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Vertragslandwirtschaft

Bauer sein, ohne eigenen Betrieb: Geht das überhaupt?

Feldarbeit.
am Freitag, 29.10.2021 - 13:59 (Jetzt kommentieren)

Kann man eigentlich Bauer sein, ohne einen eigenem Betrieb zu besitzen? Eine neue Form der Betriebsführung macht es möglich: Die sogenannte Vertragslandwirtschaft (Contract Farming Agreements (CFAs)).

Landwirtschaft.

Sie breitet sich vor allem in den angelsächsischen Ländern aus und bringt ganz unterschiedliche Bedürfnisse unter einen Hut. Klar sein muss: Die Vertragslandwirtschaftsvertrag ist keine Partnerschaft, sondern ein Joint Venture zwischen zwei Parteien. Auf der einen Seite steht ein Landwirt (der Grundbesitzer) und auf der anderen Seite der Auftragnehmer (meist ebenfalls ein Landwirt) der aber als Lohnunternehmer arbeitet und möglicherweise bereits mehrere CAFs hat.

Durch das Joint Venture wird der grundbesitzende Landwirt den Einnahmen des landwirtschaftlichen Betriebes beteiligt. Der übernehmende Landwirt übernimmt den Betrieb für einen befristeten Zeitraum (der in der Regel bis zu fünf Jahre betragen kann). Der Vorteil für den abgebenden Landwirt ist: Er bleibt Eigentümer an Land und Hof. In Großbritannien und anderen Ländern, wo die landwirtschaftliche Bevölkerung altert, bietet diese Form der Vertragslandwirtschaft eine innovative Möglichkeit, das Geschäft weiteführen, ohne Land oder Vermögenswerte verkaufen zu müssen.

Dies ist für den Landwirt von Vorteil, der nicht den seit Generationen in Besitz befindlichen Betrieb verkaufen möchte. Auf der anderen Seite spart sich der Lohnunternehmer die Kosten für die Neugründung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Auftragnehmer kann sich als wirtschaftlicher erweisen, als neu zu investieren oder neue Mitarbeiter einzustellen, sagt das auf Contract-Farming spezialisierte Beratungsunternehmen AWSM Farming aus England.

Viele Vorteile für beide Seiten

Das Joint Venture ermöglichen sowohl dem Landwirt als auch dem Lohnunternehmer ein stabiles und regelmäßiges Einkommen. Aber für den Landwirt bietet diese Form der „Betriebsübergabe“ auch die Möglichkeit, Betriebskapital freizusetzen, unter anderem Maschinenkosten. Der Vertrag begründet kein Pachtverhältnis über das Land oder eine Partnerschaft mit dem Lohnunternehmer, so dass der Landwirt die Vorteile des landbesitzenden Bauern behält.

Im Vergleich zu einem Pachtvertrag hat der Landwirt zudem mehr Kontrolle über Anbaumethoden. Da der Lohnunternehmer in der Regel seine eigenen Maschinen nutzt, ist der Landwirt jedoch nicht mehr für die Instandhaltung und Wartung der Anlagenausrüstung verantwortlich. So werden nicht nur Abschreibungsgebühren gespart, sondern das Geld, das durch die Entlastung der wiederkehrenden Kosten der Ausrüstung eingespart wird, kann der Landwirt nach für andere Dinge verwenden.

Dem Lohnunternehmer bietet die Vertragslandwirtschaft die Möglichkeit, sein eigenes Geschäft zu erweitern (das heißt den Betrieb zu vergrößern) und gleichzeitig die Kosten für die Gründung eines landwirtschaftlichen Betriebes oder den Zukauf von Flächen zu umgehen.

Nach Einschätzung AWSM Farming kann der  Auftragnehmer durch den Abschluss eines oder mehrerer Verträge sein Geschäft erweitern, ohne durch die hohen Land- oder Pachtkosten viel Kapital zu binden. Auf diese Weise sparen beide Seiten Geld. CFAs können auch für „neue Landwirte“ attraktiv sein, die eine Betriebs gründen wollen, aber wenig Erfahrung in der Landwirtschaft haben.

Wieviel Gel wird verdient?

Contract Farming Agreements (CFAs) bieten den Landwirten weiterhin ein Einkommen, das mit einem 3-5-jährigen Pachtvertrag vergleichbar ist, berichtet das englische Beratungsunternehmen Strutt & Parker.

Danach erhalten die ehemaligen Eigentümer bei den von Strutt & Parker betreuten Unternehmen vom Lohnunternehmer etwa 370 £/ha . Nach Angaben des Beratungsunternehmen haben die in den letzten fünf Jahre für die Landwirte Gewinne erzielt die über denen der mittleren 50 % der landwirtschaftlichen Betriebe liegen (268 £/ha).

Dabei war in den letzten vier Jahren ein deutlicher Anstieg der Einkommen zu verzeichnen – für beide Seiten. Die Einnahmen der Auftragnehmers lagen zuletzt durchschnittlich bei 395 £/ha.

Komplexes Vertragswerk ist nötig – und Berater

Landwirtschaft.

Ackerbau-CFAs beginnen in der Regel im Herbst, bevor die neue Saison startet, sagt Strutt & Parker. Der Landwirt eröffnet ein neues Bankkonto, oft auch Vertragskonto genannt, um alle Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit der Vereinbarung von seinen anderen geschäftlichen oder privaten Kosten getrennt zu halten.

Dieses Konto wird verwendet, um alle Einnahmen und Kosten, die in der Vereinbarung enthalten sind, abzurechnen: Dazu gehören variable Kosten wie: Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und Fixe Kosten wie: Trocknung und -lagerung, Instandhaltung,  Reparaturen und Versicherungen an Gebäuden, Abschreibung von Ausrüstung,  Wasser- und Abwassergebühren und Bank- und Verwaltungsgebühren.

Der Auftragnehmer erhält eine feste/garantierte Zahlung vom Vertragskonto, die so genannte Auftragnehmergebühr, oft viertel- oder halbjährlich, um einen Teil der Arbeitskosten zu decken. Nach dem Verkauf der Ernte und Eingang aller fälligen Einnahmen wird der verbleibende Saldo, die sogenannte Nettomarge, gemäß den Bedingungen der Vereinbarung zwischen den beiden Parteien aufgeteilt.

Der Landwirt erhält in der Regel zuerst eine Zahlung. Der Rest, der oft als teilbarer Überschuss bezeichnet wird, wird dann nach einer vereinbarten Formel aufgeteilt. Vereinbarungen können eine zweite und dritte Aufteilung umfassen, die verwendet werden, um Risiken zu reduzieren oder auszugleichen, wenn die Märkte oder die Rentabilität schwanken.

Wenn sich eine Vereinbarung langfristig entwickelt, Kann die Verteilung der Einnahmen neu ausgehandelt werden, um die Investitionen beider Parteien widerzuspiegeln.

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