Login

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Produktionskosten und Betriebsmittel

Betriebsmittel: Nur Diesel und Dünger billiger – sonst alles teurer

Mann prüft an seinem Traktor den Anhänger
am Mittwoch, 18.11.2020 - 11:49 (Jetzt kommentieren)

Die Corona-Krise und die Rezession haben für die Preise landwirtschaftlicher Betriebsmittel ganz unterschiedliche Folgen.

Mann repariert eine landwirtschaftliche Maschine

Die letzte Preiserhebung vom Juli zeigt: Diesel und Dünger kosteten aufgrund des Absturzes der Rohöl- und Energiepreise deutlich weniger. Alle anderen Betriebsmittel waren jedoch teurer oder kosteten zumindest nicht weniger als im Jahr zuvor.

Außerdem haben die Energiekosten im weiteren Jahresverlauf ihre absoluten Tiefs wieder verlassen und sind bis zum Herbst wieder gestiegen. Das hat dann in der zweiten Jahreshälfte auch die Düngerpreise wieder mit nach oben gezogen – und den kleinen Rabat wieder zu Nicht gemacht.

Hinzu kommt: Im nächsten Jahr wird eine CO2-Steuer von 25 Euro je Tonne eingeführt. Das wird die Energie- und Düngerkosten zusätzlich nach oben treiben und auch die übrigen Betriebsmittel verteuern, für deren Produktion Energie aufgewendet wird – und das sind alle.

Somit dürfte der neue CO2-Preis wie eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wirken und alle Produkte und Betriebsmittel teurer machen.

Preisrutsch bei Energie entlastet nur kurz

Energiepreise in der Landwirtschaft sinken im Juli 2020

Bei der letzten Preis-Erhebung im Juli waren Betriebsmittel für Landwirte 0,5 Prozent billiger als ein Jahr zuvor. Der Grund für den moderaten Preisrückgang ist einfach: Ausgelöst durch die Corona-Krise waren auch die Rohöl- und Energiepreise abgestürzt und haben damit (fast) alle Energieprodukte – und Mineraldünger deutlich billiger gemacht.

Ausnahme sind die Strompreise: Als einziger wichtiger Energieträger wurde Strom – wie in anderen Jahren auch, noch teurer. Und das auch noch recht deutlich um 2,1 Prozent. Grund für die Teuerung sind höhere Netzgebühren und natürlich die EEG-Umlage. Mittlerweile ist Deutschland der Weltmeister bei den Strompreisen.

Auf der anderen Seite mussten die Bauern zur Jahresmitte für Treibstoff (Diesel) 13,6 Prozent weniger Geld ausgeben und Heizöl kostete immerhin 12,4 Prozent weniger. Nach den Futtermitteln sind die Energie und Schmierstoffe der zweitgrößte Kostenblock für die Landwirte.

Ebenfalls erfreulich: Der Absturz der Energiepreise hat die Produktionskosten für Mineraldünger reduziert – und damit natürlich auch die Düngerpreise. Einen Abschlag von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahrespreisen konnten die Bauern beim Einkauf von Dünger verbuchen. Aber das war es dann auch schon. Veterinärleistungen kosteten nach einem kräftigen Anstieg im vorigen Jahr – immerhin nicht noch mehr.

Eiweißfutter wird extrem teuer

Preise für Sojaschrot am Importhafen Hamburg von 2016 bis 2020

Mehr Geld als im vorigen Jahr mussten die Bauern dagegen für Saat- und Pflanzgut ausgeben. Hier lag die Teuerung zu Vorjahr bei 1 Prozent. Ach für Pflanzenschutz musste mehr bezahlt werden – für Fungizide lag der Aufschlag bei 2 Prozent und für Insektizide bei 1,4 Prozent.

Der größte Kostenblock für die Landwirte sind die Futtermittel. Diese machen nach der Einstufung des Statistischen Bundesamtes knapp ein Fünftel der kalkulierten Gesamtkosten aus. Hier ging es bereits zur Jahresmitte vor allem für Eiweißfutter nach oben – nämlich um 6,5 Prozent.

