Login
Agrarförderung

Antragstopp für Ökobauern in Sachsen-Anhalt

am
02.08.2019
(Kommentar verfassen)

Wegen Geldmangel muss Sachsen-Anhalt umstellungswilligen Landwirten einen Korb geben. Bioland kritisiert den Förderstopp. Der Verband fordert, bundesweit Direktzahlungen zu kürzen, um mehr Mittel für den Ökolandbau zu haben.

Hackstriegel in Soja

Sachsen-Anhalt geht das Geld für den Ökolandbau aus, zumindest für die Neu-Umsteller. Eine Auswertung der aktuell vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie in Sachsen-Anhalt vorgelegten Zahlen im Antragsverfahren zur Ökoförderung 2019 hat ergeben, dass mehr als die Hälfte der umstellungsinteressierten Betriebe abgelehnt werden. Insgesamt 49 Betriebe haben einen Antrag zur Umstellung auf EU-Öko-Richtlinien eingereicht. Von diesen können nur 20 Betriebe auf einen positiven Bescheid ihres Antrags hoffen, meldet der Anbauverband Bioland.

Von den insgesamt 9.568 ha, für die eine neue Förderung ökologischer Anbauverfahren ab dem 1. Januar 2020 beantragt wurden, kann das Land laut Auswertung nach gegenwärtiger Mittelverfügbarkeit nur für 4.837 ha Fördergelder bewilligen.

Zu den voraussichtlich nicht geförderten Betrieben gehören vor allem Ackerbaubetriebe an ertragsstärkeren Standorten, bestehende Ökobetriebe mit einem Flächenzuwachs über 20 Prozent sowie tierhaltende Betriebe, die ihren Tierbestand erst im Verlaufe der Umstellung aufbauen können.

Widerspruch zum Koalitionsvertrag

Bioland kritisiert diese Limitierung entschieden und fordert die Landesregierung dazu auf, diesen Förderstopp zu verhindern.

„Dieses Vorgehen ist in keinster Weise akzeptabel und nachvollziehbar. Es widerspricht dem Koalitionsvertrag mit dem Ziel der Landesregierung 20 Prozent der Agrarfläche auf Ökolandbau umzustellen. Die Bundesregierung will diese Zielmarke bis 2030 erreichen. Dazu müssten in Sachsen-Anhalt jährlich ca. 12.000 ha ökologisch bewirtschaftete Fläche dazugewonnen werden, kritisiert Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik. 

Höhere Umschichtungen im Tausch für staatliches Tierwohllabel?

Bund und Länder sind nun laut Bioland gefordert mehr Finanzmittel der pauschalen EU-Direktzahlungen für ökologische Fördermaßnahmen der Bundesländer zu nutzen. „Um künftig mehr Gelder zur Förderung des ökologischen Landbaus freizusetzen müssen die Direktzahlungen der 1. Säule, in größerem Umfang als bislang geplant, in die 2. Säule umverteilt werden. Statt der vom BMEL angekündigten 4,5 Prozent muss in der jetzigen Übergangsphase der EU-Agrarpolitik bereits eine spürbare schrittweise Erhöhung für ökologische Fördermaßnahmen umgesetzt werden“, so Wehde.

Bis 2022 könnten laut Wehde so 15 Prozent der Finanzmittel der 1. Säule in mehr Umwelt- und Klimaschutz und die Ausdehnung des Ökolandbaus fließen.

Wie das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt berichtet, wolle das Bundesagrarministerium bereits 2020 die Umschichtung aus der 1, Säule erhöhen und damit die Direktzahlungen für alle Bauern um mehr als 4,5 Prozent im kommenden Jahr kürzen. Unter anderem wolle sich Staatssekretär Dr. Aeikens die SPD-Zustimmung zum staatlichen Tierwohllabel sichern. Das Bundesagrarministerium bestätigte ein solches Tauschgeschäft indes nicht, meldet Nachrichtendienst Agra Europe. 

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...
Auch interessant