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Zukunftsfähige Betriebe

Sich von Agrarsubventionen unabhängig machen

hofladen-subventionen
am Mittwoch, 16.09.2020 - 16:08 (1 Kommentar)

Immer strenger werdende Vorschriften bei schwierigeren Produktionsbedingungen und neue Vorlieben der Verbraucher treiben immer mehr Landwirte in die Insolvenz. Kluge Strategien bei Finanzierungsfragen, Marktausrichtungen und Kooperationen helfen Ihnen dabei, auch künftige Herausforderungen erfolgreich zu stemmen.

Im letzten Jahr haben in der Agrar-, Forst- und Ernähungswirtschaft ein Viertel mehr Betriebe Insolvenz anmelden müssen als noch im Jahr 2018, berichtet die Unternehmensberatung Andersch FTI. Berater Peter Lammers führt dies auf unklare Konzepte bei der Unternehmensführung zurück und erläutert, wie Sie Ihr Geschäftsmodell an die Herausforderungen am besten anpassen und sich von landwirtschaftlichen Subventionen unabhängiger machen.

Liquidität klären

Schon bei der eignen Finanzplanung sieht Lammers in vielen Landwirtschaftsbetrieben Verbesserungsmöglichkeiten: Häufig wird „noch mit einfachster Buchhaltungssoftware gearbeitet“, da die Verwaltung der Finanzen als „notwendiges Übel“ angesehen wird. Dies kann zu Problemen führen, wenn Sie bei Ihrer Bank einen Kredit beantragen. Oft ist eine Buchhaltung in der Obhut eines Steuerberaters noch die beste Alternative, sagt Lammers.  

Für den Betrieb eine Software anzuschaffen, die die Geldströme vollständig und transparent abbildet, sei eine Investition, die sich auszahle. Die Software könne darüber hinaus Szenarien simulieren, die beispielsweise Wettereignisse und ihre Auswirkungen auf den Ertrag oder Ihr Vermögen berücksichtigten.  

In den Betrieb investieren – mit oder ohne Kredit

Lammers weist darauf hin, dass Investitionen nicht immer mit einer Kreditaufnahme verbunden sein müssen. Zwar setze eine Neuausrichtung zwar bestimmte Ressourcen voraus, doch es würden gleichzeitig auch andere Ressourcen frei. Daher sollten Sie prüfen, ob die Marktausrichtung „nicht dazu führen kann, die verbliebenen Teilbereiche dann in dem Maße zu finanzieren, dass gar keine Schulden notwendig sind“, so Lammers.

Der Experte betont jedoch, dass sich eine Kreditaufnahme durchaus lohnen kann, wenn Sie sich durch die Investition „von politischen Subventionen – und damit einer gewissen Willkür – unabhängig machen können“.

Nicht von Subventionspolitik beeinflussen lassen

stallneubau

Andersch FTI empfiehlt, die neuen Entwicklungen wie das veränderte Verbraucherverhalten, die neue Düngeverordnung oder technologische Fortschritte immer im Zusammenhang zum eigenen Betrieb zu betrachten. Fragen Sie sich also, ob und wie schwer Ihr Betrieb von den Veränderungen betroffen sein könnte. Bilden Sie sich ein Urteil darüber, ob die Entwicklung Ihr Geschäftsmodell eher gefährdet oder Ihr Unternehmen bereichern kann.

Stellen Sie mit Hilfe einer marktorientierten Analyse einen strategischen Geschäftsplan auf. Betrachten Sie dabei die einzelnen Geschäftsbereiche und beurteilen Sie, ob diese vielleicht ausgebaut oder aufgegeben werden sollten. Hierbei geht es auch darum, routinierte Abläufe zu hinterfragen: Wägen Sie ab, ob nicht beispielsweise der Anbau resistenter Sorten oder die Produktion für eine andere Abnehmergruppe vorteilhafter wäre.

Bei Ihren Überlegungen sollten Sie nicht die Subventionsregeln, sondern den Markt in den Mittelpunkt stellen, rät Lammers. Auch wenn die aktuellen Regelungen kaum Anreize für ein neues Geschäftsmodell geben, sollten diese Sie nicht daran hindern, Ihre Ideen umzusetzen. Damit verschaffen Sie sich die Möglichkeit, künftig Probleme selbst zu lösen, anstatt auf Hilfsangebote von der Politik zu warten. Nicht zuletzt gestalten Sie auf diese Weise den Betrieb zukunftsfähig und erhöhen damit die Chancen auf einen erfolgreichen Generationenwechsel, erinnert der FTI-Berater.

Wieder lernen, mit anderen zu kooperieren

Allianzen und Kooperationen werden nach Lammers‘ Ansicht in Land- und Forstwirtschaft noch zu selten genutzt. Dabei können Verbünde den Beteiligten große Vorteile verschaffen – zum Beispiel beim Aushandeln günstigerer Einkaufskonditionen oder bei der gemeinsamen Nutzung beziehungsweise Finanzierung von Maschinen.

Zusammenschlüsse von Betrieben helfen zudem dabei, die eigene Position gegenüber Lebensmittelverarbeitern und dem Lebensmitteleinzelhandel zu stärken. Die an der Wertschöpfungskette Beteiligten verfolgen nicht zwingend gegensätzliche Interessen. Sie sollten „nach Lösungen suchen, die gemeinsame Schnittmengen erzeugen. Auch die Land- und Forstwirtschaft wird um immer stärkere Vernetzung im 21. Jahrhundert nicht herumkommen“, sagt Lammers.

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