februar und März 2021 weiter enorm verteuert.

Hinzu kommen im Februar und im März 2021 auch noch die gewaltige Preisexplosion bei Mineraldüngern. Diesen Kostentreiber hat Destatis im Januar seltsamerweise noch nicht auf dem Zettel. Ob diese gewaltige Kostenexplosion für Landwirte allein durch die höheren Getreidepreise aufgefangen werden kann, ist mehr als fraglich.

Zum einen hatten die Bauern zu den hohen Preisen gar nicht mehr so viel Ware zu verkaufen. Zum anderen sind die Preise für einige wichtige tierischen Erzeugnisse – wie etwa Schweine und Milch -  seit Monaten auf Tauchstation und reißen tiefe Löcher in die Kasse.

Betriebsmittelpreise: sehr hohe Energiekosten und neue CO2-Steuer

Verlauf der Energiepreise in der Landwirtschaft von 2015 bis 2021 mit deutlichem Anstieg im Januar 2021

Der von Destatis ermittelte Index für die landwirtschaftlichen Betriebsmittelpreise ist im Januar 2021 – im Vergleich zur vorigen Preisfeststellung im Oktober 2020 – nochmals um gut 3 Prozent auf den neuen Höchststand von 109 Indexpunkten gestiegen.

Die größten Kostentreiber sind dabei die Energiepreise – die allein von Oktober 2020 bis Januar 2021 um rund 10 Prozent nach oben geschossen sind – und auch danach noch weiter kräftig steigen. Dazu zählen unter anderem auch die Kosten für Heizöl sowie die explodierenden Preise für Treibstoff – mit einer Teuerung von rund 16 Prozent. Mehr Geld müssen die Landwirte, entgegen aller Versprechungen, aber auch für Strom ausgaben – wenn auch „nur“ 2 Prozent und für Schmierstoffe.

Hinter dem außergewöhnlich starken Anstieg der Energie- und Treibstoffkosten, steckt neben der neuen CO2-Steuer für deutsche Verbraucher und Landwirte, der geradezu dramatische Anstieg der globalen Rohölpreise. Diese haben sich im in der Folge der sich deutlich verbessernden globalen Konjunktur-Aussichten, bei gleichzeitiger Produktionsdrosselung durch die OPEC, seit vorigem Jahr mehr als verdoppelt.

Seltsamerweise hat Destatis für den Januar noch keine deutliche Erhöhung der Düngermittelpreise ausgewiesen. Dabei sind explodierenden Energiepreise der mit Abstand wichtigste Kostenfaktor bei der Herstellung von Mineraldüngern und am wirklichen Kassamarkt sind die Düngerpreise im Januar zwischen 13 Prozent (KAS) und 18 Prozent (DAP) höher als im Oktober!

Allerdings kann man davon ausgehen, das sich die durch die Decke gehenden Düngerpreise im Februar und März 2021 dann um so stärker negativ in der Entwicklung der betrieblichen Kosten und auch in den Daten des Statistischen Bundesamtes niederschlagen werden.

Teure Futtermittel und hohe Investitionskosten

Preise für Bauten und Maschinen in der Landwirtschaft steigen seit 2015 an

Doch nicht nur die  durch die enorm hohen Energiepreise beeinflussten Kostenarten sind  kräftig gestiegen. Verteuert haben sich auch die Einkaufpreise für Pflanzenschutzmittel und sehr deutlich auch die Einkaufspreise für Saat- und Pflanzgut. Bei diesen und bei den  ebenfalls steigenden Futterkosten spielen natürlich die sehr hohen Preise für Futtergetreide und Ölschrote eine entscheidende Rolle.

Das ist gewissermaßen die Kehrseite der Medaille der hohen Getreidepreise: Tierhalter zahlen diese hohen Preise dann natürlich als Futterkosten – leider ohne durch höhere Fleisch- oder Milchpreise etwas von dem Kostensprung kompensieren zu können. Destatis weist für Einzel-Futtermittel ebenso wie für Mischfutter – im Vergeblich zum Oktober – jedenfalls einen durchschnittlichen Anstieg der Kosten von knapp 10 Prozent aus.

Am stärksten ging es mit den Preisen für Futtergetreide und Mühlennachprodukte mit 15 Prozent nach oben, gefolgt von Ölschroten mit einem Anstieg von 11 Prozent. Auch hier sind die Preise – und damit die Kosten – jedoch im Februar noch weiter gestiegen und haben sich erst ab Mitte März etwas konsolidiert.

Doch das ist noch nicht alles: Außerdem haben sich auch die Investitionskosten weiter verteuert. Mit den steigenden Energiepreisen und den anziehenden übrigen Kosten sind unter anderem auch die Preise für landwirtschaftliche Bauten sowie für Maschinen und Fahrzeuge weiter nach oben gegangen. Nach den Daten von Destatis sind die Kosten für landwirtschaftliche Bauten allein seit 2015 um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Mehr Geld als im Oktober mussten Landwirte im Januar 2021 außerdem auch für Zugmaschinen und Fahrzeuge sowie für sonstige Maschinen und Ausrüstungsgegenstände ausgeben – auch wenn der Anstieg hier im Vergleich zur übrigen Kostenexplosion noch relativ moderat war. Stabil geblieben sind im Vergleich zum Oktober nach den Daten von Destatis einzig und allein die Veterinärkosten.

Landwirtschaft: Erlöse nur im Ackerbau gestiegen

Verlauf der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für pflanzliche und tierische Erzeugnisse

Schaut man auf die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise, dann wird deutlich, dass eigentlich nur die Getreide- und Rapspreise mit dem Anstieg auf der Kostenseite mithalten konnten. Das heißt auch: Ja die Ackerbauern haben höhere Erlöse – aber wie viel aufgrund der hohen Kosten davon übrig bleibt ist fraglich – zumal man ja um von der Preisrallye zu profitieren lange genug abwarten musste, um noch etwas Getreide im Lager haben.

Fakt ist jedenfalls: Die von Destatis im Januar 2021 erfassten Getreidepreise waren im Schnitt 15 Prozent höher als im Oktober 2020. Am wenigsten von dem Preisanstieg profitiert hat Braugerste – am meisten nach oben ging es für Futterweizen und Futtergerste.

Dagegen waren die Erlöse der Tierhalter bei steigenden Kosten im Januar sogar etwas niedriger als Oktober. Besonders weit unten waren die Schweinepreise, aber auch für Milch gab es im Januar nicht mehr Geld als im Oktober. Für Schlachtkühe und Jungbullen bekamen die Landwirte immerhin 2 bis 3 Prozent mehr als im Herbst – jedoch auch nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte.

Fast 5 Prozent höhere Preise meldet Destatis hingegen bei Eiern und auch Schaf- und Ziegenfleisch wurde besser bezahlt. Geringfügig höher als im vorigen Herbst waren auch die Preise für Obst und Gemüse. Erfreulicherweise haben sich auch die Preise für Speisekartoffeln um etwa 8 Prozent von ihren vorigen Tiefständen erholt.  

Kommentar

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