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Außerlandwirtschaftliche Investoren

Aldi-Stiftung steigt in Agrargenossenschaft ein

Agrarlandschaft im Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt
am Montag, 02.09.2019 - 10:59 (Jetzt kommentieren)

Eine Aldi-Familienstiftung ist in die Agrargenossenschaft Kayna eG in Sachsen-Anhalt eingestiegen. Das facht die Diskussion um die Rolle von Agrargenossenschaften beim Einstieg außerlandwirtschaftlicher Investoren in die Landwirtschaft neu an.

Drei Unternehmen wurden Ende Juni durch Beschluss der Generalversammlung als neue Mitglieder in den Agrarbetrieb Kayna aufgenommen. Diese Unternehmen sind der Boscor-Gruppe zuzurechnen.

Alleiniger Gesellschafter aller drei Unternehmen ist dem Vernehmen nach jeweils eine Familienstiftung der Familie Albrecht, auf die – sowie auf zwei andere Familienstiftungen – das Vermögen der Aldi Nord-Gruppe verteilt sein soll.

Drei der bislang fünf Mitglieder der Agrargenossenschaft sind Ende Juni aus Altersgründen aus dem Vorstand ausgeschieden, sind aber weiterhin Mitglieder der Genossenschaft. Der nunmehr zweiköpfige Vorstand wird von Vertretern der Boscor-Unternehmen gebildet.

Aktivitäten des Aldi-Konzerns auf dem landwirtschaftlichen Bodenmarkt und der landwirtschaftlichen Urproduktion waren bislang nicht bekannt.

Gespräch im Landwirtschaftsministerium angesetzt

Informationen über den Aldi-Einstieg bei Kayna wurden vom Landwirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt bestätigt. Mitte September soll es im Ministerium ein Gespräch mit den Verantwortlichen im Unternehmen geben.

„Agrargenossenschaften sind kein Bollwerk gegen Investoren“, heißt es im Ministerium. Es gebe inzwischen eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen vor allem Unternehmen mit wenigen Mitgliedern von Investoren übernommen worden seien.

DRV: Übernahme von Genossenschaften sind schwierig

Henning Ehlers, DRV-Hauptsgeschäftsführer

Hingegen vertrat der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Dr. Henning Ehlers, gegenüber dem Pressedienste Agra-Europe (AgE) die Auffassung, dass Agrargenossenschaften weitgehend gefeit seien gegen Übernahmen.

Genossenschaften würden in der Regel von einer Vielzahl an Mitgliedern getragen. Im Durchschnitt seien es rund 30, häufiger aber auch mehr als 100, so Ehlers. Eine Übernahme durch Investoren sei schwierig, weil jedes einzelne Mitglied davon überzeugt werden müsse, seine Anteile zu übertragen.

Investoren wandeln Genossenschaften meist um

Andresas Tietz

Nach Angaben von Thünen-Experte Andreas Tietz finden sich nach aktuellem Stand der Untersuchungen relativ wenige Genossenschaften im Eigentum von nicht-landwirtschaftlichen oder überregional aktiven Investoren.

Der Wissenschaftler führt dies vor allem darauf zurück, dass Genossenschaften nach der Übernahme durch einen Investor meist in eine andere Rechtsform umgewandelt würden, weil die Stellung des einzelnen Mitglieds in der Genossenschaft relativ schwach sei und ein höherer Aufwand für Dokumentation und Prüfung betrieben werden müsse.

GmbH-Anteile sind leichter zu erwerben

Tietz zufolge sind Genossenschaften eher als GmbHs in der Lage, sich gegen feindliche Übernahmen zu wehren, weil der Beitritt zu einer Genossenschaft laut Genossenschaftsgesetz nur mit Zustimmung des Vorstands möglich sei. GmbH-Anteile könnten hingegen theoretisch ohne Zustimmung der übrigen Mitglieder verkauft werden, sofern dies in der Satzung nicht anders geregelt sei.

Allerdings seien „feindliche Übernahmen" im Agarbereich äußerst selten. Der Regelfall sei stattdessen, dass Agrarunternehmen mit Wissen und Billigung der meisten Mitglieder und des Vorstands an Investoren verkauft würden. „Wenn die Mehrheit der Mitglieder sich einig ist über den Verkauf, ist die Rechtsform des Unternehmens letztlich unerheblich“, so der ausgewiesene Bodenmarktexperte.

Mit Material von AgE

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