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Afrikanische Schweinepest

ASP-Krise: Soll die Freilandhaltung von Schweinen verboten werden?

Freilandhaltung.
am Montag, 26.10.2020 - 11:59 (1 Kommentar)

Wegen der Afrikanische Schweinepest (ASP) werden Schweineställe zu Hochsicherheitstrakten.

Freilandhaltung.

Ganz besonders betroffen ist Brandenburg, wo jetzt 91 Fälle von ASP bei Wildschweinen gemeldet wurden. Der Zugang zu den Ställen und Tieren ist nur noch unter äußert strengen Hygieneregeln möglich. Doch wie steht es mit der Freilandhaltung? Noch bis vor kurzem galt diese Haltungsform als sehr tiergerecht und wurde vor allem von Biobetrieben genutzt. Doch nun stellt ASP die Existenz der Freilandhaltung komplett in Frage.

Viele Schweinebauern sehen das Risiko der Übertragung von ASP auf die Hausschweinebestände als viel zu hoch an. Sie fordern ein Verbot der Freilandhaltung. Anja Koch ist mit ihren Schweinen von der ASP-Krise unmittelbar betroffen. Sie hat einen Biobetrieb mit Freilandhaltung in Brandenburg. Gegenüber dem RBB berichtet sie, dass ihre Tiere jetzt eigentlich in einem Stall unterbringen müsste. Das Problem: Sie hat keinen – und das geht derzeit auch anderen Landwirten mit Freilandhaltung so.

Sie versucht deshalb einen Teil der Sauen zu verkaufen. „Es muss aber dennoch wirtschaftlich bleiben und man muss den Betrieb aufrechterhalten können“, sagt die Landwirtin gegenüber dem RBB. Doch dies sei nicht so einfach, denn für Alt-Sauen gebe es derzeit keinen Markt und die Unterbringung im Stall würde großen Stress für ihre Tiere bedeuten.

Ein Zaun schützt nicht 100-prozentig – Stallhaltung ist sicherer

Schweine draussen.

Zum Schutz vor Wildschweinen hat Koch das Betriebs-Gelände umzäunt und abgesperrt, erzählt Koch dem RBB. Vor Wildschweinen seien ihre Tiere dadurch sicher, glaubt die Bio-Landwirtin. Doch wenn Krähen etwas Ansteckendes auf dem Gelände fallen lassen, davor seien ihre Schweine dann nicht geschützt.

Auch andere Landwirte versuchen deshalb die sonst im Freiland gehaltenen Tiere in festen Ställen unterzubringen oder „Notunterkünfte“ zu errichten, wo dies finanziell und vom Platz her möglich ist. Der Landwirt Markus Koch aus der Ostprignitz – der seine Schweine sonst auch draußen hält – hat seinen Tieren nach eigenen Angaben erst einmal „Stubenarrest“ verordnet, sagt er gegenüber er Berliner Zeitung. „Ein Befall wäre die absolute Katastrophe“, betont er.

Koch hat jedoch den Vorteil das überhaupt die Unterbringung in Ställen möglich ist. Für mache Bauern ist das deutlich schwieriger: Hans-Christoph Peters aus Werneuchen hält seine Schweine sonst ebenfalls unter freiem Himmel. Er baut in diesen Tagen fieberhaft an einer mobilen Halle um seine Schweine so schnell wie möglich unterzubringen.

Die meisten Bauern sind gegen Freilandhaltung

Schweinemastbetrieb.

Die meisten Schweinebauern beurteilen das Halten von Freilandschweinen als sehr riskant. Bei einer Info-Veranstaltung zum Thema Afrikanischer Schweinepest war die Stimmung unter den Landwirten sehr kritisch gegenüber Freilandhaltung", berichtet Biolandwirtin Koch im RBB.  

Wie streng die Sicherheitsvorkehrungen der Bauern mittlerweile sind, erklärt der Ferkelproduzent Hans-Christian Daniels. Er hat einen Betrieb im Oder-Spree-Kreis. Das ist einer der Landkreise wo infizierte Wildschweinkadaver gefunden wurden. Wer in seinen Stall will, muss vorher duschen und komplett die Kleidung wechseln und auch das Handy wird in einer UV-Licht-Schleuse desinfiziert. Und die Mitarbeiter dürfen keine Salami, keinen Schinken und auch kein Schweinefleisch in den Betrieb bringen.

Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen konsequent eingehalten werden, dann sind die Sauen und Ferkel im Stall ziemlich sicher, sagt Daniels. Das Problem ist aber: Diese Sicherheitsvorkehrungen nutzen ihm und seinen Kollegen wenig, wenn sich die Freilandschweine mit ASP anstecken: Im Umkreis von mindestens zehn Kilometern dürften in einem solchen Fall keine Schweine mehr transportiert und keine Sauen mehr besamt werden. Dann ginge für alle in der betroffenen Region liegenden Betriebe praktisch gar nichts mehr.

Der Supergau für die Schweinhalter – ASP bei Hausschweinen

Daniels ist auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Brandenburger Schweinehalter. Er fordert deshalb: Die Freilandhaltung sollte in den von ASP betroffenen Landkreisen sofort verboten werden. „So hart das klingt. Doch das Risiko, dass die Afrikanische Schweinepest in einen Hausschweinebestand eingeschleppt wird, ist sehr groß, sagt er. Und das, wäre für die deutschen Schweinehalter der Supergau der auf Corona noch eins draufgesetzt.

„Das letzte Wirtschaftsjahr war für Ferkelerzeuger ein gutes Jahr, ein sehr gutes sogar", sagt der Brandenburger Schweinehalter. Aber das ist nun mit vorbei und in Brandenburg wird es langfristig wohl weniger Sauenhalter geben, befürchtet Daniels.

Und sollte demnächst eine Stallpflicht für die Freilandhalter und Biobauern kommen, dann wäre wohl auch deren Geschäft erst einmal kaputt. Angesichts der großen Gefahr für die übrigen Betriebe – und der katastrophalen Folgen eines ASP-Ausbruchs bei Hausschweinen auf die gesamte Branche, ist diese Maßnahme jedoch nicht unwahrscheinlich.

Mit Material von RBB24

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