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ASP und Getreidemarkt

ASP-Krise für Ackerbauern – so schützen Sie sich vor dem Lockdown

maisernte.
am Donnerstag, 22.10.2020 - 11:33 (1 Kommentar)

ASP hat die Schweinehalter in eine schlimme Krise gestürzt. Doch auch den Ackerbauern drohen Restriktionen.

maisberstand.

Die Afrikanische Schweinpest hat die deutschen Schweinehalter in eine schlimme wirtschaftliche Krise gestürzt. Auch wenn bislang nicht ein einziger Hausschweinebestand betroffen ist, schreiben die Mäster und Ferkelerzeuger seit Wochen rote Zahlen.

Ganz besonders schlimm ist die Lage in den Restriktionsgebieten in Brandenburg ­ – also in der Kernzone und im so genannten gefährdeten Gebiet. Dort dürfen die Landwirte ihre Tiere zunächst überhaupt nicht vermarkten – und künftig nur unter sehr strengen Auflagen.

Wirtschaftliche Verluste könnten hier aber durch eine Ertragsschadenversicherung abgemildert werden“, sagt Andreas Hahn vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Doch wie sieht es für die Ackerbauern und Rinderhalter aus und für die futteranbauenden Betriebe. Bei ihnen war es zweitweise wie im Lockdown berichten betroffene Bauern – wie etwa Christoph Schulz aus dem Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg. In der Kernzone und auch im gefährdeten Gebiet kamen sie zunächst gar nicht auf die Felder. Sie konnten also ihr Wintergetreide nicht – oder nicht rechtzeitig – säen und auch den Mais nicht ernten. „Der reife Mais blieb dort auf dem Halm“ sagte Christoph Schulz.

Eine Entschädigung für die Ackerbauen ist jedoch nach dem 2018 angepassten Seuchenschutzgesetz möglich – und auch eine Ernte-Ausfall-Versicherungen bei ASP wird angeboten. Viele Sachen seien bisher jedoch nicht geklärt, unter anderem die konkreten Entschädigungsregelungen, sagt Landwirt Schulz.

Trotz Lockerung gelten Restriktionen – keine Maisernte möglich

Maisbestand.

Auch die formale Lockerung der Restriktionen in den gefährdeten Gebieten Ende September brachte für die Bauern zunächst nur wenig. Der Grund: Die Flächen mussten von den Behörden gründlich abgesucht werden und konnten erst dann freigegeben werden – und das hat oft sehr sehr lange gedauert. Außerdem galt die Freigabe nicht für die Maisbestände – sondern nur für die Aussaat von Wintergetreide und für die Ernte von Hackfrüchten.

„Grund sei, dass sich Wildschweine bevorzugt in Maisfeldern aufhielten und nicht unnötig aufgeschreckt und vertrieben werden sollten“, hieß es dazu aus dem Brandenburger Agrarministerium. Anfang Oktober wurde das gefährdete Gebiet – nach einem ASP-Fund außerhalb der bisherigen Restriktionszonen - außerdem noch einmal deutlich auf 2.200 qkm ausgeweitet. Das war etwa eine Verdopplung des bisherigen Gebietes.

Inzwischen sind in den betroffenen Landkreisen Oder-Spree, Spree-Neiße und Märkisch-Oderland rund 70.000 ha Ackerfläche von den Auflagen betroffen. Trotz der Not der Landwirte hatten es die beiden hauptsächlich betroffenen Landkreise Spree-Neiße und Oder-Spree mit der Freigabe der Äcker aber nicht besonders eilig, hatte die Märkische Onlinezeitung MOZ berichtet. Allein in Oder-Spree hatten sich Anfang Oktober 350 Anträge von Landwirten auf Freigabe der Betriebsflächen bei den Behörden gestapelt.

Ertragsschadensversicherung für Schweine und eine Ernteversicherung

Traktor.

Trotz der formalen Freigabe konnten viele Bauern also trotzdem nicht auf ihre Felder fahren und der Mais musste ohnehin stehen bleiben. Diese schweren Einschränkungen dürften auch viele Landwirte in anderen Regionen Deutschlands dazu bringen, sich Gedanken über die möglichen Folgen von ASP-Auflagen für ihre Betriebe zu machen – und über einen möglichen Versicherungsschutz bei Bewirtschaftungsverboten nachzudenken. Vor allem in den, an die polnischen Risikogebiete angrenzenden ostdeutschen Bundesländern, haben offenbar schon viele Betriebe eine Ernteversicherung gegen ASP-Folgen abgeschlossen.

So sagt etwa Kathrin Neumann, Betriebsleiterin des Agrarbetrieb Groß Grenz in Mecklenburg-Vorpommern: „Wir haben jetzt zusätzlich eine Ackerbauversicherung für den Fall, dass ein Schwein in unserem Stall an Pest erkrankt und Futter bzw. Ackerkulturen von unseren Äckern als Sondermüll entsorgt werden müssen oder etwa die Maissilage wegen ASP nicht geerntet werden kann."

