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DBV-Konjunkturbarometer

Angespannte Liquiditätslage bei 29 Prozent der Landwirte

DBV/Anke Fritz/agrarheute
am
12.07.2016

Die Stimmung in der Landwirtschaft ist nach wie vor schlecht. Die Liquiditätslage in den Betrieben hat sich weiter verschärft. Veredlungsbetriebe sind aktuell noch am zuversichtlichsten.

Die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar zeigen für den Monat Juni 2016 erwartungsgemäß eine kaum veränderte schlechte wirtschaftliche Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft. Die Liquiditätslage in den Betrieben hat sich weiter verschärft. Damit zusammen hängt ein drastischer Rückgang der Investitionsbereitschaft.

Aktuell ist der Konjunkturindex gegenüber der vorangegangenen Erhebung aus März zwar von 3,4 auf 5,8 Punkte marginal angestiegen. Ob damit der Abwärtstrend gestoppt ist, bleibt unwahrscheinlich. Von Ende 2010 bis Mitte 2014 lag dieser Wert zwischen 30 und 35 Punkten, in der Spitze sogar bei 37 Punkten. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.
 

Liquiditätslage ist angespannt

29 Prozent der Landwirte geben an, dass die Liquiditätslage in ihren Betrieben angespannt oder sehr angespannt ist. Im März waren es noch entsprechend 21 Prozent. Unter den Futterbaubetrieben sind es aktuell sogar 40 Prozent. Das ist mehr als zum Höhepunkt der Milchkrise in 2009 (September 2009 38 Prozent).

Aber auch Veredlungs- und Ackerbaubetriebe beklagen eine deutlich verschlechterte Liquiditätssituation. 27 Prozent der Veredlungsbetriebe und 20 Prozent der Ackerbaubetriebe halten die aktuelle Liquiditätslage ihrer Betriebe für angespannt oder sehr angespannt.
 

20 Prozent wollen investieren

Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen fällt auf 3,0 Milliarden Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum sind das 1,0 Milliarden Euro, gegenüber dem Stand von vor zwei Jahren sogar 3,1 Milliarden Euro weniger. Nur 20 Prozent der Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten investieren; vor einem Jahr waren es noch 27 Prozent, vor zwei Jahren 34 Prozent.
 
Innerhalb des geschrumpften Investitionsvolumens entfallen auf den

  • Bereich Ställe und Stalltechnik: 1,8 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr minus 0,8 Milliarden Euro, gegenüber Vorvorjahr minus 2,2 Milliarden Euro).
  • Maschineninvestitionen:  Mit nur 0,6 Milliarden Euro fallen die ähnlich niedrig aus wie schon vor einem Jahr.
  • Die beabsichtigten Investitionen in die erneuerbaren Energien Biogas, Fotovoltaik und Windkraft fallen auf 0,4 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr minus 0,2 Milliarden Euro).

Veredlungsbetriebe sind zuversichtlich

Futterbaubetriebe schätzen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation ähnlich schlecht ein wie zum Höhepunkt der Milchkrise in 2009. Die Juni-Ergebnisse bedeuten gegenüber März nochmals eine deutliche Verschlechterung. Die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre allerdings sind gegenüber März wieder von deutlich mehr Zuversicht geprägt. Ein gewisser Zweckoptimismus ist dabei unverkennbar („es kann nicht schlechter werden“).
 
Ackerbaubetriebe beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage ähnlich ungünstig wie im März, und das trotz etwas höherer Ernteerwartungen und leicht angestiegener Getreidepreise. Die Zukunftserwartungen sind gegenüber dem Frühjahr zwar von etwas mehr Zuversicht geprägt, fallen aber im Vergleich zu den anderen Betriebsformen am schlechtesten aus. Maßgebend dafür dürften Diskussionen in der Politik um mögliche Einschränkungen und Auflagen beim Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sein.
 
Veredlungsbetriebe
sehen sich gegenüber dem Frühjahr wieder in einer deutlich besseren wirtschaftlichen Lage. Grund dafür ist insbesondere die verbesserte Preissituation auf den Schweinemärkten. Im Vergleich zu anderen Betriebsformen strahlen die Veredlungsbetriebe die größte Zuversicht aus. Die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre sind ähnlich hoch wie im März.

Landwirte sehen Verschlechterung der Preissituation

Die Preissituation auf den Agrar- und Betriebsmittelmärkten ist der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für die Beurteilung der Situation auf den Betrieben. In fast allen Erzeugungsbereichen sehen die Landwirte im Jahresvergleich eine Verschlechterung der Preissituation. Ausnahme ist der Schweinemarkt, der auch im Vergleich zum Frühjahr positiver beurteilt wird. Extrem negativ wird unverändert die Situation auf dem Milchmarkt gesehen.

Beim Betriebsmitteleinkauf gibt es im Vergleich zur Situation im März Entlastungen beim Düngemitteleinkauf. Teurer ist dagegen der Einkauf von Futtermitteln und Treibstoffen geworden. Deutlich ungünstiger werden die politischen Rahmenbedingungen beurteilt, im Vergleich zu März 2016 und noch mehr im Jahresvergleich. Betroffen von dieser kritischeren Einschätzung sind die nationale und EU-Agrarpolitik ebenso wie die Steuer- und Finanzpolitik. Grund dafür ist offensichtlich eine eher zurückhaltende Bereitschaft der Politik, mit geeigneten Maßnahmen auf die prekäre wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft zu reagieren. Auch ihre Wettbewerbsfähigkeit im EU-Vergleich schätzen die Landwirte kritischer ein.

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