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Bayern MeG will Transparenz über Milchpreis-Aufschlag für QM+

Milchkühe auf der Weide
am Donnerstag, 27.01.2022 - 14:40 (8 Kommentare)

Die Bayern MeG fordert volle Transparenz über die Zahlungen des Lebensmitteleinzelhandels für Milch nach dem neuen Zusatzmodul QM+. Vorher will die Organisation den Milchbauern die Teilnahme nicht empfehlen.

1,2 Cent/kg soll bekanntlich der Aufschlag für Milch betragen, die nach dem neuen Zusatzmodul QM+ erzeugt wird. Darauf haben sich die Vertreter des Systems QM Milch geeinigt.

Abgesehen von der Höhe des Zuschlags hat das Modell für Landwirte aber einen Haken: Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) will den Bonus nur für Milchprodukte bezahlen, die im Laden tatsächlich mit der Auslobung „Haltungsform 2“ verkauft wurden.

Da der Landwirt jedoch seinen ganzen Betrieb auf QM+ umstellt – oder eben nicht – hat er die systembedingten Kosten für seine gesamte Milcherzeugung. Zudem hat er keinen Einfluss darauf, wie gut der Einzelhandel die Milch vermarktet. Mit anderen Worten: Die Erzeugerstufe trägt für den LEH das Erfolgsrisiko für ein Konzept, das der Handel fordert.

Bayern MeG schreibt an die Transparenzstelle des QM Milch

Damit ist die Bayern MeG nicht einverstanden. Vorstand und Aufsichtsrat der Erzeugervereinigung verlangen von QM Milch eindeutige Informationen über die Zahlungen des Lebensmitteleinzelhandels.

Nur dann werde es möglich, die Weitergabe des Aufschlags an die betreffenden Milcherzeuger plausibel nachvollziehen zu können. Die Bayern MeG hat die „Transparenzstelle“ des QM Milch gestern (26.1.) schriftlich um Auskunft gebeten.

Wenn zu viel Milch angeboten wird, schmilzt der Preisaufschlag

Die Zeit drängt dabei. Der Einzelhandel will nämlich bereits im ersten Quartal 2022 mit der Auslobung der Haltungsform 2 in Verbindung mit dem Logo QM+ starten.

Die Bayern MeG fordert jedoch Klarheit darüber, wie die Verteilung des Preisaufschlags schuldrechtlich geregelt wird.

Denn auch Fachleute wie Klaus Rufli, Projektleiter bei QM Milch, halten es für wahrscheinlich, dass vor allem zu Programmstart entweder zu viel oder zu wenig Milch verfügbar sein wird. Kann eine Molkerei aber nur die Hälfte ihrer QM+ Milch verkaufen, verbleiben für die teilnehmenden Betriebe nicht 1,2 Cent pro kg, sondern rein rechnerisch nur 0,6 Cent.

Keine Empfehlung zur Teilnahme ohne Kosten-Nutzen-Analyse

Die Bayern MeG, die als größte Dachorganisation deutscher Milcherzeugergemeinschaften nach eigenen Angaben immerhin die Vermarktung von rund 6 Mrd. kg Milch koordiniert, sieht das Modell kritisch.

Vorstand und Aufsichtsrat der Organisation erklärten, die Milcherzeuger würden die steigenden Produktionsanforderungen einerseits und die mangelnde Wirtschaftlichkeit der Milcherzeugung andererseits mit großer Skepsis bewerten. Der Punkt sei erreicht, an dem die Milchmenge in Deutschland zurückgehe.

Mit der Kennzeichnung der Haltungsform deute sich eine Zäsur an. Darum will die Bayern MeG erst nach einer klaren Kosten-Nutzen-Analyse eine breite Empfehlung zur Teilnahme an den verschiedenen Programmen aussprechen.

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