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DLG-Unternehmertag

Bartmer: Bereitschaft zum Wandel bewahren

DLG-Unternehmertag 2017
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Norbert Lehmann, agrarheute
am
06.09.2017

Mahnende Worte an die Landwirtschaft, sich an neue Herausforderungen anzupassen, fand der scheidende DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer auf den Unternehmertagen in Würzburg.

DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer

Bartmer zog Parallelen zwischen der Situation der Automobilindustrie und der Landwirtschaft. Die vom Diesel-Skandal gebeutelte Autobranche habe technologischen Entwicklungen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und gesellschaftliche Zeitenwenden ignoriert. Wie sonst lasse sich erklären, dass man geglaubt habe, höherer Sensibilität gegenüber Umweltbelastungen mit manipulierten Abgastests begegnen zu können, fragte Bartmer.

Auch die Landwirtschaft sei mit einem schleichenden Prozess konfrontiert, in dem deren Umweltwirkungen und die Nachhaltigkeit der Systeme insgesamt kritischer hinterfragt würden. Im Unterschied zur Automobilindustrie habe sich die Landwirtschaft aber ihren Defiziten gestellt, von den Nährstoffbilanzen, Resistenzen im Ackerbau bis zu den Zuchtzielen und Aspekten für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung.

Nicht zum nächsten "Dieselmotor" werden

„Wir werden die Herausforderungen von morgen nicht mit Systemen von gestern lösen“, sondern mit Innovationen und Fortschritt unterstrich Bartmer. Die „moderne Landwirtschaft“ müsse die Herausforderungen einer nachhaltigen Intensivierung aufgreifen, wenn sie nicht zum „Dieselmotor des Agrarsektors“ werden solle: brilliant laufend, aber in der heutigen Verfassung an den langfristigen Bedürfnissen der Zeit vorbei.

Fruchtfolgen erweitern

Hans Hogreve, GesamtBetriebsBeratung Landwirtschaft

In diesem Zusammenhang zeigte Hans Hogreve, Berater der Gesamt-Betriebs-Beratung Landwirtschaft (GBB), wie mit erweiterten Fruchtfolgen den zunehmenden Problemen mit resistenten Unkräutern, mit Pilzbefall und Schädlingen begegnet werden kann.

Dabei belegte Hogreve eindrucksvoll, dass typische norddeutsche Fruchtfolgen aus Raps und Weizen oder Zuckerrüben und Weizen um zwei Sommerungen wie zum Beispiel Mais oder Leguminosen ergänzt werden können, ohne dass erhebliche finanzielle Einbußen hingenommen werden müssen, wenn man die Mehrkosten der Kalamitäten durch extrem enge Fruchtfolgen in die Kalkulation einbezieht.

Tierwohl ist keine Frage der Züchtung

Dr. Stefan Rensing, VIT Verden

Dr. Stefan Rensing, Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung (VIT), ging auf Forderungen ein, in der Tierzüchtung dem Tierwohl mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Er machte deutlich, dass die Holstein-Züchtung in Deutschland schon bisher Gesundheits-Merkmale der Kuh zu 45 % in das Gesamtzuchtziel einbeziehe.

Dr. Rensing prognostizierte einen deutlichen Anstieg der durchschnittlichen Nutzungsdauer von Holstein-Milchkühen in den nächsten fünf bis sechs Jahren. Die Nutzungsdauer werde seit 2008 stärker im Zuchtwert berücksichtigt. Dies schlage sich mit einigen Jahren Verzögerung in der Praxis nieder. Rensing betonte jedoch, das Tierwohl sei keine Frage der Züchtung, sondern der Haltung.

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