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Nachhaltigkeit

Bartmer: Glyphosat ermöglicht erst Artenvielfalt

© Wolfgang Piller
von am
04.02.2018

Der scheidende DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer hat in seiner letzten öffentlichen Rede in der Hans-Eisenmann-Akademie (HEZ) der TU München-Weihenstephan das drohende Glyphosat-Verbot hart kritisiert. Zudem gehörten Globalisierung und Nachhaltigkeit zusammen.

Carl-Albrecht Bartmer
DLG-Präsident Bartmer warnt, ohne Glyphosat sei die Artenvielfalt bedroht. © Josef Koch/agrarheute

„Wer glaubt, mit einem Glyphosat-Verbot auf landwirtschaftlichen Flächen mehr Biodiversität schaffen zu können, befindet sich auf einem Irrweg“, kritisierte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer die derzeitige Diskussion um ein Glyphosat-Verbot in Deutschland. Nach Bartmers Meinung ermöglicht der Glyphosat-Einsatz für viele Landwirte erst eine wirtschaftliche, pfluglose Bodenbewirtschaftung und den Anbau von Zwischenfrüchten, die auch Nahrung für Bienen bieten.

In seinem letzten öffentlichen Vortrag in der Hans-Eisenmann-Akademie (HEZ) der TU München-Weihenstephan, Freising, führte der DLG-Präsident aus, dass Landwirte ohne Glyphosat künftig im Herbst wieder mehr pflügen müssten. „Wie verträgt sich das beispielsweise mit Erosionsschutz in Hanglagen oder wo ist auf dem gepflügten Acker mehr Artenvielfalt zu finden?“, fragte der praktische Landwirt aus Sachsen-Anhalt die Glyphosat-Gegner.

Nachhaltigkeit wird oft missverstanden

In unserer Gesellschaft existiere ein Missverständnis von Nachhaltigkeit, stellte der Betriebsleiter klar. So glaube man, mit einer Maßnahme wie dem Glyphosat-Verbot alle Probleme wie Artenschwund lösen zu können.

Laut Bartmer ist Nachhaltigkeit aber kein nationales, sondern ein weltweites Problem. „Was nützt es, wenn wir in Deutschland und Europa in Hochertragsregionen hochproduktive Flächen stilllegen oder extensivieren, und die Nahrungsmittel in anderen Regionen auf viel weniger produktiven Flächen erzeugen müssen, die Landknappheit noch verschärfen, und im Extremfall dafür sogar Urwald gerodet wird?“, regte der DLG-Präsident die Zuhörer zur Diskussion an. Unser Wetter beispielsweise hänge auch von Entwicklungen in anderen Regionen der Welt ab.
 

Kluger Reformansatz beim Greening

Der DLG-Präsident findet daher den neuen Ansatz von EU-Agrarkommissar Phil Hogan klug, das Greening in der Agrarreform 2020 stärker zu regionalisieren. Jeder Mitgliedstaat erhält zwar konkrete Zielvorgaben zu Nachhaltigkeit und Biodiversität; mit welchen Maßnahmen er diese  erreichen will, bleibt aber jedem Land selbst überlassen.

Auch Landwirte sollten daher künftig selbst entscheiden können, welche Maßnahmen sie in ihrem Betrieb einsetzen, um bestimmte Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Nach Bartmers Meinung gehört dazu ein Bündel von Maßnahmen. Die Politik dürfe daher nicht pauschal bestimmte Pflanzenschutzmaßnahmen oder Technologien ausschließen.

Mehr Nahrungsmittel benötigt

Doch nicht nur mehr Nachhaltigkeit ist das Gebot der Stunde. So benötige die Welt aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl in Zukunft deutlich mehr Nahrungsmittel.

Laut FAO nimmt der Getreidebedarf bis 2030 um rund 8 Prozent zu, der Bedarf an Schweinefleisch um rund 20 Prozent. Ebenso steigt in den kommenden zwölf Jahren der Bedarf an Geflügelfleisch um etwa 17 Prozent und an Milch um rund 10 Prozent. Bartmer räumte ein, dass Landwirte derzeit an die Grenzen ihrer Ressourcen stießen und weitere Innovationen in Pflanzenzucht und Technik benötigten, um diesen Mehrbedarf an Nahrungsmitteln decken zu können.

Globalisierung und Nachhaltigkeit gehören zusammen

Carl-Albrecht Bartmer, DLG-Präsident
Für DLG-Präsident Bartmer schließen sich Globalisierung und Nachhaltigkeit keineswegs aus. © Josef Koch/agrarheute

Wichtig ist dem scheidenden DLG-Präsidenten dabei auch die Globalisierung und der weltweite Agrarhandel. „Für mich stehen Nachhaltigkeit und Globalisierung in keinem Gegensatz. Das eine bedingt das andere“, resümierte Bartmer am Ende seines Vortrages.

Viele Regionen in der Welt hätten spezifische Vorteile. „Jede Region muss ihre Talente nutzen“, zog der Landwirt sein Fazit. So bedeutet laut Bartmer zum Beispiel der Export von Milchprodukten aus dem Allgäu in andere klimatisch benachteiligte Regionen, dass „virtuelles Wasser“ aus einer Überschussregion in eine Unterschussregion gebracht werde. Ähnliches gelte auch für den Getreideexport nach Afrika. Auch das sei nachhaltig.

Jedoch räumte der Agraringenieur ein, dürfe der weltweite Agrarhandel nicht gegen Prinzipien der Entwicklungspolitik verstoßen.

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