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Existenzgründung

Betriebsgründung: Tipps für den Hofkauf

Zelder-Berlingerhof-Betriebsgründung
am Freitag, 29.03.2019 - 05:00

Anne Dirksen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erklärt im Interview, worauf Sie bei einem Betriebskauf achten sollten.

Anne Dirksen leitet den Arbeitsbereich Familie und Betrieb, Sozioökonomische Beratung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie befasst sich unter anderem mit der außerfamiliären Hofübergabe. Im agrarheute-Interview erklärt sie, was man bei einem Hofkauf beachten sollte.

Wie oft berät die LWK Niedersachsen zum Thema außerfamiliäre Hofübergabe?

Die Anfragen zu dem Thema nehmen zu. Bei uns rufen pro Monat im Schnitt zwei Landwirte an, die einen bewirtschafteten Hof kaufen wollen und sich dazu beraten lassen wollen. Hinzu kommen natürlich diejenigen, die eine Existenz auf einem Resthof gründen wollen. Das sind mindestens zwei Anrufe pro Woche, die bei uns zehn Beratern eingehen. Der Leitfaden, den wir dazu im Internet veröffentlicht haben, hat dreistellige Aufrufraten pro Monat.

Welche Fragen haben Existenzgründer?

Die häufigsten Fragen der Anrufer sind, was man alles anmelden muss und wo man sich anmelden muss. Und dann geht’s oft auch um die Anmeldung bei der Sozialversicherung.

Welches sind die ersten Schritte, wenn man sich für den Kauf oder die Gründung eines Betriebs entschlossen hat?

Das A und O ist, im Vorfeld schon ein ordentliches Betriebskonzept zu erstellen, also einen Businessplan. Schließlich soll der Hof ja die neue Existenzgrundlage werden. Mit dem Konzept muss ich nicht nur den Übergeber beziehungsweise Verkäufer überzeugen, sondern auch die Bank. Ist der Betrieb dann gekauft, ist die Betriebsanmeldung der erste Schritt.

Was raten Sie im Zusammenhang mit der Preisfindung?

Viele Käufer vergessen, das Inventar zu bewerten. In manchen Fällen ist dies nicht mehr up-to-date, das muss man bei der Preisfindung natürlich berücksichtigen. Zudem ist so ein Hofkauf ja auch mit Folgekosten wie Steuern oder Versicherungen verbunden, die viele oft unterschätzen. Bei der Berufsgenossenschaft wird man beispielsweise nach Risikoklassen eingeteilt, da können die Beiträge monatlich in den dreistelligen Bereich gehen. Und auch der Alterskassenbeitrag des Ehepartners wird in der Kalkulation sehr oft vergessen. Man muss sich bei den Preisverhandlungen einfach bewusst sein, dass es mit dem Kaufpreis alleine nicht getan ist und sein eigenes Budget entsprechend planen.

Was muss man im Zusammenhang mit einem Hofkauf beachten?

Wenn ich eine Hofstelle kaufe, muss ich mir auch überlegen, ob und wo es Zupachtmöglichkeiten gibt, damit ich meine Existenz auch entsprechend absichern kann. Außerdem sollte ich mir bezüglich der Produktionsart die Wettbewerbssituation genau anschauen. Gibt es bereits ein paar Hühnermobile in der Region, tut man sich wahrscheinlich eher schwer, einen weiteren zu etablieren. Selbsterklärend ist, dass der Standort zur Produktionsrichtung passen muss. Hier ist es gut, flexibel zu sein und sich bei der Suche nicht schon auf eine Produktionsrichtung einzuschießen.

Welche persönlichen Voraussetzungen müssen für eine Betriebsneugründung gegeben sein?

Man muss kreativ sein. Weil man nach einem Hofkauf nicht mehr viel in neue Gebäude oder ähnlichem investieren kann, muss ich das mit der passenden Geschäftsidee ausgleichen. Außerdem muss ich Risikobereitschaft mitbringen und auch die Kommunikationsfähigkeit ist ganz wichtig. Wenn ich irgendwo fremd in ein Dorf ziehe und als fremder einen Familienbetrieb kaufe, der womöglich schon seit Generationen im Ort etabliert ist, dann muss ich mich auch gegenüber der Kollegen und der Gemeinde gut verkaufen können. Zudem gehört eine gehörige Portion Geduld zum Hofkauf.

Was raten Sie Neugründern?

Lassen Sie sich von Ihrer Euphorie nicht zu sehr treiben. Man muss schon noch optimistischer sein, als bei einer innerfamiliären Hofübergabe, aber die harten Fakten dürfen Sie dabei nicht vergessen. Außerdem braucht der Prozess eines Hofkaufs Zeit. Und es ist wichtig, sich diese Zeit auch zu nehmen. Die Botschaft ist: erst unterschreiben, wenn alles verstanden und geklärt ist.

Quereinsteiger gründen Betrieb