Dieser steile Preisanstieg dürfte aber noch lange nicht das Ende des Preisauftriebs gewesen sein. Wie die laufenden Handelsdaten zeigen, sind die Preise für importiertes Sojaschrot bis Anfang November auf den höchsten Stand seit 6 Jahren geklettert – wegen der anhaltenden Trockenheit in Südamerika.

Gleichzeitig rauschten die Erzeuger-Preise vor allem für Schweine - aber auch für Rinder nach unten. Auch die Preise für Futtergetreide waren zu Jahresmitte lange nicht so weit oben wie im jetzt Herbst. Auch von dieser Seite dürfte es also nicht bei den im Juli von Destatis noch fast unverändert ausgewiesen Kosten für Futter-Getreide bleiben.

Bauten sind 20 Prozent teurer als vor 5 Jahren!

Grafik der Preise für Bauten und Maschinen in der deutschen Landwirtschaft

Die Kosten für Maschinen und vor allem auch für Bauten sind völlig unbeeindruckt von der Entwicklung der Energiepreise oder der Wirtschaftskrise – weiter kräftig gestiegen. Vor allem für landwirtschaftliche Bauten sprengt die Teuerung den üblichen Rahmen. Hier mussten die Landwirte im Jahresvergleich 3 Prozent höhere Preise zahlen.

Geht man etwas weiter zurück – etwa 5 Jahre bis 2015 – haben sich landwirtschaftliche Bauten bsi heute um fast ein Fünftel verteuert. Von so einem Anstieg können Landwirte im Hinblick auf ihre den Einkommen und Löhnen nur träumen.

Ähnlich kontinuierlich wie die landwirtschaftlichen Bauten haben sich landwirtschaftliche Maschinen und Geräte für die Ernte. Hier ermittelt das Statistische Bundesamt einen Preisaufschlag zum Vorjahr von 2,1 Prozent. Mehr Geld ausgeben mussten die Bauern auch beim Kauf von Zugmaschinen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen.

Bei all diesen sogenannten landwirtschaftlichen Investitionsgütern ist die stetige Verteuerung – anders als bei Energie oder Dünger – ungebrochen, wie die geradezu inflationäre Teuerungsrate bei Bauten eindrucksvoll belegt.

Preisschere zwischen Erlösen und Kosten klafft weit auseinander

Übersicht der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise für pflanzliche und tierische Erzeugnisse

Doch leider sind die hohen Kosten nicht das einzige Problem, das die Landwirte im Moment haben. Denn: Die Erzeugerpreise sind während der Coronakrise dramatisch abgestürzt. Insbesondere für Tierhalter ging es mit den Erlösen dramatisch nach unten – aber auch für Kartoffelbauern und für die Erzeuger von Braugerste.

Mehr Geld als im vorigen Jahr gab vor allem für Weizen, Mais sowie für Obst und Gemüse. Insgesamt ging es für die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise – also die Erlöse – im Jahresverlauf um etwa 10 Prozent nach unten. Auf den niedrigsten Stand seit 4 Jahren. Bei pflanzlichen Produkten betrug der Preisrückgang in diesem Jahr knapp 8 Prozent – bei den tierischen Erzeugnissen schrumpfte die Erlöse um fast 13 Prozent.

Dagegen haben sich die Betriebsmittel im bisherigen Jahresverlauf gerade einmal um knapp 1 Prozent verbilligt – sodass die Kosten-Erlösschere für die Landwirte sehr weit auseinander geht. Zumal zu erwarten ist, dass sich die Betriebsmittel im weiteren Jahresverlauf verteuern und die Landwirte im nächsten Jahr mit Einführung der CO2-Steuer mit einem einen weiteren kräftigen Preisanstieg bei allen Betriebsmittel konfrontiert werden dürften.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...