Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Betriebsführung

Agrarpolitik: Blockiert Investitionen und frustriert Bauern

Landwirte
am Montag, 03.02.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

Agrarpolitik verhindert Investitionen. Und die Ursache liegt auf der Hand: Es gibt keine stabilen Rahmenbedingungen.

Das wäre aber eigentlich Aufgabe der Politik. Bauern, die in neue Ställe oder Technik investieren wollen, fehlt einfach die Planungssicherheit und sie gehen voll ins Risiko.

Das Problem: In immer kürzeren Abständen ändern sich die staatlichen und gesellschaftlichen Anforderungen. Immer neue Auflagen kommen hinzu. Beispiele sind die immer wieder veränderte Düngeverordnung oder auch neue Auflagen beim Tierwohl.

Die sichtbare Konsequenz dieser Politik sind die massiven und in diesem Ausmaß bislang nicht gekannten Bauernproteste der letzten Monate. Das zeigt, dass die Not vieler Bauen groß ist. Und die Probleme lassen sich nicht unter den Teppich kehren.

Hohes Risiko für Fehlinvestitionen

Landwirte

Fehlende Planungssicherheit durch die Agrarpolitik ist das größte Investitionshindernis für Bauern. Das glaubt die Direktorin des Thünen-Instituts (TI) für Betriebswirtschaft, Prof. Hiltrud Nieberg. Sie sagte auf einer Veranstaltung in Berlin: „Ein junger Landwirt, der heute einen neuen Schweinestall bauen will, hat ein Risiko von 50 Prozent, eine Fehlinvestition zu tätigen.“ Für Nieberg ist die fehlende Planungssicherheit eine entscheidende Ursache für den gegenwärtigen Unmut in der Landwirtschaft. Die Wissenschaftlerin spricht sich dafür aus, in der derzeitigen Diskussion über die Zukunft der Landwirtschaft ökonomische Fragen angemessen zu berücksichtigen.

Das fordert auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Auf der Grünen Woche in Berlin sagte der Bauern-Präsident: „Die wirtschaftliche Lage in der Landwirtschaft ist schwierig.“ Die Zukunft der europäischen Agrarförderung und die Ausrichtung der Tierhaltung stimme die Branche nachdenklich. „Diese Unsicherheiten, die verunsichern auch uns“, betont Rukwied.

Bauern kämpfen an vielen Fronten

Milchkühe

Und die wachsenden Sorgen um die Zukunft haben Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Landwirte. „Wir Bauern sind Unternehmer“, sagt Rukwied. „Jeder, der etwas unternehmen will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf muss die Politik ausgerichtet werden.“

Land zu bewirtschaften werde zunehmend schwieriger. „Geplante Verbote, Auflagen und politische Unsicherheiten hemmen dringend notwendige Investitionen – auch zum Schutz des Klimas“, meint Rukwied. Eine der großen Herausforderungen für die kommenden Jahre wird sein, den Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Verlangen nach mehr Ökologie und Tierwohl einerseits und andererseits der fehlenden Bereitschaft, im Laden dafür mehr zu bezahlen, aufzulösen, stellt der Bauernpräsident fest.

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: „Landwirtschaft steht auch im internationalen Wettbewerb“, sagt die Thünen-Wissenschaftlerin Nieberg. Dies bedeute, dass sich die Preise in der Regel an der jeweils kostengünstigsten Produktionstechnik orientierten. Wolle man für die Landwirte einen anderen Weg, gehe dies nur, „wenn sie einen finanziellen Ausgleich zur Abdeckung der erhöhten Produktionskosten erhalten.“

Viele Betriebe schreiben rote Zahlen

Milchbauer

Eine ähnlich kritische Einschätzung zur agrarpolitischen Prioritätensetzung ergab eine Befragung von Landwirten bei einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Volksbanken Ende des vorigen Jahres.

Dort benannten rund 75 Prozent der mehr als 300 befragten Bauern "fehlende Planungssicherheit und unsichere politische Rahmenbedingungen" als die größten Hemmnisse für Investitionen. Auf die Stimmungslage von mehr als 70 Prozent der befragten Bauern wirkt zudem das kritische öffentliche Meinungsbild zur Landwirtschaft "besonders negativ".

Und die wirtschaftlichen Bedingungen sind hart: In Niedersachsen brach der Gewinn der Bauern - vor Steuern, Versicherungen, Altersvorsorge und Investitionen – im Wirtschaftsjahr 2018/19 um fast 30 Prozent ein. Rund 15 Prozent der Betriebe schrieben rote Zahlen.

Zwei Drittel der Höfe erreichen das Durchschnittseinkommen nicht.  "Das unternehmerische Risiko ist also abschreckend groß", so Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje. Da ist es schwer, auch noch zu investieren. Doch Investitionen sind für die Zukunftssicherung nötig.

Die Sorgen der Bauern um die Zukunft

Trecker Feld

Kammer-Präsident Gerhard Schwetje äußerte angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage Verständnis für die Reaktionen vieler Bauern auf die Agrarpolitik. "Wer Sündenbock für alles ist und dabei gleichzeitig die Daumenschrauben immer fester angezogen bekommt, muss innerlich schon sehr gefestigt und stark sein, auch weiterhin seiner Berufung als Bäuerin und Bauer nachzugehen", sagt er.

Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: "Viele meiner Berufskollegen sind auch psychisch am Ende, nicht zuletzt wegen des großen öffentlichen Drucks", sagt der niedersächsische Landwirt Dieter Wilharm-Lohmann. Und dann stimmten die wirtschaftlichen Ergebnisse nicht einmal. "Viele sehen, wie ihnen das Hab und Gut, das seit Generationen erwirtschaftet wurde, durch die Finger rinnt", beschreibt Lohmann die Lage unter den Berufskollegen.

Das sieht auch Heribert Meller aus dem Schönfelder Hochland bei Dresden so. Er bewirtschaftet 2000 ha und hat 20 Mitarbeiter. Meller sagt: „Wir machen uns Sorgen über die Zukunft der Landwirtschaft und wie wir die Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter zukünftig erhalten können. Grund sind die immer größer werdenden Anforderungen von Politik und Umweltbehörden, die leider, wie wir Bauern alle feststellen, nicht mehr fachlich begründet sind.“ Es bleibt also viel zu tun um die Landwirtschaft zukunftsfest zu machen.Vor allem für die Poltik.

Das agrarheute Magazin
Aktuelles Heft März 2020
Schnupper-Angebot Alle Aboangebote

Kommentar

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...