Eine Ertragsschadens-Ausfallversicherung hat der Betrieb von Kathrin Neumann außerdem, die sowohl die Schäden aus der ASP bei den Schweinen abdeckt, als auch mögliche Verluste aus dem Verkehrsverbot von Schweinen im gesperrten Gebiet und Kosten für Laboruntersuchung und Tierkörperbeseitigung übernimmt.

"Die Ertragsschadenversicherung hilft auch dann, wenn ein Mastbetrieb nicht direkt betroffen ist, aber in der Nähe eines Seuchengehöfts liegt oder in einem Gebiet, in dem der Erreger bei Wildtieren nachgewiesen wurde", sagt Andreas Hahn, Experte beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Entschädigung ist möglich – aber Ländersache

Maisernte.

Die Bundesregierung hatte bereits 2018 das Tiergesundheitsgesetz und des Bundesjagdgesetzes neu geregelt, um im Fall eines Ausbruchs von ASP, schnell Maßnahmen ergreifen zu können. Im Tiergesundheitsgesetz ist geregelt, wie der Verlust von Tieren entschädigt wird. Außerdem werden auch die Verluste durch mögliche Ernteverbote und durch die verpflichtende Anlage von Bejagungsschneisen ermittelt. Dort heißt es aber auch, dass die Länder weitere Entschädigungen an die betroffenen Landwirte zahlen können.

Brandenburgs Agrarminister Axel Vogel sagte: „Bei Ernteausfällen gäbe es für betroffene Landwirte Entschädigungen aus dem Landesseuchenfonds. Eine pauschale Entschädigung für Produktionsausfälle gebe es aber nicht“. Ein Anspruch auf Entschädigung, werde vom Land genau kontrolliert, heißt es weiter – und das kann angesichts der weiter fortschreitenden Seuche dauern.

Gisela Reetz, Staatssekretärin für Landwirtschaft aus Sachsen, forderte deshalb: "Wir benötigen schnellstens bundeseinheitliche Regelungen für zusätzliche Aufwendungen von Betrieben in Restriktionsgebieten und Werte für Entschädigungen, welche Landwirte im Falle eines ASP-Ausbruchs in ihrer Region erhalten sollen." Die im Tiergesundheitsgesetz kalkulierten Kosten für die Entschädigung im Falle eines Ernteverbotes in Höhe eines entgangenen Deckungsbeitrages lagen danach bei:

  • 449 Euro/ha für Silomais,
  • 596 Euro/ha für Körnermais, 
  • 768 Euro/ha für Raps,
  • 691 Euro/ha für Weichweizen,
  • 1.450 Euro/ha für Zuckerrüben

Privater Versicherungsschutz für Ackerbauern bei ASP

getreideaussaat.

Seit einiger Zeit können sich Landwirte aber auch gegen Ernte- und Bearbeitungsverbote versichern. Hermann Reichenberger von der Münchener & Magdeburger Agrar-Versicherung  sagt: „In bestimmten Wachstumsphasen ist eine Sperre natürlich eine Katastrophe, vor allem wenn sie über mehrere Monate hinweg erhalten bleibt. Das kann existenzbedrohend sein.“

Die Versicherung bietet, wenn die landwirtschaftlichen Flächen innerhalb des Gefährdungsbezirks wegen der ASP liegen, und deshalb nicht bearbeitet werden dürfen, folgenden Schutz: „Für jeden Einschränkungs- oder Sperrtag erhält der Landwirt pauschal 1/365 der Versicherungssumme für bis zu 20 Wochen. Die Kosten der ersten sieben Tage trägt der Versicherte als Selbstbehalt. Auf die Auszahlung der Versicherung haben staatliche Entschädigungen keinen Einfluss“, erklärt Reichenberger die Absicherungsmöglichkeiten.

Die Versicherung ist ein Zusatzbaustein der klassischen Hagelversicherung. Alle Pflanzen, bei denen die Hagelversicherung möglich ist, sind auch bei ASP versicherbar – also alle gängigen Kulturen. Dazu gehören Getreide, Mais, Kartoffeln, Gemüse, Obst, aber auch Wein oder Hopfen.

In einem Beispiel unterstellt der Versicherungsexperte für einen Betrieb ein Ernteverbot für vier Monate. Vom Ernteverbot betroffen sind in diesem Beispiel 10 ha Mais, 20 ha Getreide und 5 ha Raps dürfen nicht weiter bearbeitet werden. Die Entschädigung für diesen Betrieb würde nach dieser Rechnung der Versicherung bis zu 13.500 Euro betragen.

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