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Bilanz

Bilanzergebnisse: Bauern verdienten bis zu einem Viertel weniger

am Dienstag, 12.11.2019 - 10:15 (Jetzt kommentieren)

Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr entwickelten sich die Bilanzergebnisse der Landwirte sehr unterschiedlich. Wer gewonnen und wer verloren hat, zeigen die Auswertungen der Landwirtschaftskammern.

Die dürrebedingt unterdurchschnittlichen Ernten in Verbindung mit rückläufigen Preisen für Milch, Rind- und Schweinefleisch haben die Unternehmensergebnisse der landwirtschaftlichen Betriebe im Vergleich zum Vorjahr deutlich um rund 25 Prozent sinken lassen. Viele Haupterwerbsbetrieb konnten kaum Eigenkapital bilden.

Am stärksten mussten Landwirte in Schleswig-Holstein Verdiensteinbußen hinnehmen. Im Schnitt aller Haupterwerbsbetriebe sanken dort die Gewinne um fast 48 Prozent. Allein in Rheinland-Pfalz erzielten die Unternehmer eine Gewinnstabilisierung. Sie reichte aber nicht, um alle Produktionsfaktoren zu entlohnen.

Verbesserte Exportmöglichkeiten („China-Boom“) verhinderten einen Absturz der Mastschweine- und Ferkelpreise. Futterbaubetriebe mussten einen Rückgang der Milch- und Rindfleischpreise bei steigenden Futterkosten hinnehmen. Die Hackfruchtbetriebe profitierten von einem Rekordjahr im Kartoffelbau.
 

Gute Preise halfen Ackerbauern nicht überall

Trotz der Dürre in Sommer 2019 ließen deutliche Preissteigerungen, besonders bei Kartoffeln und Getreide, die Unternehmensergebnisse der Ackerbauern in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland spürbar steigen. Die Gewinne bewegten sich dort auf einem Niveau zwischen 57.000 und 82.000 Euro je Betrieb. Den größten Gewinnsprung erzielten niedersächsische Landwirte. Im Schmitt verdienten sie nach einem unterdurchschnittlichen Vorjahr 66,6 Prozent mehr. 

Ganz anders war die Lange in Schleswig-Holstein. Die Marktfruchtbetriebe konnten aufgrund der miserablen Erträge der Halmfrüchte nicht profitieren. Die Unternehmen des nördlichsten Bundeslandes lagen mit einem Gewinn von nur 24.000 Euro je Betrieb weit hinter dem Durchschnitt. Das war ein Minus von fast 33 Prozent zum ohnehin schlechten Wirtschaftsjahr 2017/18.

Hohe Futterkosten belasten Milchbauern

Milchkühe im Mlekstand

Futterbaubetriebe müssen Umsatzrückgänge und hohe Futterkosten akzeptieren. Nach dem Rekordergebnis im vergangenen Wirtschaftsjahr hat der rückläufige Milchpreis für zum Teil erhebliche Umsatzeinbußen im Futterbau gesorgt.

Ergänzend belasteten höhere Futterkosten die Wirtschaftlichkeit. Gegenüber dem Vorjahr brachen die Unternehmensergebnisse beispielsweise Schleswig-Holstein um über 50 Prozent ein, in Niedersachsen noch um gut 44 Prozent.

Die Gewinne lagen somit zwischen 40.000 Euro in Schleswig-Holstein und 65.000 Euro in Rheinland-Pfalz. Dort erlitten die Landwirte im Vergleich zum Vorjahr mit knapp vier Prozent die geringsten Einbußen.

Schweinehalter: China-Boom kam zu spät

Die erfreulichen Marktsignale bei Schweinen setzten  zu spät ein, um die Unternehmensergebnisse 2018/19 zu verbesesrn. Die Gewinne der Veredlungsbetriebe sanken im abgelaufenen Wirtschaftsjahr deutlich. Dabei mussten Ferkelerzeuger die weitaus höchsten Einbußen hinnehmen.

In Niedersachsen erzielten die Schweinehalter nur noch ein Unternehmensergebnis von 39.000 Euro, was einer Nettorentabilität von lediglich 46 Prozent entspricht. Mit dem Begriff Nettorentabilität wird beschrieben, in welchem Umfang Landwirte die eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit bezahlen können. Noch weniger verdienten die Landwirte in Schleswig-Holstein. Sie kamen nur auf rund 30.000 Euro.

Für NRW ergaben sich Unternehmensergebnisse von 43.000 Euro. Dies korrespondiert mit einer Nettorentabilität von 55 Prozent. Damit lagen die Ergebnisse weit unter dem Fünfjahresdurchschnitt, die für die Veredlungshochburgen auf circa 54.000 Euro je Betrieb zu beziffern sind.

Lediglich die Veredlungsbetriebe in Rheinland-Pfalz konnten, trotz eines ebenfalls nennenswerten Abwärtstrends, mit einem Gewinn von 53.000 Euro eine Nettorentabilität von immer noch unbefriedigenden 70 Prozent erzielen. Das Ergebnis lag gut 20 Prozent unter dem Vorjahr.

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Prognose 2020

Der Verband der Landwirtschaftskammern sieht für Futterbaubetriebe imlaufenden Wirtschaftsjahr keine wesentlichen Verbesserungen der Wirtschaftlichkeit. Die aktuelle Futterknappheit könnte Ergebnisse im Futterbau bei stagnierenden Milch- und Rindfleischpreisen sogar noch verschlechtern.

Dagegen werden die Schweinehalter vom China-Boom profitieren und ihre Ergebnisse verbessern. Voraussetzung ist, dass der China-Boom und die relativ guten Schweinepreise bis Mitte 2020 anhalten.

Bei stabilen Getreide- und Kartoffelpreisen erwarten die Kammerexperten für Ackerbauern eine Stabilisierung der Betriebsgewinne auf dem höheren Niveau.

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